Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.08.1997 - 

Bierfahrer mit Modem und PC

Nahverkehrsdienstleister soll den Einzelhandel revolutionieren

Er hat eine Menge schlaflose Nächte hinter sich, und noch ist er nicht am Ziel. Jürgen Stehle, Geschäftsführer des Münchner DV-Schulungsanbieters CDI, hat ein neues Berufsbild entwickelt, das nicht mit dem bisherigen Profil seines Instituts übereinstimmt. Im Grunde genommen paßt die Ausbildung zu keinem Anbieter von arbeitsamtgeförderten Schulungsprogrammen.

Stehles Argumentation ist einleuchtend. Wenn Deutschland sich zur Dienstleistungsgesellschaft entwickelt, müssen auch im Servicesektor Arbeitsplätze entstehen. Seine Antwort darauf heißt: Nahverkehrs- beziehungsweise Versorgungsdienstleister. Die Idee ist einfach und bestechend. Genau wie bereits seit längerem Bier oder ökologisches Gemüse wieder bis an die Haustür gebracht werden, soll der neue Dienstleister (fast) alles nach Hause liefern, was sich klassischerweise in den großen Supermärkten kaufen läßt.

Der CDI-Chef verweist auf Marktuntersuchungen, denen zufolge Heimzulieferdienste sowie Services wie Teleshopping und Mailorder respektable Zuwachsraten von jährlich drei bis fünf Prozent verzeichnen. In den USA, so Stehle, hat sich "eine umfassende Belieferung der Kunden mit Lebensmitteln, Getränken, Versandhausprodukten etc. als häufig nachgefragte Dienstleistung herauskristallisiert".

Im Zeitalter der porschefahrenden Yuppies und grenzenlosen elektronischen Kommunikation stellt sich Stehle als Nahverkehrsdienstleister alles andere als den grantelnden, im blauen Kittel daherkommenden Bierfahrer vor.

Das Anforderungsprofil ist klar definiert:

- höfliche Umgangsformen,- Marketing-Orientierung,- PC- und Internet-Kenntnisse,- Warenkunde,- Logistikplanung,- Erfahrungen im Speditionswesen und- kaufmännische Grundlagen.

Auf konventionellem Wege soll es so laufen, daß der Kunde per Zettel die Ware bestellt. Angestrebt wird aber, daß die Interessenten per PC und Modem die Bestellung direkt an ein zentrales Lager abschicken. Nicht nur das: Via Internet sollen sich die Kunden über Sonderangebote und neue Produkte informieren und im Endausbau direkt bestellen können. Von diesem zentralen Lager erfolgt dann die Lieferung ohne Umweg über den Handel direkt von dem Produzenten. So lassen sich für den Endkunden Preise erzielen, die mit denen der Supermärkte vergleichbar sind, ist Stehle überzeugt. "Sollte dieses Konzept einschlagen, wird es den Handel revolutionieren."

Zunächst war Stehle froh, daß er überhaupt ein Arbeitsamt gefunden hat, das sich bereit erklärte, eine solche Maßnahme zu finanzieren. Die Beamten interessiert in erster Linie die Vermittlungsquote. Und in Zeiten knapper Kassen lassen sich Staatsdiener erst recht nicht auf Abenteuer ein, also auf ein neues Berufsbild, von dem keiner weiß, ob es sich, statt neue Jobs zu bringen, nicht doch als Flop herausstellt.

In Mannheim starteten nun die ersten 20 Dienstleister neuen Stils mit ihrer Ausbildung. Diese soll je nach den bisherigen beruflichen Erfahrungen der Teilnehmer drei bis acht Monate dauern. Besondere fachliche Vorkenntnisse seien nicht gefordert, meint Stehle.

CDI hat errechnet, daß ein Kurier leben kann, wenn er 200 Stammkunden mit Waren im Wert von 60000 Mark pro Monat beliefert. Zur Zeit verhandelt Stehle mit Mannheimer Großbetrieben, die sich bereit erklären müssen, daß ihre Mitarbeiter während der Arbeitszeit via Kurier ihre Waren bestellen können.