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17.06.1994

Nachfolger fuer Pentium und PA-RISC-CPU HP und Intel wollen Prozessor fuer PCs und Workstations bauen

MUENCHEN (wm) - Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen Intel und Hewlett-Packard (HP) einen 64-Bit-Prozessor entwickeln, der die Vorzuege der RISC- und der CISC-Welt in sich vereint. Haben die Anstrengungen Erfolg, koennte daraus die marktbeherrschende CPU des naechsten Jahrzehnts entstehen. Intel haette damit auch die Gefahr gebannt, langfristig seine dominierende Rolle im PC-Prozessor- Markt zu verlieren.

Besonders zuversichtlich ist Bernard Guidon, HPs Marketing Director Computer Systems Europe. "Dies wird wirklich die Computerindustrie veraendern. Wir werden einen Prozessor konstruieren, der binaerkompatibel zu HPs PA-RISC- und Intels x86- Architektur ist. HP und Intel werden den PC- und Workstation-Markt dominieren, gefolgt von IBM und Motorola mit dem Power-PC- Prozessor. Damit bleibt nicht mehr viel Platz fuer Digitals Alpha- CPU, Sun mit dem Sparc-Prozessor oder fuer den RISC-Chip von Mips."

Guidon sieht wenig Probleme fuer die neuen Partner. Weder fuerchtet er technische Schwierigkeiten (siehe Seite 23), noch schrecken ihn die Kosten. Genaue Zahlen wollte er allerdings nicht nennen. Amerikanische Marktbeobachter schaetzen die notwendigen Ausgaben auf wenigstens 500 Millionen Dollar. Eine Investition indes, die sich auszahlen wuerde, wenn alle Intel- und HP-Kunden auf den neuen Prozessor wechseln wuerden: Intel hat weltweit die Prozessoren fuer rund 150 Millionen PCs geliefert.

Trotz aller Euphorie ist noch nicht sicher, ob der Zusammenschluss rechtlich zulaessig ist: In einer offiziellen Erklaerung von HP und Intel wird angedeutet, dass sich die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) fuer die Zusammenarbeit interessiert.

Marktbeobachter beurteilen die Chip-Allianz kritischer

Rosige Aussichten bringt das Abkommen zwischen HP und Intel fuer Microsoft, wo man fuerchtete, eines Tages sechs oder sieben Windows-Versionen anbieten zu muessen - eine fuer jeden PC-Prozessor auf dem Markt. "Fuer Microsoft ist damit in jedem Fall klar, dass sich die PC-Industrie noch weiter konsolidieren wird", zitiert die CW-Schwesterpublikation "Computerworld" Linley Gwennap vom "Microprocessor Report".

Die Konsolidierung braechte auch fuer grosse Anwender Vorteile, wenn damit eine einheitliche Hardware fuer PCs und Workstations zur Verfuegung stuende. "Wenn nur noch ein Prozessor in allen Rechnern genutzt wird, entfaellt damit ein grosser Teil der Wartungs- und Unterhaltskosten", sagt Gene Friedman, Vice-President der Chase Manhattan Bank in der "Computerworld". "Ich waere damit meine Sorgen ueber Transportprotokolle und Bridges los, die zwischen den einzelnen Betriebssystemwelten noetig sind."

Marktbeobachter beurteilen die Chancen der neuen Chip- Allianz kritischer. Sie sehen Vorteile bei dem Triumvirat IBM, Motorola und Apple. Schreitet die Entwicklung des Power-PC-Prozessors so schnell voran wie bisher, koennten Intel und HP das Nachsehen haben.

Im Oktober 1991 begann die Arbeit am Power-PC-Prozessor, und im Oktober 1992 stellten die Unternehmen den Power-PC-Prozessor 601 vor. Heute ist bereits die stromsparende Version 603 des Chips erhaeltlich, und bis Ende des Jahres soll der Power-PC-Prozessor 604 auf den Markt kommen. Im naechsten Jahr wird der Power-PC- Prozessor 620 fuer Multiprozessorsysteme folgen. Zudem arbeiten IBM und Motorola an der Version 615, die einen x86-Prozessor emulieren wird.

Der Power-PC-Prozessor 615 waere damit der Chip fuer mehrere Betriebssysteme wie IBMs Unix-Variante AIX, Windows und Windows NT von Microsoft sowie Apples System 7. Selbst wenn die Architektur erst 1997 verfuegbar sein sollte, laegen IBM und Motorola damit immer noch ein bis zwei Jahre vor HP und Intel - genug Zeit, um Software-Entwickler und Anwender auf ihre Seite zu ziehen.