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14.08.1981

NCR: Leere Führungsbank

Die Augsburger NCR GmbH versucht es mit Offenheit: "Die Presse", bekennt Geschäftsführer Ian M. Angus, "kann nur dann Gutes über uns schreiben, wenn wir selbst gut sind" (siehe auch "Zur Sache", Seite 4).

Zu dem heiklen Thema "Wechsel im Top-Management" ließ sich der Hackel-Nachfolger von seinen eigenen Öffentlichkeitsarbeitern ins Kreuzverhör nehmen.

Aus dem Angus-Seufzer ziehen Kenner des Kassenspezialisten den Schluß, daß die Diadochen-Kämpfe bei NCR noch nicht ausgestanden sind. Es erscheint freilich rätselhaft, wo weitere "Augsburg-Flüchtlinge" herkommen könnten nachdem das "Wechselfieber" bereits unter den Mitarbeitern des Middle-Managements grassieren soll, die Führungsbank also stark gelichtet ist. Andererseits ist Grundig auch nur begrenzt aufnahmefähig.

Es mag für hart angesehen werden, daß die Augsburger NCR-Zentrale nicht zur Ruhe kommt.

Ein Einzelfall ist das Nach-Hackel-Hickhack beileibe nicht.

Im Grunde genommen gehören heute D\/-Hersteller, die weder durch Personal-Querelen noch durch eine verfehlte Produktpolitik von sich reden machen, ins Raritäten-Kabinett. Die personelle Umschichtungsliste der vergangenen acht Monate ist lang: Siemens, ICL, Sperry Univac, Cll-Honeaywell Bull, Triumph-Adler, Kienzle, AEG-Telefunken, CTM, Wang, Prime, Harris, Olympia und Olivetti - ja sogar IBM.

IBM und Siemens kann man bei einer vergleichenden Betrachtung getrost außen vorlassen. Die beiden Universalrechner-Marktführer in der Bundesrepublik sind, von der Betriebsgröße her denjenigen Monster-Organisationen zuzurechnen, die auf tagespolitische Ereignisse eher träge reagieren. Im Klartext: Die Stuttgarter lassen keinen abwandern, sie schätzten ihn denn (Leister).

Was alle anderen Computerfirmen betrifft, muß der Eindruck entstehen, daß entweder klare Marketing-Konzepte fehlen oder sich die "richtigen" Leute nicht durchsetzen können. Daß dies im Markt seinen Niederschlag findet, dürfte klar sein.

Zurück zu NCR: Solche Unsicherheit schreckt das neue Management offenbar wenig - wohl aber wie die Installationsbilanz des abgelaufenen Jahres zeigt, die Kunden.

Legt Angus nicht auf den Tisch, welche Anwendergruppen bevorzugt bedient werden sollen, dann könnte dies für die deutsche NCR verheerende Folgen haben. Noch gibt es "Kanalarbeiter", die der Gesellschaft die Stange halten, weil sie von den NCR-Produkten überzeugt sind. Wie lange noch? Denn es ist eine Binse, daß gute Produkte in dieser Branche nicht alles sind. NCR-lnsider mahnen, den vielleicht wichtigsten Marketing-Grundsatz endlich zu beherzigen: Solange man nicht alle Zielmärkte haben kann, die man gerne hätte ,muß man sich für einige wenige entscheiden. Im Falle NCR hieße das: Konzentration auf Fertigungsbetriebe und den Handel. Mit dem BDE-Know-how der Tochter Data Pathing, so die Empfehlung der NCR-Analysten, müßte sich im industriellen Bereich einiges auf die Beine stellen lassen. Von dieser selbstbewußten Einstellung sei momentan in Augsburg wenig zu spüren.

In der Tat haben viele Mitarbeiter das Uralt-Problem der NCR noch nicht verarbeitet: Sie fühlen sich als Repräsentanten der "Kurbelkassen-Generation" mitverantwortlich dafür, daß der Elektronik-Express zunächst verpaßt wurde. Also hätten all jene Recht, die sich eine Besserung nur von einer Radikalkur im Personalbereich erhoffen? Aber was ist mit gewachsenen Kundenstrukturen? Angus stehen schwere Zeiten bevor.