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03.06.1983 - 

Mainframe-Renaissance auf der National Computer Conference in Anaheim:

NCC '83: "Aussteller machen den Deckel auf"

ANAHEIM/KALIFORNIEN - Ein buntes Mikrocomputer-Festival, eine hochkarätige Mainframe-Messe, ein akademisch anmutender Datenverarbeitungskongreß - das alles war die "National Computer Conference NCC '83" im kalifornischen Anaheim. Rund 100 000 Besucher bedeuteten NCC-Rekord. An die 650 Aussteller beteiligten sich heuer an der größten jährlichen Show der U.S.-Computerindustrie. "Die Anwendung rückte in den Vordergrund", urteilte NCC-Zaungast Klaus Luft, Vorstand der Nixdorf-Computer AG, "dadurch nahm die

Westcoast-Veranstaltung CeBIT-ähnliche Züge an."

Stand 1981 in Chikago die Peripherie im Mittelpunkt und dominierten die Mikros auf der '82er NCC im texanischen Houston, so brachte die wie stets von der American Federation of Information Processing Societies, kurz: Afips, gesponserte zehnte NCC in unmittelbarer Nähe von Disneyland eine Renaissance der Mainframes. Ganz gegen seine sonstige Gewohnheit hatte sich Marktführer IBM mit dem Anaheimer Convention Center einen Messebau als Premierenplatz für die Ankündigung des Systems /36 ausgesucht - das will schon etwas heißen. Was Big Blue freilich auf einer improvisiert wirkenden Pressekonferenz präsentierte, kam für Branchen-Insider nicht überraschend: Das von IBM als /34-kompatibel bezeichnete neue Schrägstrich-Modell muß, darin sind sich die Experten einig, als Replacement der" Vierunddreißig" angesehen werden (CW Nr. 22 vom 27. Mai 1983: Kolumne), bietet ausreichende Upgrade-Möglichkeiten - mehr nicht. An einen Aufstieg zur Datenbankmaschine System /38 etwa ist vorerst nicht zu denken - aufschlußreich allerdings, mit welcher Offenheit das U.S.-Management des Mainframe-Giganten diesen Umstand einräumte. Mit Fragen zur /38-Kompatibilität wurde man von Vertretern des /36-Produktmanagements höflich, aber entschieden an die /38-Gruppe verwiesen: "Damit haben wir nichts zu tun. So beschäftigten sich die anwesenden DV-Fachjournalisten weniger mit den Leistungen und Features des neuen Systems als vielmehr mit der interessanten Frage, was denn nun aus dem Datenbankcomputer System /38 werde. Auf dem

NCC-Stand der IBM tat man allerdings so, als ob es ein /38-Problem nicht gäbe: Einträchtig nebeneinander wurden da die" Neue" und die

DB-Maschine vorgeführt, wurde Einigkeit im unteren und mittleren

DV-Produktbereich demonstriert die nach Ansicht von Fachleuten gar nicht existiert.

NCR: Sieben auf einen Streich

Daß die "Großen" auf der NCC '83 Furore machten, dafür sorgte auch die NCR Corp., die gleich sieben neue Modelle ihrer V-8600-Familie in Anaheim ankündigte. Geeignet, laut NCR, für "hochvolumige Transaktionsverarbeitung", decken die 8600er Systeme den Leistungsbereich zwischen der IBM 4341, Modell 11, und der IBM 3083, Modell J, ab. Basismodelle der jüngsten Mitglieder der V-8600-Linie sind der Uniprozessor V-8635 und der dyadische Prozessor V-8645. Bei den restlichen fünf Neuvorstellungen handelt es sich um Konfigurationen, die aus den beiden Grundversionen zusammengestellt wurden.

Novitäten gab es auch auf dem Sektor der Superminis: Da stellte die SEL Computer Systems Division von Gould drei neue Systeme ihrer Concept 32-Serie vor, die mit dem Protokoll für IBMs Systems Network Architecture (SNA) als Terminal-Emulationen in der Umgebung von Mainframe-Anlagen des Marktführers arbeiten können. Für die Modelle PS-1000, PS-3000 und PS-5000 ist nach Angaben von Gould auch das ursprünglich für PDP-11-Anlagen von Digital Equipment entwickelte portable Betriebssystem Unix verfügbar. Gegen die VAX-Armada von DEC, dies das zweite wichtige Mini-Ereignis, setzte der Minicomputer-Vizekönig, die Data General Corp., den neuen Supermini MV/ 10000, laut DG doppelt so leistungsstark wie die 4341-12 der IBM.

Auf dem Gebiet der Mikro- und Personal Computer machte der U.S.-Universalrechner-Produzent Honeywell mit seinem neuen Mikro 6/10 von sich reden. Vorteil der Honeywell-Schöpfung: Über das "Superbetriebssystem" GCOS besteht Kompatibilität zu allen Honeywell-Mainframes, so daß das Personal Computing für DV/Org.-Chefs, wie der Anbieter betont, seinen Schrecken verliert. Wildwuchs in den Fachabteilungen könne nämlich vermieden werden. Nachteil, aus der Sicht von Marktbeobachtern: Der Mikro 6/10 dürfte wohl nur für Honeywell-Kunden interessant sein, da er mit seinem GCOS-Korsett weder in das IBM-Schema noch in das eines der anderen großen Nicht-IBM-Lieferanten passe. Schade, denn das Honeywell-Konzept stimmt, ist vom Ansatz her.

Rege Ankündigungsaktivität herrschte auf dem Feld der Personal Computer - und hier insbesondere bei den Anbietern von tragbaren Geräten, den sogenannten "Portables". In den Wettbewerb eingetreten sind mit Toshiba und Sharp auch zwei Japaner: Sharp zeigte in Anaheim das Modell PC-5000 mit dem Intel-Prozessor 8088 und 128-KB-Bubble-Speicher; Toshibas "Personal/Business"-Computer T300 basiert ebenfalls auf dem 8088-Chip. Weitere Newcomer auf dem Portable-Markt sind Anderson Jacobson und Televideo mit den Modellen" PC/530" beziehungsweise "Teletote". Ein technischer Leckerbissen auch das Modell 100, ein batteriebetriebenes Gerät von Tandy/Radio Shack, das als 24-K-RAM-Variante für rund 1000 Dollar zu haben ist. Den Reigen der Tragbaren vervollständigten Compaq, Computer Devices (Modell DOT), Gavilan, Grid Systems (Compass Computer) Mad Computer (Mad 1) und Osborne (Executive).

Dünnfilmkopf für Cricket

Unter den Peripherie-Entwicklungen, die auf der NCC '83 vorgestellt wurden, ist der Winchester-Drive "Cricket" von Control Data zu nennen, der auf einer 3,5-Zoll-Platte 6,38 Millionen Bytes Speicherkapazität bietet. "Cricket" verwendet Schreib-Leseköpfe in Dünnfilm-Technik ("thin-film"), der Datenträger besitzt eine Nickel-Kobalt-Legierung. Im OEM-Markt will Control Data den Cricket-Drive insbesondere den Herstellern von tragbaren Computern anbieten.

Insgesamt bot die NCC '83 für bundesdeutsche Besucher eine Vielzahl von Anregungen. Kommentar eines deutschen Apple-Managers: "Die Aussteller machen den Deckel auf und lassen einen riechen." Die Hälfte der NCC-Neuheiten würde in Hannover, so der Apple-Mann weiter nur hinter verschlossenen Türen gezeigt werden, "für einen ausgewählten Kreis von Leuten, wie es so schön heißt".