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Abschreibungen verhageln das Quartalsergebnis


13.02.2004 - 

Navy-Auftrag kommt EDS teuer

MÜNCHEN (CW) - Electronic Data Systems (EDS) ist im Schlussquartal 2003 wieder in die roten Zahlen gerutscht: Der texanische IT-Dienstleister verbuchte einen Nettoverlust von 354 Millionen Dollar, nachdem im Vergleichsquartal 2002 noch ein Überschuss von 360 Millionen Dollar erzielt worden war.

Grund für das schlechte Abschneiden war in erster Linie eine 559 Millionen Dollar hohe Abschreibung im Zusammenhang mit dem für EDS katastrophalen Outsourcing-Projekt Navy Marine Corps Intranet (NMCI). Der Konzern hatte im Oktober 2000 den Auftrag erhalten, ein Intranet für die weltweit rund 300 Militärstützpunkte der US-Marine zu errichten. Seit Vertragsunterzeichnung wird der anfangs auf 6,9 Milliarden Dollar bezifferte Deal jedoch von Verzögerungen und Kontroversen über die Details belastet. EDS-Chef Michael Jordan erklärte nun, sein Unternehmen arbeite mit der Navy an einem effektiveren und stärker kontrollierbaren Zeitplan für den Rollout. Änderungen beim Ablauf sowie reduzierte Umsatzerwartungen hätten es aber erfordert, dass sämtliche bereits geleisteten Investitionen in das Projekt abgeschrieben werden. Das Unternehmen rechnet nun damit, dass sich das Projekt bis einschließlich 2005 negativ in den Büchern niederschlagen wird.

EDS legte beim Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 5,76 Milliarden Dollar zu. Die Company profitierte dabei von einem Wachstum im Outsourcing-Bereich und positiven Währungseinflüssen. Bei einem stabilen Dollarkurs hätten die Texaner lediglich ein Umsatzplus von zwei Prozent verzeichnet.

Zu den Hauptaufgaben des neuen Management-Teams um CEO Jordan zählte es 2003, den Navy-Deal und andere problembehaftete Aufträge wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Mission verlief aber wenig erfolgreich: Erst im Dezember entschied die britische Finanzbehörde Inland Revenue, sich von den bisherigen Outsourcing-Partnern EDS und Accenture zu trennen und den mit etwa 4,3 Milliarden Dollar dotierten Auftrag an Cap Gemini Ernst & Young und Fujitsu Services zu übergeben. Der Zuschlag hätte EDS gut getan, stattdessen verbuchten die Texaner im vierten Quartal einen Order-Rückgang von 8,1 Milliarden auf 4,3 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2003 fehlten dem Dienstleister mehr als zehn Milliarden Dollar im Auftragsbuch. Weiteres Ungemach droht EDS bei einem bis zu 860 Millionen Dollar schweren Großauftrag des US-Departments of Housing and Urban Development (HUD). Im Bieterstreit war Lockheed Martin Information Systems, das die letzten 13 Jahre für die Betreuung der IT-und TK-Systeme des Ministeriums für Wohnungswesen verantwortlich zeichnete, gegen EDS unterlegen. Nun hat der Konzern vor einem US-Bundesgericht eine Klage gegen die Entscheidung eingereicht, weil die Vergabe fehlerhaft gewesen sei. Bestätigt dürfte sich der EDS-Rivale durch das für US-Staatsausgaben zuständige General Accounting Office (GAO) fühlen, das ebenfalls Fehler monierte und eine Neuausschreibung empfahl.

Wegen der Ungewissheit über den zukünftigen Kurs von EDS hat die Rating-Agentur Moody''s Investor Service die Bewertung für langfristige Verbindlichkeiten auf die niedrigste Stufe gesenkt. Standard & Poor''s erwägt ein Downgrading auf den vorletzten Rang, eine Stufe über dem Junkbond-Status.

EDS steckt in einem Teufelskreis, so Anthony Miller, Analyst bei Ovum Holway: "Welcher Kunde ist bereit, seine IT über längere Zeit einem Unternehmen mit Junkbond-Status anzuvertrauen?" Um die Finanzen besser in den Griff zu bekommen, will EDS nun die auf Product-Lifecycle-Management spezialisierte Softwaretochter UGS-PLM verkaufen. Es gebe "signifikantes Interesse, so der Konzern, die mit mindestens 1,8 Milliarden Dollar bewertete Mehrheitsbeteiligung zu erwerben. Daneben sei weiterhin im Gespräch, UGS-PLM an die Börse zu bringen. (mb)