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08.12.2000 - 

Selbstdarstellung im Vorstellungsgespräch

Natürlichkeit ist wichtig im Bewerbungspoker

Gutes Selbst-Marketing bestimmt darüber, mit welchem Erfolg der Berufseinstieg gelingt. Bessere Konditionen und mehr Gehalt fordern? Beides ist legitim - aber nur, wenn man die Firma überzeugt, eine lohnende Investition zu tätigen. Doch wieviel Selbstbewusstsein darf man zeigen? Wo wird dabei die Grenze zu Angeberei und Arroganz überschritten? Von Gitte Härter*

Im Bewerbungsgespräch weiß man nie, wie der Gesprächspartner reagiert. Möchte er ein ruhiges, besonnenes Gegenüber oder einen extrovertierten Macher? Unabhängig davon, wie die Stellenausschreibung formuliert ist, geht es im Gespräch sehr stark um das Menschliche und um Sympathie. Wem der Personalentscheider nicht sympathisch ist, der wird das Gespräch als nicht so positiv erleben - umgekehrt gilt das gleiche.

Während der Bewerber mit seiner Nervosität kämpft und sich bemüht, einen einwandfreien Eindruck zu machen, kommen beim Gegenüber sehr viele verschiedene Botschaften an. Außerdem laufen frühere Erfahrungen zusammen. Vielleicht benimmt sich der Kandidat einen Tick zu großspurig und erinnert den Personaler an einen ehemaligen Mitarbeiter, den er eingestellt hatte, der sich aber als Fehlentscheidung erwies. Solche Erinnerungen beeinflussen spätere Gespräche. Deswegen ist es wichtig, sich natürlich zu verhalten. Wenn keine Harmonie vorhanden ist, so ist es besser, das bereits zu Beginn festzustellen. Auf keinen Fall sollte man sich verstellen - aber genau das tun die meisten Kandidaten. Durch einschlägige Ratgeberbücher und -artikel wird ein bestimmtes Bild gezeichnet, wie man sich im Gespräch verhalten sollte. Bewerbungsgespräche leben aber davon, dass sich beide Seiten offen gegenüberstehen. Unternehmensvertreter und Bewerber wollen sich in ein bis zwei Stunden kennen lernen und dabei herausfinden, ob sie miteinander arbeiten können und wollen.

Es gibt Menschen, die wissen, wie gut sie sind. Sie sagen zielstrebig, was sie wollen und warum sie ein Glücksgriff für das Unternehmen seien. Bei diesen Bewerbern ist ein solches Verhalten angepasst, da sie sich ihrer Sache sicher sind. Ausschlaggebend ist, selbstbewusst zu anzukommen, ohne arrogant zu wirken. Um das zu erreichen, muss der Bewerber seine eigenen Leistungen und Fähigkeiten belegen. Statt dauernd zu sagen "Das kann ich gut" ist es glaubwürdiger, bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften anhand von Beispielen nachzuweisen.

Gute Bewerber haben schnell mehrere Angebote in der Tasche. Besonders in boomenden Märkten wie der IT-Branche findet man sich als Kandidat schnell umworben. Das verführt leider manche zu einem unguten Verhalten: "Bei uns gehen Bewerber ein und aus, die irrsinnige Forderungen stellen", berichtet der Geschäftsführer eines Münchner Softwarehauses, "aber das Schlimmste ist, dass sich einige wirklich aus dem Gespräch verabschieden, indem sie gönnerhaft ihre Entscheidung per Telefon in Aussicht stellen."

Es gibt diesen Spruch "Man trifft sich im Leben immer zweimal." Niemand weiß, wo sich wieder Berührungspunkte zu dem Unternehmen oder dem Personalentscheider ergeben. Vielleicht landet man bei einem seiner Lieferanten oder sieht in einigen Jahren eine attraktive Stelle bei genau dieser Firma. Mit Servicebewusstsein ist jeder gut beraten und tut sich einen großen Gefallen.

Absolut tabu ist es, jemand anderen schlecht zu machen, um selbst besser dazustehen: "In unserer Firma war ich die Einzige, die ordentliche Briefe schreiben konnte. Sie können sich ja nicht vorstellen, was vor meiner Zeit dort für Mailings getextet und rausgeschickt wurden", vielsagend rollt die Bewerberin mit den Augen. Selbst wenn diese Aussage richtig sein sollte, wirft sie kein gutes Licht auf die Kandidatin.

Es ist absolut legitim, dass auch der Kandidat die Firma auf die Punkte, die ihm wichtig sind, abklopft. Grundsätzlich sollte man immer alles, was einem wichtig ist, vorbringen, allerdings erst, wenn das Gespräch soweit fortgeschritten ist, dass beide Seiten wissen, dass ernsthaftes Interesse besteht. Die Forderungen sollten realistisch sein. Aber das ist bereits ein dehnbarer Begriff. Natürlich ist ein Unternehmen daran interessiert, gut zu wirtschaften. Wenn das bedeutet, einen Bewerber zu einem höheren Preis einzukaufen, sich das aber wiederum für die Firma lohnt, haben beide Seiten gewonnen. Man sollte wissen, dass viele Firmen nur ein bestimmtes Budget für die betreffende Stelle haben.

Wer Forderungen stellt, muss auch untermauern, warum er diese Investition wert ist. Eine gute Übung: Sich selbst fragen, was man wert ist und dies begründen. Wer mit Antworten kommt wie "das ist in der Branche so üblich" oder "mein Freund verdient das auch", der weiß, dass er noch einiges an Arbeit und Selbstkritik vor sich hat.

Selbst-Marketing und auch Selbstbewusstsein haben durchaus auch etwas mit Kleidung zu tun. "Ich trage beruflich immer Anzüge beziehungsweise Kombinationen. Privat bin ich aber lieber etwas leger gekleidet. Freunde, die mich überwiegend privat kennen, haben mir schon gesagt, dass ich mich im Anzug ganz anders bewege." Das hat kürzlich jemand in einem Nachrichtenbrett im Internet geposted, als es um die Kleiderfrage ging. Nicht nur die optische Wirkung der Kleidungsstücke arbeitet für (oder gegen) einen Menschen, sondern sie beeinflusst auch das gesamte Auftreten. Man ist immer auf der sicheren Seite, wenn man für ein Job-Interview seinem üblichen Kleidungsstil treu bleibt: Leute, die sich gern lockerer kleiden, müssen nicht im konservativen, zugeknöpften Banker-Outfit kommen. Auch formellere Kleidung hat viele verschiedene Varianten.

*Gitte Härter ist Personalberaterin und freie Journalistin in München.