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07.02.1986 - 

Mit Neuvorstellungen rückt das Ende der "Elfer-Serie" in Sicht:

Nautilus-VAX soll DEC-Wachstum sichern

MÜNCHEN (CW) - Mit der Ankündigung des 14-Mips-Flaggschiffs VAX 8800 werden jetzt bei DEC Mainframe-Dimensionen erreicht - für die Minicomputer der VAX-11-Serie zeichnet sich dagegen das Ende ihres Produktzyklus ab. Seinen Platz im Rennen um neue Märkte will DEC aber auch mit Programmiersprachen der "vierten Generation" verbessern. Das "As im Ärmel" sollen jedoch die DEC-typischen Netzwerkfeatures von Decnet bis zu Rechnerclustern sein.

Die neue VAX 8800, DEC-interne Codebezeichnung Nautilus, erreicht mit einem Durchsatz von 14 Mips etwa die dreifache Leistung einer VAX 8600 und stellt damit den derzeit leistungsfähigsten 32-Bit-Rechner des Unternehmens dar. Die Maschine verfügt über zwei eng gekoppelte Zentraleinheiten, die auf einen gemeinsamen Hauptspeicher mit einer Kapazität von maximal 32 MB zugreifen. Jede CPU ist darüber hinaus mit einem eigenen Pufferspeicher von 64 KB und einen integrierten Gleitkommobeschleuniger ausgestattet. Die Ausstattung mit zwei CPUs kommt nicht nur der Geschwindigkeit zugute, sondern auch der Sicherheit: Bei Ausfall einer Zentraleinheit kann der Operator das System so umkonfigurieren, daß die funktionsfähige Zentraleinheit deren Aufgaben mit übernimmt.

Für hohe Datentransferraten sorgt ein neues Bussystem namens VAXBI (Bl steht für Backplane Interconnect), welches laut DEC bis zu sechsmal so schnell sein soll wie der bisher in den VAX-Systemen verwendete Unibus.

Die Nautilus läßt sich mit anderen DEC-Maschinen über einen Hochgeschwindigkeitsbus zu einem Cluster zusammenschalten. Die auf diese Weise erreichbare Leistung von über 100 Mips bei einer Massenspeicherkapazität von rund 100 Gigabyte erlaubt es einem solchen Cluster, mit Großrechnern zu konkurrieren. Trotz der hohen Rechenleistung beansprucht der Computer nur etwa die Stellfläche und Energie wie eine VAX 11/780, was der Hersteller auf die extensive Verwendung DEC-spezifischer Schaltkreise in Gate-Array-Technik zurückführt.

Die Konsoleinheit besteht aus einem modifizierten Arbeitsplatzcomputer (Professional 380) mit 1 MB Arbeitsspeicher und 30-MB-Winchesterlaufwerk. Standard-Betriebssystem ist VMS 4.3B.

Die VAX 8800 soll komplexe Rechenaufgaben in der Analyse, Simulations- und Fertigungsplanung übernehmen. Mit großen Datenbanken wird sie nach dem Willen ihrer Konstrukteure ebenfalls harmonieren. Für besonders rechenintensive Fließkommaanwendungen läßt sich die Maschine mit Arrayprozessoren von Drittanbietern ergänzen. Auch im Bereich der künstlichen Intelligenz sieht DEC lohnende Anwendungen. Aufgrund ihrer starken Netzwerkorientierung sieht der Hersteller für die Maschine gute Einsatzmöglichkeiten bei Banken und Versicherungen. Im Sinne des "Distributed Data Processing" könnten die Maschinen dezentral als Filial- oder Gebietsrechner fungieren, um die zusätzliche Computerleistung bereitzustellen, die für das "Electronic Banking" benötigt wird.

Leistung der 11/780 zum halben Preis

DEC stellte bei der gleichen Gelegenheit die beiden kleineren VAXen 8200 und 8300 vor. Erstere soll sich auf dem Leistungsniveau der VAX11/780 bewegen - zur Hälfte des Preises. Die als Doppelprozessorsystem ausgelegte 8300 bietet im gleichen Gehäuse zirka 80 Prozent mehr Leistung, kostet jedoch nur 30 Prozent mehr. Die Maschinen haben die allen VAX-Systemen gemeinsame Architektur. Auch der neue VAXBI-Bus ist in beiden Geräten realisiert.

Die Arbeitsspeicherkapazität beträgt bei der 8200 maximal 16 MB, 14 MB sind es bei der 8300. Über den CI-Bus (Computer Interconnect) lassen sich die Rechner zu Clustern zusammenschalten. Den Anschluß an lokale Netzwerke auf Ethernet-Basis stellt der NI-Bus (Network Interconnect) her.

Die beiden "kleinen" VAX-Rechner arbeiten unter dem Betriebssystem VMS 4.3. In Kürze soll auch DECs hauseigene Unix-Version Ultrix unterstützt werden.

Digital sieht die beiden Rechner im mittleren Leistungsbereich angesiedelt. Sie sollen Aufgaben erledigen, wie sie auf Abteilungsebene anfallen. Dazu zählt DEC im Büro- und Verwaltungsbereich Büro-Informationssysteme unter der All-in-One-Software, im Ingenieurbereich CAD-Anwendungen oder Softwareentwicklungen, im Produktionsumfeld CIM-Anwendungen oder Labordatenverwaltung. Sämtliche vorgestellten Maschinen sind mit der bisherigen VAX-Reihe softwarekompatibel.

Im Zusammenhang mit den genannten Hardware-Ankündigungen stellte DEC auch drei neue Programmiersprachen der "vierten Generation" vor. Der "VAX Cobol Generator" stellt Anwendungsprogrammierern eine grafische Schnittstelle für die Lösung komplexer kommerzieller Probleme zur Verfügung. Der Generator erübrigt das Schreiben von Programmcode im herkömmlichen Sinn und soll einen fehlerfreien, geschwindigkeitsoptimierten Quellcode für den Compiler liefern.

"VAX Rally" ist ein ähnlicher Generator für Entwickler von Management-Informationssystemen (MIS) Auch dieses Softwareprodukt macht das Codieren von Programmen überflüssig. Statt dessen stellt der Programmierer seine Anwendung mit Hilfe von Menüs zusammen. Rally ist in das relationale Datenbanksystem RDB/VMS integriert.

Planungs- und Entscheidungsprozesse soll "VAX Teamdata" durch integrierte Informationsverwaltung unterstützen. Die Sprache soll Ähnlichkeiten mit Focus und Ramis aufweisen und ist vor allem für betriebswirtschaftliche Applikationen gedacht.

Ein weiteres Thema stellte die DEC-Halbjahresbilanz dar. Wie der Geschäftsführer der deutschen Digital Equipment GmbH, Willi Kister, mitteilte, stieg der Umsatz des Gesamtunternehmens in den vergangenen sechs Monaten um 14 Prozent. Gleichzeitig legten die Gewinne um 23 Prozent zu. Die deutsche Tochter in München war an dem Ergebnis überdurchschnittlich beteiligt: Ihr Umsatz stieg um 23 Punkte, der Auftragseingang gar um 30 vom Hundert. Kister betonte die Innovationsfreudigkeit seines Unternehmens. So sei gegenwärtig kein Produkt von DEC älter als zwölf Monate.

Die Hälfte der Entwicklungskosten werde in Netzwerktechnologie investiert. "Das Netzwerk ist das System", sagte Kister. DEC sei es gelungen, mit Decnet einen Netzwerkstandard mit horizontaler, homogener Struktur und gleicher Zugriffsberechtigung für alle Teilnehmer zu etablieren. "Hierarchische Systeme gehören der Vergangenheit an", folgerte der Geschäftsleiter. Marketingleiter Klaus Kemmler erklärte vor dem Hintergrund entsprechender Ankündigungen des Marktführers IBM, mit Sicherheit sei auf absehbare Zeit nicht mit einer RISC-Maschine aus seinem Haus zu rechnen. Einen Glaubenskrieg werde man deswegen aber nicht führen. Im übrigen gebe der Umstand, daß die VAX 8300 in Doppelprozessor-Technik ausgeführt sei, einen Hinweis auf DECs künftige technische Entwicklung.