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20.07.1984 - 

US-Computermesse konnte nur mit wenigen Highlights aufwarten

NCC '84: Mikro-Feuerwerk ohne rechte Zündung

LAS VEGAS (CW) - die erhoffte "Anstoß"-Situation - Anstoß im doppeltem Sinne: Anregung und Herausforderung - mochte sich heuer nicht einstellen. Die 11. National Computer Conference (NCC) in Las Vegas kam nicht auf Touren, wirkte merkwürdig blaß. Auch die Besucherzahlen blieben weit hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück: Inoffiziellen Angaben zufolge registrierten die Veranstalter lediglich 60 000 zahlende Gäste - sicherlich eine Enttäuschung gegenüber 100 000 NCC-Teilnehmern aus dem Vorjahr.

Die Ursache sehen US-Beobachter weder in einer Investitionsmüdigkeit im DV-Bereich noch in der vor den Präsidentschaftswahlen allgemein unsicheren Konjunkturlage in den USA, sondern vielmehr in der Betroffenheit der Benutzer angesichts des prognostizierten "Shake-outs" bei den Mikroherstellern sowie einem Überangebot im einschlägigen Messe- und Kongreßgeschäft. Zudem scheuten potentiellen NCC-Interessenten wohl auch die mit über 50 Grad Celsius geradezu unerträglichen Temperaturen in der Wüstenstadt Las Vegas. Trotz mangelnden Zuspruchs darf der diesjährigen US-Messe jedoch zumindest in einigen Punkten wieder Prädikat "trendbildend" zugebilligt werden. Hier die Glanzlichter der National Computer Conference 1984:

Für Gesprächsstoff sorgte bereits am ersten NCC-Tag die General Motors Corporation. Der Automobilhersteller aus Detroit demonstrierte zusammen mit dem National Bureau of Standards (NBS) und der Boeing Computer Services ein für den Fertigungsbereich, für die Fabrik konzipiertes lokales Netz, das gemeinsam von den Herstellern IBM, Digital Equipment, Hewlett-Packard, Motorola, Gould, Allen Bradley und Concord Data Systems auf der Basis der Token-Bus-Architektur realisiert wurde.

Dieses Netz wurde neben einem vom NBS unter der Mitwirkung von Kommunikationsanbietern wie Boeing, Charles River, Digital Equipment, Hewlett-Packard, Honeywell, ICL, Intel und NCR entwickelten und am Ethernet-Standard (IEEE 802.3) angelehnten "Office-Netz" auf der NCC vorgestellt. Das Transportprotokoll (Ebene 4) der International Standard Organization (ISO) soll künftig als Grundlage beider Netze implementiert werden. Mit dieser Gemeinschaftsarbeit von insgesamt 16 Anbietern, deren Ergebnis bislang als einmalig in der weltweiten Kommunikationslandschaft bezeichnet werden kann, wurde eine Möglichkeit aufgezeigt, wie Informationssysteme unterschiedlicher Hersteller in einem offenen Netz zusammenwachsen können, ohne an dem Wirrwarr anbieterspezifischer Standards zu scheitern (Ausführliche Berichterstattung in einer der nächsten Ausgaben).

Aufmerksamen NCC-Besuchern fiel auf, daß sich im Minicomputermarkt eine Renaissance ankündigt. Mit Engagement im Kommunikationsbereich, insbesondere innerhalb von lokalen und DFÜ-Netzen, rückten zahlreiche Anbieter ihre Maschinen in ein neues Licht. Die Zeichen der Zeit scheint auch die NEC Information Systems Inc. erkannt zu haben. Das Unternehmen wartete auf der NCC erstmalig mit einem auf CMOS-Technik basierenden 32-Bit-Supermini auf. Die neue NEC-Rechnerserie "Astra 300" umfaßt drei Systeme, deren Hauptspeicherkapazitäten von 1 bis 4 MB reichen. An einen Supermini können bis zu 32 Arbeitsstationen angeschlossen werden. Die Durchsatzrate beträgt nach Angaben des Unternehmens bis zu 1 Mips (Millionen Instruktionen pro Sekunde). Für die kleinste Astra-Version muß der Benutzer rund 45 000 Mark zahlen. Damit weist der NEC-Mini ein erheblich besseres Preis/Leistungs-Verhältnis als vergleichbare Wettbewerbssysteme, etwa DECs VAX-Serie oder Data Generals MV-Prozessoren, auf. Auch der japanische Anbieter zielt mit seinem neuen Produkt in Richtung Telekommunikation.

Eine Erweiterung ihrer kommerziellen Mikrocomputer-Produktpalette gab Fujitsu in Las Vegas bekannt. Der japanische DV-Allrounder zeigte sein System 16sx TM, das mit einem 10 MB oder 20 MB (formatiert) Winchester-Drive ausgestattet ist. Fujitsu Angaben zufolge ist der neue Mikro bis zu 80 Prozent IBM-kompatibel und enthält einen Intel-Prozessor 8088. Die Japaner wollen ihren 16sx TM in der 10-MB-Version für 4250 Dollar vermarkten.

Auch Mainframe-Veteran NCR wartete in Las Vegas mit Neuigkeiten auf. Ein Software-Package soll künftig den Anschluß von bis zu 14 IBM Personal Computern oder PC-Kompatiblen an das System Tower 1632 ermöglichen.

Mit zahlreichen neuen Programmpaketen versuchten etliche Mikroanbieter ihre Produktpaletten attraktiver zu gestalten. Die Vielfalt des Angebots an Mikro-Hard- und Software konnte indes leicht den Eindruck vermitteln, jenseits des großen Teiches sei die Welt der Rechnerzwerge noch in Ordnung. Doch mit der Vielfalt der Mikroofferten wurden nur die Absatzprobleme, überdeckt mit denen insbesondere amerikanische Hersteller zu kämpfen haben. So gab es denn auch wieder Gerüchte über Schwierigkeiten eines kalifornischen Mikro-Produzenten: Die Data Products Division der Lear Siegler Inc. aus Anaheim soll unter Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechtes stehen.