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04.08.1989

Naturereignisse

Dem Mainframe-Monopolisten geht es einmal mehr darum, seine alten Proprietary-Reservate abzuschotten und gleichzeitig die Unix-Bewegung unter dem strategisch wichtigen Neukundenaspekt zu kontrollieren. Wer's nicht glaubt, sollte die Silverlake-Ankündigung (AS/400, Anmerkung d. Red.) abwarten. Schadenfreude (ist) nicht angebracht. Bis die Nixdorfs und Siemens' den Trick kapiert habe, könnte immerhin doch eine Menge Portabilitäts-Porzellan bei Erstanwendern zerschlagen werden.

Die COMPUTERWOCHE in Nr. 22 vom 27. Mai 1988 über die Gründung der Open Software Foundation (OSF).

Es ist ja wahr: Big Blue kann nicht verhindern, über die Maßen erfolgreich zu sein (CW Nr. 31 von 28. Juli 1989, Seite 1: "IBM macht wieder Riesenprofit mit Hardware"). Es ist ja wahr: Die Konkurrenz - und wir meinen hier nicht den gemeinen PC-Bereich - kann tun und unterlassen, was sie will, sie kommt auf keinen grünen Zweig (Seite 5). Es ist ja wahr, daß beides etwas miteinander zu tun hat. Doch dieses Faktum gilt in Industriekreisen als eine Sache, an die man nicht einmal denkt, geschweige denn, daß man sie ausspricht.

So müssen für die Suns, Primes, Control Datas, Unisys', NCRs, Bulls, DECs, Apollos, Amdahls, Wangs und Nixdorfs (die Reihenfolge ist willkürlich, Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben) Naturereignisse wie das plötzliche Auftauchen von Newcomern, die Chip-Dürre oder die Ambivalenz der Anwender herhalten, die eigene Schwäche zu erklären. Ein unabwendbares Naturereignis war es denn wohl auch, daß sich im vergangenen Jahr unter anderem DEC, Apollo, Bull und Nixdorf in der OSF zusammenschlossen, und wenig später Unisys, Sun, Control Data, Prime und Amdahl unter AT&Ts Unix-Fahne Schulterschluß suchten. Daß eben diese Firmen in beiden Aufzählungen vorkommen (siehe auch "magere Zwischenbilanz"): purer Zufall?

Es ist ja wahr, der OSF-Beitritt der IBM stellt sich als Mirakel dar, als wunderbare Fügung, für die es scheinbar keine Erklärung gibt. In Wirklichkeit gibt es eine (siehe obenstehendes Zitat). Und sie läßt sich mittlerweile mit Tatsachen belegen, wie das Beispiel "Nixdorf" zeigt: Hie AS/400, da 8870 - nur Laien gibt dieses Spiel mit der Bezeichnung "Verdrängungswettbewerb" Rätsel auf. Die IBM bestimmt die Regeln, ist Mitspieler und Schiedsrichter zugleich. So ist IBMs Erfolg der Mißerfolg Nixdorfs - und umgekehrt. Daß eine durch und durch proprietäre und gegen Unix positionierte Maschine wie die AS/400 im Jahre 1989 bei Neukunden noch reüssieren kann, ist mit Marketing-Genialität nicht mehr zu entschuldigen. Die Topmanager der OSF-Hersteller werden sich noch die Frage gefallen lassen müssen, warum sie den Unix-Krieg, den nur IBM gewinnen konnte, nicht verhindert haben.