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23.01.1997 - 

Interview

"Native Java-Compiler sind nichts Schlimmes"

CW: Die bevorstehende Version 3.0 von "Delphi" sowie die Betaversionen von "C++ Builder" und "J-Builder" lassen erkennen, daß Borland alle unterstützten Sprachen innerhalb der gleichen Entwicklungsumgebung anbieten will. Wie sieht da Ihr Fahrplan aus?

INTERSIMONE: Die Herausbildung einer einheitlichen Umgebung für unsere Programmiersprachen ist beinahe ein natürlicher Prozeß. Er verdankt sich der Tatsache, daß wir mehr und mehr Technologie für unsere Produkte gemeinsam nutzen, beispielsweise das Komponentenmodell VCL.

Wichtiger ist aber, daß wir die einzelnen Sprachen weiter auf die Bedürfnisse der Programmierer hin optimieren. Und die sind erfahrungsgemäß sehr verschieden.

CW: Es sieht so aus, als würden Programmierer mit steigender Qualifikation weniger Delphi, sondern mehr C++ zuneigen. Wie beinflussen neue Rapid-Application-Development-(RAD-)Tools wie C++-Builder diese Arbeitsteilung, wenn die Einstiegsschwelle für C++ niedriger wird?

INTERSIMONE: Diese Trennung von Programmierern in zwei Klassen anhand der verwendeten Sprache läßt sich sicher nicht so einfach vollziehen. Zweifellos gibt es aber unter den Entwicklern eine Spezialisierung auf Anwendungsentwicklung, System- oder Komponentenprogrammierung - jede dieser Gruppen tendiert dazu, bestimmte Sprachen zu favorisieren.

Mit einheitlichen RAD-Tools für mehrere Sprachen erhöht sich die Wahlfreiheit der Anwender. Wenn in einer Abteilung Anwendungsentwickler arbeiten und in einer anderen Systemprogrammierer, dann können beide Seiten mit unseren Werkzeugen unabhängig von der Programmiersprache Komponenten und Anwendungen gemeinsam verwenden.

CW: Wie sehen Sie die Zukunft bei den kompilierten Sprachen generell? Java soll ja C++ Marktanteile abnehmen, Pascal ist eigentlich nur eine Domäne von Borland und hat immer noch das Image einer Schulsprache. Andererseits gibt es noch sehr viele Entwickler, die mit Cobol arbeiten. Gibt es irgendwann ein Cobol für Delphi?

INTERSIMONE: Ich glaube, daß Delphi Pascal auch bei professionellen Anwendern soweit etabliert hat, daß von einer Schulsprache keine Rede mehr sein kann. Bei C++ sieht es so aus, als verdrängten Komponenten die großen Klassenbibliotheken wie Taligent oder die Microsoft Foundation Classes. Java wurde unglaublich schnell populär, bis dato sind aber noch viele Unternehmen zurückhaltend bei der praktischen Nutzung. Erst mit dem Java Development Kit (JDK) 1.1 können Anwender an den ernsthaften Einsatz von Java denken.

Im Fall von Cobol versuchen Hersteller wie Microfocus oder Computer Associates, die Sprache mit objektorientierten Erweiterungen zu versehen. Es stellt sich allerdings die Frage, warum man Cobol von Großrechnern auf den PC herunterbringen und dabei für die Benutzer-Schnittstelle der Clients erweitern soll. In der Welt verteilter Anwendungen scheint es mir vielversprechender, Altanwendungen beispielsweise in Java-Objekte zu kapseln und sie dadurch aufzuwerten.

CW: Weder Java noch Javascript wurden bisher standardisiert. Ist es für Borland als Anbieter von Tools für beide Sprachen nicht sehr unerfreulich, wenn sich die Implementierungen unterscheiden?

INTERSIMONE: Für unser Javascript-RAD-Werkzeug "Intrabuilder" investierten wir viel Aufwand in Tests, damit Programme sowohl in Netscapes "Navigator" als auch Microsofts "Internet Explorer" fehlerfrei ablaufen. Gleichzeitig sind wir führend an der Standardisierung von Javascript beteiligt. Voraussichtlich wird das zuständige Komitee, das von Borland-Mitarbeitern geleitet wird, auch unsere Server-Erweiterungen für Javascript akzeptieren.

CW: Bei Java ist Borlands Rolle aber weniger rühmlich. Sie wollen wie Microsoft einen nativen Compiler anbieten, der Binärdateien für Windows erzeugt. Bedroht diese Politik nicht die Plattformunabhängigkeit von Java?

INTERSIMONE: Java ist vor allem eine Allzweck-Programmiersprache, die nicht auf die Ausführung in einer virtuellen Maschine beschränkt ist. Wir entsprechen mit dem J-Builder allen Spezifikationen von Suns JDK 1.1 und bieten mit nativen Compilern lediglich eine zusätzliche Option an. Warum sollte jemand in einem Intranet, das nur aus Windows-Clients besteht, interpretierten Bytecode anstatt optimierten Intel-Code einsetzen müssen.