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18.10.1996 - 

Existenzgründungen am Standort Deutschland (Teil 4)

Nasdaq: Was der Tanz auf dem US-Börsenparkett kostet

Warten auf Godot heißt es im Prinzip schon seit längerem für viele deutsche IT-Jungunternehmer, die vor dem Problem stehen, das weitere gesunde Wachstum ihrer Company zu finanzieren. Gemeint ist die Tatsache, daß sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene ein auf die spezifischen Belange der IT-Branche zugeschnittenes Börsenparkett erst im Entstehen ist. So hat zwar dieser Tage in Brüssel die European Association of Security Dealers Automated Quotation (Easdaq) als, wenn man so will, EU-weites Pendant zur Nasdaq ihren Betrieb aufgenommen aufgrund der ausstehenden Klärung juristischer Details dürfte es allerdings noch einige Wochen dauern, bis dort tatsächlich Börsenkurse über die Bildschirme flimmern. Und frühestens im März 1997 soll mit dem "Neuen Markt" der IT-spezifische Ableger der Deutschen Börse AG in Frankfurt am Main an den Start gehen (ausführliche Berichte hierzu folgen).

Noch fehlt es also hierzulande sowohl am Klima als auch den Voraussetzungen für - neuen Wachstumsmärkten angepaßte - Kapitalbeschaffungsstrukturen und damit auch an einer entsprechenden Aktienkultur (siehe Abbildung). Banken stehen IT-Projekten und deren Chancen im Markt in aller Regel mehr als skeptisch gegenüber, gleichzeitig ist meistens die Eigenkapitaldecke junger Firmen für die klassischen Kriterien einer Kreditvergabe zu gering. Gerade selbiges benötigen und suchen aber die Unternehmen, was damit zum hinlänglich bekannten Problem des Versuchs einer Quadratur des Kreises führt. Hinzu kommen diverse "Standortfaktoren", die bis dato als Hindernis nur schwer zu umschiffen sind. Zum Beispiel die Tatsache, daß deutsche Anleger immer noch lieber in festverzinsliche Papiere oder Immobilien als in Aktien investieren. Oder der Umstand, daß ein Börsengang in Deutschland immer noch an den für Firmen sehr anspruchsvollen Zulassungsvoraussetzungen scheitert - ein jährlicher Mindestumsatz von 200 Millionen Mark läßt grüßen!

Was macht die in New York ansässige US-Computerbörse Nasdaq für deutsche IT-Unternehmen nun so interessant? Zunächst einmal ihre "Papierform". Mittlerweile sind dort einer "Handelsblatt"-Analyse vom Frühjahr zufolge mehr als 5000 junge und wachstumsorientierte High-Tech-Companies notiert. Das Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr knapp 2,4 Billionen (!) Dollar und war damit rund viermal so hoch wie der gesamte Aktienumsatz in Deutschland. Der entsprechende Nasdaq Composite Index stieg 1995 um fast 40 Prozent, was die dortigen Kurschancen unterstreicht. Die Computerbörse ist somit nach der New York Stock Exchange die weltweit wichtigste Börse - ein Ranking, das, wie es heißt, selbst in der IT-Branche etablierte Unternehmen wie Digital Equipment (DEC) und Microsoft, die dort alle als kleine Unternehmen gestartet sind, veranlaßt, nicht etwa zum "großen Bruder" an der Wall Street zu wechseln. Ganz zu schweigen von den jüngsten Erfolgsgeschichten von Firmen wie Netscape und Yahoo, bis vor kurzem noch Newcomer, deren Neuemissionen ein regelrechtes Kursfeuerwerk nach sich zogen und vielen hierzulande mit einem Börsengang liebäugelnden Unternehmen erst recht Appetit machten.

476 Firmen wagten allein 1995 den Gang an die Nasdaq 34 europäische in den vergangenen zwei Jahren. Im Vergleich dazu waren es 1995 ganze 20 in Deutschland. Dies, obwohl sich mit gewissen Änderungen im hiesigen Aktienrecht durchaus auch strukturell etwas getan hat. Etwa durch eine Reform des sogenannten Umwandlungsgesetzes, wonach nun 100000 Mark als Grundkapital für eine Aktiengesellschaft ausreichen und der Tatsache, daß der Mindestnennbetrag von Aktien auf fünf Mark gesenkt wurde. Doch die Tücke liegt, wie fast immer, im Detail. Bei den in Deutschland noch dünn gesäten Wirtschaftsprüfern mit Know-how, die durch ein entsprechendes Bilanzieren, Reporting und Auditing die jeweilige Wachstumsperspektive eines Unternehmens nicht nur deutschen Banken gegenüber verdeutlichen, sondern gegebenenfalls auch für die Kriterien der US-Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) tauglich machen.

Womit man wieder beim Thema Nasdaq wäre. Die von der SEC bei der Notierung an US-Börsen geforderten höheren Standards in puncto Offenlegungspflicht bei der Rechnungslegung nach US-GAAP (Generaly Accepted Accounting Principles) lassen, so Experten, die Kosten für ein Going Public an der Nasdaq auf durchschnittlich das 1,5fache im Vergleich zu Deutschland steigen. Dem stünden indes die höhere Bewertung und die besseren Kurschancen gegenüber, so daß sich eine Notiz in aller Regel lohne. Auch die Kosten im einzelnen wurden in der "Handelsblatt"-Analyse beziffert: So müßten für die Konsortialbanken fünf bis zehn Prozent des Emissionsvolumens einkalkuliert werden. Der Aufwand für Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Druck- und sonstige Auslagen belaufe sich, je nach Plazierungsvolumen, auf 150000 bis 500000 Dollar zusätzlich seien Kosten von 10000 bis 15000 Dollar pro Jahr für die Depotbank zu kalkulieren.

Eine Alternative zur direkten Notiz an der Nasdaq sind sogenannte American oder auch Global Depositary Receipts (ADR/ GDRs). Sie kommen insbesondere dann in Frage, wenn bereits ein Handel der Aktien in Deutschland stattfindet oder künftig neben der Notiz in den USA der Gang an die Börse etwa in London oder Luxemburg gewünscht wird.