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16.03.2001 - 

Heftige juristische Turbulenzen um Napster, MP3.com und AOL

Napster wird zur Blockade verdonnert

MÜNCHEN (CW) - Die Musiktauschbörse Napster sieht schwierigen Zeiten entgegen. Erst vor kurzem hatte eine kalifornische Richterin entschieden, dass der Online-Dienst Lieder blockieren muss, falls ein Plattenkonzern Urheberrechte geltend macht. Nun haben die ersten Firmen ihre Listen an Napster übergeben. Gegen AOL erging in München ein Urteil wegen illegal verbreiteter Musik, und auch gegen MP3.com liegen zwei Klagen vor.

Erste Mitglieder des amerikanischen Plattenverbands RIAA haben Napster am 9. März Listen mit 135000 Liedern überreicht. Dem Gerichtsbeschluss zufolge musste Napster die genannten Songs binnen dreier Tage mit Hilfe eines Filtersystems blockieren. Unterdessen entwickelt sich offenbar ein Wettrüsten zwischen Filterprogrammierern und hartnäckigen Napster-Fans, die Tools zum Umgehen der Filter entwickelt haben. So veröffentlichte beispielsweise der konkurrierende Dienst Aimster ein Programm, das die Namen der Dateien und Künstler in eine Slangsprache umwandelt. Napster hat auf diese Strategie umgehend mit einer Verfeinerung seiner Filter reagiert.

Einen noch raffinierteren Ansatz verfolgen Programme, die die Datei- und Künstlernamen beim Upload per Zufallsgenerator verfremden. Ein Download-Tool, das mit den gleichen Algorithmen arbeitet, kann die kryptischen Namen wieder entziffern, wobei das Verfahren für den Anwender transparent bleibt.

Napster droht aber bereits eine weitere Prozesswelle. So hat Emusic, ein auf Musik-Downloads spezialisierter Anbieter, Klage gegen Napster wegen indirekter Copyright-Verletzung und der Beihilfe dazu eingereicht. Hintergrund dieser Klage, die sich von den bisherigen unterscheidet, ist, dass Emusic exklusiver Lizenznehmer für digitale Songs ist. Da über Napster viele Emusic-Dateien getauscht werden, soll Napster für diese Lizenzverletzungen Schadensersatz leisten.

Auch die Online-Musik-Site MP3.com muss derzeit einige Schläge einstecken. Die Betreiber hatten sich schon vor längerem gütlich mit der Plattenindustrie geeinigt. Doch nun klagt das Independent-Label TVT-Records, das unter anderem die Band XTC unter Vertrag hat, wegen Copyright-Verletzungen auf Schadensersatz. Schmerzlich dürfte für MP3.com zudem sein, dass auch der eigene Versicherer Westport Insurance gegen das Unternehmen rechtliche Schritte ergreift. MP3.com hat mit dieser Gesellschaft einen Vertrag, der den Musikdienst vor Schadensersatzforderungen schützen soll. Nun weigert sich die Versicherung, für einen solchen Schadensfall aufzukommen, weil der Online-Anbieter tatsächlich das Copyright verletzt und sein Geschäft vorsätzlich falsch dargestellt habe.

Zu guter Letzt ist auch noch der Online-Gigant AOL in den Wirbel um Napster und Musikpiraterie involviert. AOL Time Warner hat Interesse an der Musikbörse bekundet. In einem Interview mit dem britischen BBC Online teilte Generaldirektor Garry Levin mit, dass man einen Vertrag mit Napster unterzeichnen wolle, sobald der Dienst ein funktionierendes Filtersystem habe.

Erst wenige Tage zuvor wurde bekannt, dass AOL nach einem Urteil des Münchner Oberlandesgerichts Schadensersatz zahlen muss, weil das Unternehmen Werbung für seine Dienste gemacht und somit Musikpiraten angelockt hat. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" ging es dabei um ein Musikforum im Internet, in dem illegale Midi-Dateien zum Download angeboten wurden. Obwohl AOL keine Kenntnis von dem Forum hatte, entschieden die Richter, dass AOL eine Mitschuld habe, da die Möglichkeit der Einrichtung eines derartigen Forums eine Einladung zur massenhaften Verletzung von Urheberrechten sei.