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11.04.2003 - 

Zehn Jahre Web-Browser-Entwicklung

Navigator ins Internet-Zeitalter

MÜNCHEN (fn) - Nur wenige Innovationen haben die IT-Industrie so nachhaltig beeinflusst wie das Web. Alles begann vor genau zehn Jahren mit dem Browser "Mosaic".

Im April 1993 stellten ein paar Programmierer am National Center for Supercomputing Applications (NCSA) den ersten Browser namens Mosaic zum Download ins Internet. Die Software war im stillen Kämmerlein, ohne den offiziellen Segen der Lehranstalt, entstanden. Mosaic enthielt eine Rendering Engine, die die von Tim Berners-Lee 1989 am Kernforschungszentrum in Genf entwickelte Hypertext Markup Language (HTML) in einer grafischen Oberfläche darstellen konnte. Anfangs lief das Tool nur auf Unix-Systemen als X-Window-Anwendung, später wurde der Windows-Desktop die wichtigste Plattform.

Zur Zeit der Freigabe der ersten Mosaic-Version umfasste das World Wide Web ungefähr 200 Web-Server, und nur einige Forscher verfügten über einen Browser. Wenige Wochen später hatten etwa 100000 Anwender den "Blätterer" installiert. Heute gibt es schätzungsweise 500 Millionen Web-Browser-Benutzer weltweit.

Die auch für Laien bedienbare Desktop-Software war der Wegbereiter des Internet-Booms: Vorher interessierten sich nur wenige Spezialisten für das Internet, verschickten E-Mails oder transportierten per File Transfer Protocol (FTP) Dateien zwischen Computern hin und her. Es gab zwar schon Online-Dienste wie Btx oder Compuserve, sie stützten sich allerdings auf proprietäre Formate und spezielle Zugangssoftware. Im Gegensatz dazu gestattete es das Web einer Vielzahl von Nutzern, Inhalte per Browser abzurufen, bot aber gleichzeitig die Möglichkeit, ohne großen Aufwand Informationen zu publizieren.

Der Mosaic-Mitentwickler Marc Andreessen und einige Kollegen gründeten 1994 die Firma Mosaic Communications Corp., die später in Netscape umgetauft wurde, da das NCSA Inhaber des Markennamens Mosaic war. "Irgendwann kamen wir im universitären Umfeld nicht mehr weiter", erinnert sich Andreessen. So habe das Institut wenig Lust gehabt, Spezialisten einzustellen, um Anwendern Kundensupport zu leisten. Das NCSA entwickelte den Mosaic-Browser nur noch bis Januar 1997 weiter.

Der Netscape-Browser "Navigator" basierte auf der Mosaic-Technik und wurde über den Handel vertrieben. Die meisten Anwender luden sich jedoch in regelmäßigen Abständen die jeweils aktuelle Version aus dem Netz - sie durfte für einen bestimmten Zeitraum kostenfrei genutzt werden. Netscape wurde rasch zum Synonym für Web-Browser. Die Firma ging an die Börse und trat eine Gründerwelle los.

Auch etablierte IT-Firmen versuchten sich im Browser-Geschäft. Oracle zum Beispiel hatte für kurze Zeit den "Power Browser" im Programm, für den sich aber kaum jemand interessierte. Das Netscape-Tool hingegen verbreitete sich wie ein Virus. Immer mehr Konsumenten legten sich einen Internet-Anschluss zu, und auch Firmen-PCs wurden mit dem Browser ausgestattet - oft weder mit Wissen noch mit Zustimmung der IT-Administration.

Mit dem Anstieg der Benutzerzahl nahm auch das Angebot an Inhalten zu. Suchmaschinen wie Altavista, Internet-Verzeichnisse wie Yahoo sowie kommerzielle Anbieter wie Amazon und Ebay debütierten und fanden reichlich Nachahmer. Content wurde kostenlos angeboten, Geld sollte mit Online-Werbung verdient werden. Viele Inhalteanbieter würden gern das Rad der Zeit zurückdrehen, denn heute gestaltet es sich mühsam, die verwöhnten Surfer für Content zur Kasse zu bitten.

Die Beliebtheit der Browser-Oberfläche zwang etablierte Softwarehersteller, ihre vom Client-Server-Prinzip beherrschten Produkte zusätzlich mit Web-Interfaces auszustatten, was angesichts der Architektur der Applikationen kein leichtes Unterfangen war. Manche Softwarehäuser entwickelten ihre Produkte von Grund auf neu, um Web-Techniken besser unterstützen zu können. Selbst die Masken betagter Mainframe-Applikationen ließen sich nun in HTML umwandeln. Firmeninterne Websites (Intranets) entstanden, um den Zugriff auf Informationen zu erleichtern. Zudem gestattete es das Web, Unternehmenssoftware auch Nutzern außerhalb des Firmennetzes ohne viel Aufwand zur Verfügung zu stellen. Diese Möglichkeit bildete später die Grundlage dafür, elektronische Geschäftsprozesse über Firmengrenzen hinweg abzuwickeln, etwa mit Kunden, Händlern, Lieferanten oder Kooperationspartnern. Doch zunächst diente das Web vor allem als zusätzlicher Vertriebskanal, als Kundendienstzentrale und als Marketing-Instrument. Eine Vielzahl von Softwarefirmen entwickelte Produkte zum Bauen und Pflegen von Websites sowie zum Eröffnen von Internet-Shops.

Taugte der Web-Client anfangs nur zum Anzeigen von Texten und Grafiken, wurde er mit der von Sun entwickelten Programmiersprache Java in die Lage versetzt, auch Programmcode auf dem Desktop auszuführen. Damit drang Netscape in das Hoheitsgebiet von Microsoft ein. Der Konzern hatte anfangs noch das Internet belächelt und wollte mit dem "Microsoft Network" sogar ein proprietäres Gegenstück etablieren, was aber kläglich misslang.

Der Stern von Netscape begann schließlich zu sinken, als Bill Gates das Internet zur Chefsache erklärte. Die Firma baute den anfangs eher spartanischen "Internet Explorer" zu einem Konkurrenten für den Navigator aus. Beide Unternehmen kämpften um die Browser-Vormacht am Desktop. Sie integrierten ständig neue Features in die Produkte, sehr zum Leidwesen der Web-Designer, die HTML-Seiten für beide Programme anpassen mussten. Das ist teilweise noch heute der Fall, wurde aber durch die Weiterentwicklung von HTML entschärft.

Da Microsoft sein Programm mit dem Betriebssystem koppeln konnte, wuchs der Marktanteil des Internet Explorer mit jedem verkauften PC. Den Netscape-Browser musste sich der Anwender hingegen selbst installieren und einrichten. Einen entscheidenden Wendepunkt im Browser-Streit markierte die Freigabe des Internet Explorer 4.0 im Herbst 1997, der fest in den Windows-Desktop eingebettet war. Anfang 1998 entschloss sich Netscape, die Standard-Edition des "Communicator", eines Pakets aus Browser, E-Mail-Client und HTML-Editor, kostenfrei zur Verfügung zu stellen und auch den Quellcode freizugeben. Auf diese Weise wollte die Firma ihren Marktanteil sichern und den Browser-Krieg für beendet erklären. "Browser sind für unseren Umsatz nicht relevant", hieß nun die Devise - ein harter Entschluss, denn noch immer operierte die kalifornische Firma mit Verlusten.

Finanziell angeschlagen und durch die Auseinandersetzung mit Microsoft zermürbt, wurde Netscape im gleichen Jahr vom Online-Dienst AOL geschluckt. Den Provider interessierte jedoch weniger die Software als vielmehr das Web-Portal "Netcenter", das damals zu den frequentiertesten Adressen zählte. Den Netscape-Browser bietet AOL zwar immer noch an, doch wenig engagiert. Der heutige Netscape-Browser basiert auf der Codebasis von "Mozilla", einem gleichnamigen Open-Source-Projekt.

Von Netscapes einstiger Marktposition ist nicht mehr viel übrig: Laut einer Untersuchung des niederländischen Marktforschungsunternehmens Onestat.com nutzten im Oktober 2002 etwa 94 Prozent der Surfer einen Microsoft-Browser. Mozilla und Netscape kommen auf drei Prozent. 0,9 Prozent entfallen auf "Opera", den kommerziellen Browser der gleichnamigen norwegischen Firma.

Nach Ansicht von Andreessen, der inzwischen die IT-Outsourcing-Firma Opsware (vormals Loudcloud) leitet, hat sich technisch gesehen in den letzten zehn Jahren nicht viel bewegt. "Noch immer greifen Browser-Anwender auf HTML-Dienste zu, mit dem Unterschied, dass es mittlerweile eine halbe Milliarde Menschen tun." Die heutigen Browser entsprächen im Wesentlichen dem Stand der Technik im Jahr 1999. Microsofts aggressive Produktpolitik habe das Geschäft mit kommerziellen Browsern zum Erliegen gebracht und damit auch die Innovation. Er selbst nutzte die letzten Jahre den Microsoft-Browser, stieg aber unlängst auf Mozilla um, da dieser die Web-Seiten schneller aufbaut.