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24.10.1997 - 

Systems '97Messe-Rundgang: Thin Clients

NCs sollen DV-Administration erleichtern und Kosten sparen helfen

Nicht mehr als eine E-Mail mit grafischen Zusatzinformationen wollte der Vorstandsvorsitzende des großen Datenbankanbieters von einem NC aus verschicken. Was eine Demonstration der DV-Zukunft werden sollte, versackte auf offener Bühne irgendwo im Bermudadreieck von NC-Hardware und Netzinfrastruktur. Daß die Zurschaustellung der Parallel-Server-Technologie ebenfalls in die Hose ging, rundete Ellisons PR-Auftritt, der ursprünglich als werbewirksame Veranstaltung geplant war, nicht gerade positiv ab.

Systems-Besucher, die sich über das Konzept von Thin Clients informieren wollen, tun trotzdem gut daran, sich nicht von solchen Havarieveranstaltungen irritieren zu lassen. Denn nicht nur Oracle und Sun sind dem Konzept des "schlanken" Arbeitsplatzrechners verpflichtet. Während dieses Duo schon allein aus politischen Gründen als Microsoft-Intel-Antipode auftreten muß, gibt es eine ganze Reihe weiterer Unternehmen, die auf das Thin-Client-Konzept setzen. Unberücksichtigt bleibt hierbei zunächst, welche Ausprägung das jeweilige System besitzt, ob es sich also um einen NC, ein Windows-Terminal oder eine Java-Maschine handelt.

IBM wird seine "Network-Station"-Familie auf der Systems präsentieren (Halle 5, IBM-Standpunkt 31). Der Terminal-Hersteller Network Computing Devices (NCD) produziert übrigens im Zuge eines OEM-Vertrags mit der IBM deren Netstations.

Sicherlich noch nicht auf der Systems zu sehen sein werden NCs von Apple. Ebenfalls bis Drucklegung dieser CW-Ausgabe war noch nicht klar, ob es sich bei der Information des "San Francisco Chronicle", Apple werde einen schlanken Arbeitsplatzrechner bauen, um mehr als ein Gerücht handelt. Nach dem "Chronicle"-Bericht wird Apple im Februar 1998 auf der Macworld einen NC vorstellen, der mit dem Power-PC-Prozessor "Arthur" rechnet. Hierbei handelt es sich um eine Power-PC-750-Variante, die in 0,25-Mikromillimeter Strukturbreite gefertigt wird.

Zu den NC-Adepten zählt seit neuestem auch NCR. Die ehemalige AT&T-Tochter hat ein OEM-Abkommen mit Boundless Technologies (vormals Sunriver Data Systems) getroffen und bezieht deren "Viewpoint-TC"-Modelle "100" und "200". NCR wird die beiden Maschinen unter der Bezeichnung "NCR TC Series 2990" vermarkten. Die Metrologie GmbH als Distributor von Boundless wird deren NCs in Halle 24, Stand D17A präsentieren.

Die drei "Viewpoint"-Modelltypen von Boundless sind übrigens ein gutes Beispiel für die unterschiedlichen Ausprägungen von Thin-Client-Maschinen. Je nachdem, welche zusätzlichen Softwarekomponenten auf den Maschinen integriert wurden, fungieren die Geräte als dedizierte Windows-Terminals, Java-Clients oder auch als Kombi-System, das sowohl Java-Applikationen nutzen, als auch auf Server-basierte Windows-Anwendungen zugreifen kann: Modell 100 ist ein Netzterminal, das vor allem als Textterminalersatz positioniert wird. Dies zeigt sich an den unterstützten Terminalemulationen: Wyse 50/60, VT220/320, SCO ANSI, IBM 3151, Data General 412 und AT-386. Zudem kann der Anwender acht Telnet-Sessions gleichzeitig laufen lassen.

Modell 200 plaziert Boundless als Windows-Terminal. Entsprechend hat es das von Citrix entwickelte Windows-Protokoll Independent Console Architecture (ICA) auf dem Client implementiert. Bei ICA handelt es sich um ein sogenanntes Presentation-Services-Protokoll, das die Ausführung der Benutzeroberfläche auf dem Client-System ermöglicht, während die Anwendungslogik auf Servern ausgeführt wird. Außerdem unterstützt das Windows-Terminal die ebenfalls von Citrix entworfene Multiuser-Erweiterung "Winframe". Mit Winframe ist es möglich, von Clients auf Applikationen zuzugreifen, die auf Windows-NT-Servern liegen. Mittlerweile hat Microsoft Rechte an der Citrix-Technologie lizenziert.

Modell 300, das Ende 1997 eingeführt werden soll, ist als Internet/Java-Terminal gedacht. Bestandteil dieses Geräts sind die Java Virtual Machine (JVM) sowie der Microsoft-Internet-Browser "Explorer". Über eine optionale PCX-Server-Software kann der Thin Client auf X-Windows-Applikationen zugreifen.

Wesentlich an allen drei Modellen ist, daß sie sich funktional auf die wechselnden Bedürfnisse des Anwenders ausrichten zu lassen. Das Netzterminal 100 kann beispielsweise via "Viewpoint-Administrator"-Software zum Modell 300 umfunktioniert werden. Letzteres läßt sich andererseits optional mit verschiedenen lokalen Terminalemulationen ausrüsten. Allen gemein ist eine gleiche Hardware-Grundausstattung, bestehend aus einer Intel-kompatiblen CPU, 4 bis 64 MB EDO-RAM-Arbeitsspeicher, 2 bis 4 MB Flash-Speicher, einem 32-Bit-PCI- und einem 16-Bit-Eisa-Erweiterungssteckplatz sowie optional ein Smart-Card-Einschub.

Der taiwanische Hersteller Umax Data Systems, bislang Macintosh-Clone-Hersteller und seit Apples rigider Lizenzpolitik zunehmend auf die Wintel-Welt konzentriert, hat bei Oracles Tochter Network Computer Inc. (NCI) Software-Anleihen für seinen NC aufgenommen. Der Thin Client wird mit einem 200-Megahertz-Pentium-Prozessor und NCIs Desktop-Client-Software ausgestattet sein und soll ab November zunächst in Europa vertrieben werden. Umax Deutschland zeigt seine NCs allerdings nicht auf der Systems.

Der taiwanische Hersteller Accton Technology bedient sich ebenfalls des NCI-Betriebssystems "NC Desktop", Version 2.1. Die "Lanstation-Pro" arbeitet mit einem Intel-Pentium-Prozessor, kann aber auch mit AMDs "K6" oder den "M1"- und "M2"-CPUs von Cyrix oder Intels P55C-Chip mit MMX-Befehlssatz umgerüstet werden - ein Indiz dafür, daß es bei NCs nicht mehr auf den Prozessor ankommt. Der Accton-Thin-Client besitzt einen LAN-Adapter für Fast-Ethernet-Anbindungen. Weitere Merkmale sind ein 32 bis 64 MB großer Arbeitsspeicher sowie eine 3D-Audiokarte mit 16-Bit-Stereo-Unterstützung - eine Ausstattung, die sich von einem PC nicht mehr so sehr unterscheidet.

Vom X-Terminal-Hersteller Network Computer Devices (NCD) stammt die "Explora-NC"-Familie. NCD integrierte in die Geräte die Java Virtual Machine, so daß sich auch Java-Applets verarbeiten lassen. Die Modelle der "700"-Linie rechnen mit der RISC-CPU "R4700" von Mips Technologies, der Silicon-Graphics-Tochter. Die NCD-Clients unterstützen unter anderem 10/100Base-T, 10Base2 sowie drahtlose Verbindungen. NCD hat die Betriebssystem-Software-Version 5.0 "NCDware" seiner Endgeräte ferner um das ICA-Protokoll von Citrix erweitert. Anwender können auf den Explora-Thin-Clients also auch Win- dows-Applikationen nutzen. NCDware unterstützt ferner die Anbindung an Unix-Server sowie IBM-Mainframes. Mitgeliefert wird eine Web-Browser-Software.

Anders als die 700er Modelle arbeiten NCDs "400"- und "450"-Systeme mit Power-PC-RISC-Chips, die mit 33 beziehungsweise 66 Megahertz getaktet sind. Die Netzanbindung entspricht der der 700-Variante. Standardmäßig liefert NCD seine NCs mit mindestens 8 MB Arbeitsspeicher aus. Dieser kann aber bis 128 MB bei den kleineren und bis zu 256 MB bei der 700-Familie aufgestockt werden. NCD verlangt für die Thin Clients zwischen 700 und 1700 Dollar. Die bisherigen Produktlinien "Explora" und "HMX" laufen zum Ende dieses Jahres aus.

NCD entwickelte übrigens auch die "Wincenter"-Software. Hierbei handelt es sich um ein Tool analog zu Winframe von Citrix, das Windows NT um Multiuser-Charakteristika erweitert. Ferner bringt NCD auch "PC-Xware" auf den Markt, eine Software, die Clients an NT- und Unix-Server ankoppelt.

Sun Microsystems, einer der Meinungsmacher in Sachen Thin-Client-Technologie, dokumentiert schon in der Namensgebung seiner NCs, auf welches Aufgabensegment seine dünnen Arbeitsplatzmaschinen ausgerichtet sind: auf Java. Die "Javastation" (Halle 14, Stand C12/B08) ist für die Verarbeitung von Java-Anwendungen und -Applets gedacht. Die Maschinen sind, wen wundert's, von Kopf bis Fuß auf Sun eingestellt: Beim Prozessor handelt es sich um eine mit 100 Megahertz getaktete Microsparc-CPU, beim Betriebssystem um Suns "Java-OS", der "Hot-Java"-Web-Browser stammt ebenfalls von der Scott-McNealy-Company. Durch die Unterstützung des ICA-Protokolls können aber auch Javastation-Anwender auf Windows-Applikationen zugreifen, die auf Servern liegen.

Die Javastations lassen sich in Ethernet-Netze (10-BaseT und 10/100-BaseT) einbinden. Neben einem maximal 64 MB großen Arbeitsspeicher besitzen Suns NCs zudem einen Flash-Speicher, der bis 8 MB groß ist.

Von Wyse Technologies stammen die Mager-Systeme der "Winterm"-Linie (Halle 24, Stand B03 und C07 bei Wyse-Distributor Raab Karcher). Zu erwähnen ist insbesondere das Modell "2930". Dieses mobile NC-Gerät soll für knapp 3000 Dollar vertrieben werden. Das System tauscht seine Daten über kabellose, also Infrarotverbindungen aus. Eine weitere Eigenheit des Gerätes, das in vertikalen Märkten wie Gesundheitswesen oder Produktion positioniert wird, ist der berührungssensitive Monitor.

Die "Winterm-2000-SE"- und "2700-SE"-NCs kommunizieren wie viele andere NCs auch über das ICA-Protokoll von Citrix mit Servern und können Windows-Applikationen über die Citrix-Software "Winframe" nutzen. Neben dem Citrix-Tool werden auch die Produkte von NCD, "Wincenter Pro", sowie "WinDD" von Tektronix unterstützt.

Eines der ersten NC-Konzepte stellte die Neoware Systems Inc. (ehemals HDS Network System) mit den "workstations" vor. Der Hersteller, der sich als X-Terminal-Produzent einen Namen gemacht hat, nutzt ebenfalls die Industriestandards Winframe, ICA und das X.11-Protokoll sowie den Netscape-Browser "Navigator". Neoware bietet auf den workstations darüber hinaus 32 Terminal-Emulationen und implementierte in die Systeme die Java Virtual Machine. Nicht übereinstimmend mit der Definition eines NCs sind allerdings eine Festplatte sowie ein Diskettenlaufwerk, die in den workstations angeboten werden. Neoware kündigte außerdem mit der "Neostation" einen neuen sogenannten "Ultrathin"-Client an, der die Größe eines Hardcopy-Buches haben soll.

Tektronix, ebenfalls als X-Terminal-Hersteller bekannt, präsentiert mit seiner "NC200"-Familie eine Linie von NCs, die konform zur Norm "NC Reference Profile" sind (Microsoft-Stand Halle 7, Stand C08 und im Forum Halle 16, Stand B12). Die NC200-Modelle arbeiten mit dem von NEC hergestellten Mips-RISC-Prozessor "R4300". Sie sind zudem mit 10Base-T- und optional mit 10/100Base-TX-Ethernet, der "Navio"-Browser-Software und einem ICA-Client ausgestattet. Tektronix bietet die Geräte in sieben Varianten an. Die Palette reicht vom Einstiegsmodell für rund 1750 Mark ohne Monitor bis zum High-end-Modell mit 21-Zoll-Bildschirm und Digital-Video-Unterstützung, das für gut 7000 Mark erhältlich ist.

Die Anbindung an DEC-Minicomputer (Ultrix, VMS, Open-VMS) sowie an IBM-Mainframes und Sun-, HP- sowie Silicon-Graphics-Hosts ist über entsprechende Emulationen gewährleistet. Der Zugriff auf Windows-Applikationen geschieht über die von Tektronix selbst entwickelte "WinDD"-Software. Die Preise reichen von rund 1800 bis 7000 Mark für ein System mit 21-Zoll-Monitor. Für alle Tektronix-Geräte sind auch berührungsempfindliche Monitore erhältlich.

Die Liste der NC-Hersteller und potentiellen Anbieter ist mit dieser Übersicht sicher nicht komplett. Die Acorn Computer Group, Akai Electronic, Funai Electric, IDEA, Olivetti, Tatung und Mitac sind weitere Unternehmen, die planen oder bereits dabei sind, im Segment der Thin-Client-Rechner ihr Geld zu machen.

Demonstrativ absent vom NC-Geschäft zeigen sich übrigens die Branchenschwergewichte Compaq und Hewlett-Packard (HP). Beide glauben, ihr Glück mit dem Microsoft-Intel-getriebenen Net-PC-Konzept machen zu können. Compaq hat ein entsprechendes Modell, den "Deskpro 4000N", bereits vorgestellt. HPs "Net Vectra" läßt noch auf sich warten. Beide haben bekundet, keine NCs herstellen zu wollen.

NCs und Windows-Applikationen

Wer NCs benutzen, auf Windows-Anwendungen aber nicht verzichten will (oder kann), dem stehen verschiedene Möglichkeiten offen, dies über Softwareprodukte zu erreichen. Allen gemein ist, daß sie Windows-NT-basiert sind und das Microsoft-Betriebssystem um eine entscheidende Eigenschaft erweitern: die Multiuser-Fähigkeit.

"Winframe" ist das wohl bekannteste Produkt. Von Citrix entwickelt, hat es von Microsoft die höheren Weihen bekommen, als die Gates-Company die Technologie in Lizenz nahm. Der Softwareriese wird Winframe in NT, Version 5.0 - auch als "Hydra"-Projekt bekannt - integrieren. "Ntrigue" stammt von Insignia Solutions, "WinDD" von Tektronix. "Wincenter Pro" wird von NCD geliefert. Daneben gibt es zudem "Nted" von Triteal.

Die verschiedenen Produkte haben sich auf den verschiedenen NC-Systemen unterschiedlich bewährt. So soll Ntrigue auf den workstations von Neoware sehr gut laufen, WinDD ist erwartungsgemäß am besten auf die Tektronix-Maschinen angepaßt. Ähnliches gilt für Wincenter Pro von NCD und deren NCs. Das NCD-Tool scheint nach ersten Erfahrungen aber auch mit den IBM-Netstations (die von NCD produziert werden) und den Boundless-Geräten gut zu kooperieren.