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Kritik an Hannover-Messe-Gesellschaft und kein Ende:


11.04.1986 - 

Nachschlag zur CeBIT-Messe rührt an die Schmerzgrenze

Zwischen den Messen entwickelt sich Wehmut, wie zwischen den Jahren. Unmutsäußerungen sind in Presse und persönlichen Gesprächen ausreichend für eine repräsentative Aussage gefallen. Vorsichtig sind noch große Aussteller, die sich in den Verbänden, als die Teilung noch in Frage stand, nicht entschieden genug gegen den simplen Verdopplungsbeschluß aufgelehnt haben, glaubten Sachzwänge akzeptieren zu müssen, die in Wahrheit nur den Weg des geringsten Widerstands kaschierten: Man werde die zweite Auflage der vorwiegend negativ beurteilten Halbmessen im Frühjahr 1987 vor einer endgültigen Be-/Verurteilung abwarten. Die COMPUTERWOCHE hat in Fortsetzung ihrer bisherigen Berichterstattung über "Cebit-Experimental" und die entsprechende Kommentierung weitere Stimmen gesammelt, die die Verantwortlichen in Hannover veranlassen sollten, die Infrastruktur des Messegeländes und des Landes darumherum einer High-Tech-Messe endlich anzupassen. Noch ist die Chance, um die sich Wintersportorte weltweit reißen, nicht ganz vertan, eine Olympiade, wenn auch eine Handelsolympiade, in der an Attraktionen nicht übermäßig reichen Leinestadt doch noch oder wieder zu etablieren, und das auch noch jährlich. Eine abgebrannte Halle am Südende des Messeareals sollte doch Brachland für kreative Einfälle sein und Anlaß genug für eine gründliche Flurbereinigung der alten Besitzstände. Wer freilich sieht, wie lieblos und knickrig der lokale Messeverkehr, mit welch alten Vehikeln, mit welcher Zugfolgenfrequenz abgewickelt wird, der kann das nur noch symbolisch nehmen für Bahnhof-Verständnis - und das auch noch in der tiefsten Provinz. bi

Wolfgang Schallhorn, Cipher Data Products GmbH, Puchheim

Ein Stand in der augenscheinlich besser besuchten Halle 1, dem klassischen CeBIT, wäre uns lieber gewesen. So waren wir (in Halle 18) mit dem Besucher-Zustrom nur bedingt zufrieden. Erstaunlich fanden wir allerdings die hohe fachliche Kompetenz der Interessenten, die an den gestellten Fragen deutlich abzulesen war.

Was den OEM-Bereich betrifft, ähnelte das CeBIT eher einem Familientreffen, denn die meisten unserer Besucher, deren Zahl sich in überschaubarem Rahmen hielt, kennen uns und unser Produktspektrum. Nach heutigem Stand unserer Betrachtung war dies wohl die erste und gleichzeitig die letzte Beteiligung von Cipher am CeBIT, die den Aufwand - kritisch betrachtet - nicht gelohnt hat.

Durch die Trennung von CeBIT und Industriemesse fehlten uns die Hersteller von Industrieautomations- und vergleichbaren Systemen, die ebenso wie kommerzielle Anwender Daten von Winchester-Magnetplatten zu sichern haben, als Besucher. In diesem Marktsegment erwarten wir künftig deutliche Zuwachsraten; das CeBIT in seiner jetzigen Form stellt aber hierfür offensichtlich nicht das geeignete Podium dar.

Oskar Hoffmann, Freier Berater, Kelkheim

Zu der langsam immer mehr ausufernden Diskussion Messe Hannover - geteilt oder ungeteilt - möchte ich einige Beobachtungen ganz anderer Art einbringen.

Ich habe meine 35 Jahre Messe Hannover hinter mir und glaube ein Gefühl für, "volle" und "leere" Messen zu haben. Dieses Gefühl deckt sich aber selten mit den Aussagen der Messeleitung.

Hier meine Erfahrung 1986:

Auch auf der Messe muß der Mensch, egal ob Messebesucher oder Standbesatzer, menschlichen Bedürfnissen nachgehen: Er muß essen und auch hin und wieder das stille Örtchen besuchen. Die erfahrenen Messeleute haben hierzu ihre Stammlokalitäten, dort wo man sich seit Jahren kennt.

Ich bin nun ein Milchreisfan, da ich so was zu Hause nicht bekomme. In all den vergangenen Jahren mußte ich für mein Milchreisfaible mindestens 20 bis 30 Minuten im Milchrestaurant anstehen und hatte dann sicherlich keinen Sitzplatz zum Essen. Nicht so 1986. Heuer konnte ich ohne Anstehen am Tresen vorbeigehen, meinen Milchreis in Empfang nehmen und mich in Ruhe zum schmausen hinsetzen. Sicherlich gibt es eine Statistik, die beweist, daß die Fachbesucher 1986 nur zu Fachgesprächen kamen, nicht aber zum Milchreisessen.

Wenn ich mein Örtchen in den vergangenen Jahren aufsuchte, hatte ich das unendliche Vergnügen, längere Zeit im Mief zu stehen, und ich konnte mir die betretenen Gesichter der Mitbewerber betrachten. Auch diesmal stand ich mit Anstand und Abstand im Vorraum herum, bis mich mein Klowärter darauf aufmerksam machte, daß die meisten Klos frei wären. Sicherlich gibt es auch hierfür eine plausible Erklärung.

Die nachmittägliche Leere auf den Ständen hatte aber ihre menschlichen Vorteile. Ich weiß nun, daß Frau Schmitt (mit tt) von nebenan Ursula heißt und drei Kinder hat, während Herr Bürger von gegenüber gerade sein erstes erwartet. Dies hätte ich in der Hektik der vergangenen Jahre nie erfahren!

Mein Stammbistro in der Südstadt legte am Dienstag (Vormessetag) klammheimlich die neue" gestraffte" Speisekarte auf. Weniger Gerichte, damit man dem kommenden Messeansturm rationell gerecht werden kann. Am Donnerstag (2. Messetag) lag die Originalspeisekarte mit den Originalpreisen wieder da und ich saß alleine mitten unter lauter Hannoveranern. Kein einziger Messebesucher hatte sich in das Bistro verirrt! Nur in einer Ecke sah man einige Messemiezen mit ihren Standbesatzungen.

Ich wohne seit Jahr und Tag im selben Messequartier und fahre immer zur selben Zeit zur Messe. Am ersten Messetag 1986 dachte ich, entweder eine Stunde zu früh unterwegs zu sein, oder die verkehrte Autobahn genommen zu haben: 100 und mehr Meter hinter mir nichts, 100 und mehr Meter vor mir nichts. Ein ganz neues Fahrgefühl in Hannover!

Am Samstag, auch bei der Anfahrt, endlich ein Stau! Die Messe greift also doch - dachte ich mir. Aber es war nur ein Unfall, dann ging es ganz normal weiter.

Nach diesen eigenen, persönlichen Erfahrungen kann ich für mich nur feststellen, daß alle Aussagen über einen enormen Besucherstrom nicht stimmen können und aus dem Hut gezaubert sind.

Oder - so frage ich mich manches Mal, wenn ich die Zahlen lese - vielleicht war ich gar nicht in Hannover und habe alles nur geträumt!

Manfred Combüchen und Heiko Flashpohler, Symbolics GmbH, Eschborn

Der Blick zurück auf das Büro von gestern mag symptomatisch für das Marktverständnis des Veranstalters sein. "Heiße Themen" und für die Wirtschaft wichtige Inhalte wie Wissensverarbeitung und Künstliche Intelligenz sind nicht aufgegriffen worden. Bezogen auf die veröffentlichten Besucherzahlen sei man nicht bereit, die Verlautbarungen der Messe unwidersprochen zu lassen. Allen bisher veröffentlichten Besucherstatistiken zum Trotz hat Symbolics in der Halle 1, in der das Unternehmen vertreten war, deutlich weniger Besucher als im Vorjahr beobachten können.

Wir haben den Verdacht, daß die CeBIT Hannover-Messe sich noch mehr zu einer EDV-Veranstaltung mit deutlich norddeutschem Überhang entwickeln wird. Die Messegesellschaft muß sich für die künftigen Veranstaltungen einiges einfallen lassen, um die Anforderungen der Aussteller zufriedenzustellen. Im übrigen ist die Messe zu lang und zu teuer, da den Preisen eine geringere Dienstleistung gegenübersteht als früher. Das Hauptproblem der Messegesellschaft scheint darin zu bestehen, daß sie sich nicht eindeutig auf Zielmärkte festlegen will. Zwar sollen EDV-Fachleute angesprochen werden, aber auch das breite Publikum und die Jugendlichen in dem nicht besonders erfolgreichen Computer-Camp. Das kann auf die Dauer nicht gutgehen.

Unsere Beteiligung an der CeBIT selbst war erfolgreich. Allerdings ist durch eigene Anstrengungen die angestrebte Zielgruppe erreicht worden. Dabei hat es sich nicht um den typischen, an der klassischen EDV interessierten CeBIT-Besucher gehandelt, sondern um Entscheider der ersten und zweiten Führungsebene aus Großunternehmen. Es ist von vornherein klar gewesen, daß der früher zu verzeichnende Effekt der wechselseitigen Bereicherung beider Messeteile, die jetzt in zwei Veranstaltungen aufgeteilt worden sind, wegfallen wird. Trotzdem wird Symbolics auch 1987 wieder an der CeBIT teilnehmen, weil dann die Anwendungsgebiete der Systeme und der Produkte der Softwarepartner des Unternehmens erheblich gewachsen sein werden.

Wegen der halbherzigen Festlegung der Hannover-Messe-Industrie auf eine "bescheidene Zusatzschau" zum Thema industrielle Automation hat sich Symbolics nicht entschließen können, dort selbst auszustellen, sondern wird sich dort indirekt mit Systemen bei Anwendern vertreten. Mehr versprechen wir uns von der CAT im Mai in Stuttgart und von der Systec im Oktober in München, auf der wir mit einem eigenen Stand vertreten sein werden.

Fuchsbriefe

Ob die Teilung der Hannover-Messe in die CeBIT, Büroinformations- und Kommunikationsmesse, und in die "Industriemesse Hannover" - die zum ersten Mal 1986 vorgenommen wurde - richtig war, wird sich erst nach Abschluß der Hannover-Industriemesse (vom 9. - 16. April zeigen.

Die von der Messeleitung veröffentlichten optimistischen Abschlußberichte (12. - 19. März) widersprechen sich mit kritischen Stimmen aus der ausstellenden Wirtschaft.

Hannovers Trumpf waren bisher gerade die Branchenintegration und das über die einzelnen Branchen hinausgehende integrierte Angebot. Dies ist durch die Messeteilung zerstört worden. Jede Branche auf der Investitionsgütermesse braucht auch die Büro-Informations- und Kommunikationstechnik. Umgekehrt können die Elektronik-Aussteller ihre Software nur verkaufen, wenn sie wissen, was die Industrie braucht. Dies zwingt Verkäufer und Käufer zum doppelten Messebesuch, und hier hört - wegen der Kosten - die Gemütlichkeit auf. Ein Teil der führenden Anbieter auf der CeBIT-Messe wird 1987 weniger Personal nach Hannover schicken. Einige Anbieter wollen der Messe sogar gänzlich fernbleiben. Die Industriemesse im April wird zeigen, ob sie ohne CeBIT-Angebot noch genügend Attraktivität besitzt.

Lutz Leinert, NCR GmbH, Augsburg

Die Abtrennung der CeBIT von der Industrie-Messe hat ganz eindeutig nur einen Vorteil, aber viele Nachteile gezeitigt. Der Vorteil: Die Infrastruktur Hannovers wurde angenehm entlastet.

Die Nachteile:

- Die Zahl der für unser Geschäft interessanten Besucher auf unserem Stand ist insgesamt etwa um ein Drittel niedriger gewesen als im Vorjahr. Zusätzlich:

- In manchen Vertriebsbereichen, nicht in allen, wurde der gewohnte Besuch der Unternehmensvorstände vermißt. Das gleiche gilt für mittelständische Unternehmensleitungen, die nicht DV-Experten sind.

- Zu beobachten war eine noch stärkere Konzentration der Besucher aus dem west- und norddeutschen Raum.

Fazit: Die CeBIT kommt nicht mehr in den Genuß des Flairs und der sowohl branchen- wie auch hierarchieübergreifenden Anziehungskraft der Industriemesse. Sie ist auf dem Weg zur gewöhnlichen Fachmesse. Ob diese Entwicklung mittelfristig die überdurchschnittlichen Aufwendungen des Ausstellers NCR für Hannover rechtfertigt, ist die Frage.

Zeitschrift für das Post- und Fernmeldewesen

So wird man nach langen Diskussionen vorerst der COMPUTERWOCHE in München rechtgeben müssen: Die Hannover-Messe-Teilung "wäre zu vermeiden gewesen" (19.7.85).

Wirtschaftswoche

Ob das für die CeBIT der richtige Weg ist, scheint fraglich. Viele der enttäuschten Aussteller sehen Hannover bereits, wie Helbig es ausdrückt: "auf dem Weg zur norddeutschen Regionalmesse." Und da wartet schon die Konkurrenz: die "Orgatechnik" im Herbst in Köln und die "Systems" in München, die mit der "Systech" inzwischen eine Schwester für einen jährlichen Ausstellungsrhythmus bekommen hat.

Und zudem ist noch nicht sicher, welche Auswirkung die Abspaltung der Computertechnologie auf die Industriemesse (9. bis 16. April) haben wird. Einige Computerhersteller wie Digital Equipment, Hewlett-Packard oder Honeywell haben vorsichtshalber dort bereits einen Stand gemietet. SEL-Weiler: "Da wird im April sicher manch ein Besucher enttäuscht vor der einstigen CeBIT-Halle stehen."

Und nicht nur in der Büro- und Informationstechnik-Branche fragt man sich, ob denn das hannoversche Industrieschaufenster noch interessant genug ist, nachdem die Computer weitgehend ausgeräumt sind. Bange Blicke richten sich vor allem auf die ausländischen Besucher. Ob das Experiment der zweigeteilten Hannover-Messe geglückt oder gescheitert ist, werden spätestens die Aussteller- und Besucherzahlen des Jahres 1987 deutlich machen.