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07.07.2000 - 

Interview

"Natürlich fallen auch viele Startups auf die Schnauze"

Mit Tim Stracke und Mischa Reis, Vorstände des Internet-Startup Yousmile.de, sprach CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer

CW: Welche Hindernisse legt die Politik jungen Unternehmen wie Ihrem in den Weg?

Reis: Vor allem die Steuergesetzgebung, die Aktienbesitz mit erheblichen Abgaben belegt. Dadurch ist es schwierig, Mitarbeiter mit Stock Options zu bezahlen.

CW: Fordern Sie da nicht eine Ungleichbehandlung: Wer keine Aktien besitzt, zahlt den vollen Steuersatz, wer Optionen hat, behält einen Teil seiner Einkünfte steuerfrei?

Reis: Sie behaupten ja jetzt, dass ausschließlich die Firmeninhaber und Mitarbeiter davon profitieren würden, wenn die Steuergesetzgebung zum Vorteil für Aktienbesitzer ausgelegt wäre. Aber von einer günstigen Steuergesetzgebung hat ja auch der "normale" Bürger etwas, sofern er für unsere Branche ausgebildet und gut qualifiziert ist. Diese Leute können wir doch motivieren, wir können Arbeitsplätze schaffen. Unser Geschäftsmodell sieht vor, jeden Mitarbeiter von der Sekretärin bis zum Entwickler oder Manager an unserem Unternehmen zu beteiligen. Und wenn von einer günstigen Steuergesetzgebung auch der normale Bürger profitieren kann, dann ist das doch okay.

Stracke: Wir können als junges Unternehmen keine hohen Gehälter zahlen. Dafür gibt es aber eben Aktien. Und das wird jetzt durch die Politik und deren Steuerabgabenvorstellungen bestraft.

CW: Was Sie einem neuen Mitarbeiter sagen, scheint doch Folgendes zu sein: Du hast bei uns die Chance, vielleicht über Aktienoptionen viel Geld zu machen - vielleicht aber auch nicht. Du wirst nicht siebeneinhalb, sondern 14 Stunden arbeiten. Einen Betriebsrat gibt es auch nicht. Aber wir sind als Internet-Company halt jung, dynamisch, Avantgarde. Reicht das?

Reis: Ja, das sind schon die kritischen Punkte, über die wir übrigens auch gerne diskutieren. Aber wo es ein Upside gibt, muss es auch ein Downside geben, ganz klar. Und natürlich gibt es viele Startups, die auf die Schnauze fallen. Rein rechnerisch muss es ja auch so sein, damit Firmen wie etwa Em.tv reüssieren können.

Stracke: Durch die Beteiligungsmodelle kann es ja auch zu Umverteilungsmechanismen von Reichtum kommen. Zunächst einmal gibt es wohlhabende Privatpersonen, die Geld in kleine Unternehmen stecken können. Und die haben dann wieder die Möglichkeit, Aktien an Mitarbeiter zu verteilen. Diese Umverteilung darf unserer Ansicht nach nicht bestraft werden. Die Szene der Jungunternehmen, die sich jetzt in Deutschland auftut, ist ja noch sehr jung. Und hier muss die Politik bei den entsprechenden Rahmenbedingungen umdenken und nachziehen.

CW: Welches sind die wesentlichen Forderungen, die Sie als Jungunternehmer an die Politik haben?

Stracke: Zum ersten eben eine günstigere Steuerpolitik für Aktienbesitz im Sinne der Unternehmen. Daneben wäre es wichtig, wenn sich in Deutschland für Internet-Benutzer Flatrates ausbilden würden. Die müssen kommen, hier muss eine Deregulierung stattfinden. Natürlich ist es für uns auch ein Problem, geeignetes Personal zu finden, obwohl wir durch die Universität Karlsruhe mit ihrem anerkannt guten Informatikzweig da Vorteile haben. Sehr problematisch für ein junges Unternehmen ist es auch, die vielen Gesetze zu kennen und richtig anzuwenden, die allein für die unterschiedlichen Arten von Beschäftigungsverhältnissen gelten. Sie müssen da Zehntausende von Mark für Rechtsanwälte ausgeben, bloß um keine Fehler zu machen.

CW: Was haben Sie neben Aktienoptionen als unbekanntes Unternehmen zu bieten, um Mitarbeiter anzuheuern?

Reis: Wir können den Reiz einer neuen Aufgabe bieten. Das ist der Grund, warum Leute von so großen, etablierten Firmen wie Procter & Gamble oder SAP zu kleinen Startups gehen. Wir merken das in unseren Gesprächen mit Kandidaten immer wieder, und dieses Argument zieht mindestens genauso wie die Aussicht auf Aktienoptionen. Es wird zwar immer gern geschrieben, dass jungen Menschen die Gier in den Augen stünde wegen der Aussicht auf das große Geld - aber das stimmt so überhaupt nicht. Die finden es viel faszinierender, beim Aufbau einer Firma dabei zu sein. Die muss man tatsächlich manchmal um 2 Uhr nachts nach Hause schicken. Da ist wirklich sehr viel Motivation bei jungen Leuten vorhanden.