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17.07.1998 - 

Kolumne

"Nachwuchsprobleme selbst gemacht"

Als Jurassic Park bezeichnete die französische Sportzeitung L'Equipe die deutsche Fußballnationalelf. Damit spielte sie auf das Nachwuchsproblem an, mit dem sich Berti Vogts herumschlägt.

Mit seinen Verschwörungstheorien (die Fifa und die Schiedsrichter sind schuld) bleibt der Bundestrainer zwar allein, aber den Mangel an jungen Fachkräften teilt er mit der deutschen Wirtschaft, speziell mit den IT-Managern in Anwenderunternehmen und den Personalleitern der IT-Anbieter.

Noch nie suchte die IT-Szene so viele Leute wie in diesem Jahr - allein die SAP will bis Dezember 5000 Stellen besetzen, 1800 davon in Deutschland. Dabei sind die Walldorfer kein Einzelfall. Branchenvertreter wie der Vorsitzende des Fachverbandes Informationstechnik, Menno Harms, beklagen 20000 offene Stellen für IT-Profis allein in den anbietenden Unternehmen. Andere erklären, daß zur Zeit in Deutschland 50000 DV-Kräfte fehlen. Das bremst nicht nur das Wachstum der Branche, sondern auch die Einführung moderner IT-Architekturen bei den Anwendern. Angesichts dieses Mangels nutzen die Firmen praktisch jede Möglichkeit, über Stellenanzeigen, Internet-Jobsites und Recruitment-Messen der Fachleute und Absolventen mit einschlägigem Hochschulstudium habhaft zu werden.

Doch diese zum Teil hektische Suche beweist auch eindrucksvoll, daß sich die Branche zu lange zuwenig um den Nachwuchs gekümmert hat. Anfang der 90er Jahre, als die durch die Wiedervereinigung bedingte Sonderkonjunktur nachließ und viele Unternehmen Umsatz- und Gewinneinbrüche verzeichneten, wurden zuerst die Personalentwicklungspläne zusammengekürzt oder komplett gestrichen. Mit dem Ergebnis, daß jetzt nicht aufgehen kann, was damals nicht gesät wurde. Statt einzuräumen, in den letzten Jahren die Ausbildung von Nachwuchskräften vernachlässigt zu haben, beklagen sich viele Personaler lieber über die industriefremden und unzeitgemäßen Inhalte der Informatikstudiengänge an den Hochschulen oder über die Rahmenbedingungen des Standorts Deutschland im allgemeinen. Natürlich ist diese Kritik teilweise berechtigt, ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Unternehmen heute Nachwuchskräfte deshalb so teuer bezahlen müssen, weil sie jahrelang nichts für die Einsteiger getan haben.