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23.07.1982

Nachhilfeunterricht für die Japaner

23.07.1982

Mit dem "Exodus" (Seite 1) fängt, so paradox das klingt, die Geschichte erst an. Festzuhalten ist nämlich, daß die latente Vorstellung von der Überlegenheit der Amerikaner auf dem Computersektor erneut Boden findet.

Marktführer-Minis, ermittelte die US-Zollbehörde, sollten via Bundesrepublik und der Schweiz nach Moskau verschoben werden: DEC-Technology für die Comecon-Länder. Die gescheiterte XA-Spionage einiger Japaner hat gerade erst Schlagzeilen gemacht. "Big Blue"- Pausen sollten klammheimlich den Besitzer wechseln; ein Handel, igitt, am Rande von Moral und Legalität. Die US-Presse sieht denn auch die amerikanisch-japanischen Handelsbeziehungen vor einer Belastungsprobe. Emotionen werden freigesetzt, Klischees erneuert.

Jerry Brown, Gouverneur von Kalifornien, gewinnt dem Einbruchsversuch allerdings eine durchaus positive Seite ab: Der Fall zeige doch, so der Politiker, wie interessant der kalifornische Graben, insbesondere das San Francisco Valley, für ausländische Siliconsucher sei.

Man versteht, Browns Genugtuung: Die Claims sind abgesteckt - IBM, Intel & Co. heißen die Besitzer. Und Schürfrechte gibt's nur gegen Copyright. Dieses haben die Japaner verletzt. Nichts anderes ist geschehen. Ob die Talbewohner die besseren Chips haben, steht dahin. Doch ihnen gebohrt die Marketingkrone. im Verkaufen ist vor allem IBM dem Rest der Welt Ober. Quartalsgewinne in Milliardenhöhe sprechen für sich.

Die Japaner werden ihre strategische Grundposition neu überdenken messen. Man hat sich in der Vergangenheit zu sehr auf die Hardware konzentriert, dort zweifellos Enormes geleistet. Darüber wurde, meinen Branchenkenner, die Entwicklung von Software "westlichen Zuschnitts" vernachlässigt. Hinzu kommt, daß sich IBM-Software-Kompatible, als die sich die Japaner stets verstanden haben, nach der Betriebssystemdecke des Marktführers strecken müssen. Zwei Dinge brauchen demnach die Söhne Nippons: Nachhilfe in Marketing und Anschauungsunterricht in XA (Extended Architecture), IBMs neuer Betriebssystemzange.

Was das Marketing betrifft, werden sich die Hitachis und Fujitsus wohl selbst zu helfen wissen. Die XA-Schwäche ist dagegen ernster Natur. Denn Eingeweihten ist klar, daß IBM nichts Ober die neue Systemarchitektur sagen kann, nicht einmal vor Kunden. Ergebnis: Der Markt ist verunsichert, übt Zurückhaltung. Schlechte Zeiten für Nicht-IBM-Hersteller. Ja, man hat sogar den Eindruck, der Mainframe-Riese stecke seinerseits in Schwierigkeiten, die erweiterte Adressierung einzufahren. Hier Wäre nun in der Tat Nachhilfeunterricht angebracht - für IBM-Mitarbeiter, IBM-Kunden, Japaner und Journalisten: Was XA eigentlich ist und was es nicht kann. Den Gefallen wird einem der Marktführer nicht tun.

Unbefriedigend bleibt dies alles gleichwohl. Wir glauben nämlich, daß um XA eine grobe Anwenderverlade im Gange ist. Vertrauen erweckt, die IBM-Politikjedenfalls nicht.