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16.06.1995

Nachdenkliche Toene auf Diebold-Kongress Fuehrungsmaengel bringen Firmen um den Re-Engineering-Erfolg

MUENCHEN (CW) - Deutsche Unternehmen sind eifrig dabei, ihre Prozesse neu zu organisieren und ihre IT-Umgebungen auf Vordermann zu bringen. Dabei wird dem "Humankapital" eine zu geringe Aufmerksamkeit entgegengebracht. Die Fuehrungsmethoden haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht in dem Ausmass geaendert, wie es der Wertewandel in der Gesellschaft erfordert haette, meint der Muenchner Sozial- und Wirtschaftspsychologe Dieter Frey.

Auf einem Kongress der Diebold Deutschland GmbH, Eschborn, der die Veraenderungen in der Informationsgesellschaft thematisierte, ueberraschte Frey mit nachdenklichen Worten darueber, wie ungenuegend der "menschliche Faktor" in den Unternehmen genutzt werde. Untersuchungen haetten ergeben, dass sogenannte Pflicht- und Akzeptanzwerte wie Disziplin, Gehorsam, Pflichterfuellung, Fleiss, Bescheidenheit, Unterordnung, Selbstbeherrschung, Anpassungsbereitschaft oder Puenktlichkeit an Bedeutung verloren haben.

Statt dessen nehmen die "Selbstentfaltungswerte" zu. Die Menschen setzen mehr denn je auf demokratische Grundwerte, fordern Gleichheit und Partizipation. Parallel dazu setzen sich hedonistische Werte wie Genuss, Abenteuer, Abwechslung oder Spannung durch. Ausserdem denken die Menschen individualistischer, legen Wert auf Kreativitaet, Spontaneitaet, Ungebundenheit und Selbstverwirklichung bis hin zu purem Egoismus.

"Auf diesen Wertewandel", so die Kernthese Freys, "haben die Firmen bisher nicht reagiert." Die Folge sei, dass die Menschen sich mehr denn je ausserhalb ihres Arbeitsplatzes engagierten - etwa beim Hausbau, einer Vereinstaetigkeit oder im Hobby. "Die Ressource Mensch wird nicht genutzt", bilanzierte Frey.

Schuld an dieser Entwicklung sind vor allem die Fuehrungskraefte, die laut Frey oft von Eitelkeit, Stolz, Kritikempfindlichkeit und elitaerer Arroganz gepraegt sind. Sie blockieren die "Aktivierung des Humankapitals", weil sie ihre eigene Mentalitaet nicht durchschauen. Untersuchungen in deutschen Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen haben nach Angaben des Professors genau gezeigt, was die Mitarbeiter von ihren Chefs erwarten.

Eine der wichtigsten Leistungen ist demnach die Vermittlung eines Sinns, einer Vision. Fehle es daran, seien Entfremdung und innere Kuendigung die unweigerliche Folge. Ausserdem mangele es in vielen Firmen an der noetigen Transparenz - 70 Prozent der Mitarbeiter fuehlten sich schlecht informiert. Mit den Mitgestaltungsrechten beziehungsweise der Dezentralisation von Verantwortung ist es laut Frey ebenfalls nicht weit her. Nur selten werden Probleme dort geloest und Entscheidungen dort gefaellt, wo sie anfallen.

Zirka 60 Prozent aller Mitarbeiter fuehlen sich nicht optimal eingesetzt, sie sind entweder unter- oder ueberfordert. Sehr oft sitzen Leute schlicht am falschen Platz. Auf Lob oder Korrektur beziehungsweise Kritik verzichten viele Fuehrungskraefte nicht etwa, weil sie nichts zu kritisieren haetten, sondern weil es ihnen schlicht an Zivilcourage mangelt. Ausserdem stehen laut Frey "Wort und Tat in vielen Faellen nicht in Uebereinstimmung" - Mitarbeiter fuehlten sich betrogen.