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20.07.1990 - 

8 bis 8192 Hypercube-Prozessoren

Ncube 2 mit Unix-Front-end- und Datenbank-Server von Oracle

MÜNCHEN (zek) - Mit einem eigenen Konzept massiv-paralleler Supercomputer will der VS-Rechnerhersteller Ncube jetzt auch in Deutschland Kunden finden. Flaggschiff des Unternehmens ist der Ncube 2, der in Konfigurationen zwischen acht und 8192 Prozessoren angeboten wird.

Der neue Parallelrechner wurde sowohl für technisch-wissenschaftliche Anwender als auch für den kommerziellen Bereich konzipiert. Die Ncube Deutschland GmbH hat sich Ende Juni in München etabliert, Geschäftsführer ist Peter Wüsten, vorher für die Supercomputer bei Siemens verantwortlich. Er und der "Ncube-Vice-President for European Operations", Michael Meirer, ebenfalls ein Ex-Siemens-Mann, wollen jetzt das Ncube-Konzept europäischen und deutschen Anwendern schmackhaft machen.

Ncube wurde bereits 1983 mit dem Ziel gegründet, leistungsfähige Parallel-Supercomputer zu bauen. Ein erstes Gerät, der Ncube 1, war 1986 fertig und fand einige Kunden in den USA. Aber erst mit der zweiten Serie schuf das Unternehmen ein System, das mehr Anklang fand. Herzstück ist ein von Ncube entwickelter Prozessor, bei dem sämtliche I/O-Kanäle und die dazugehörige Verdrahtung auf dem Chip implementiert wurden. Dadurch wurde es möglich, den Prozessor und die dazugehörigen DRAM-Chips auf einem Modul mit einer Größe von etwa 10 mal 2 Zentimetern unterzubringen - die Prozessorplatinen der meisten Wettbewerber, beispielsweise Intel, sind demgegenüber um ein Vielfaches größer.

Die Module können mittels Hypercube-Technik miteinander verbunden werden. So läßt sich der Ncube 2 dann vom Einstiegsmodell 6401E-A mit acht Prozessoren, acht MB RAM und einer Leistung von 59 MIPS und 26 MFLOPS auf das Top-Modell 6480-B erweitern. Dieses verfügt über 8192 Prozessoren, 32 GB Speicher und eine Leistung von 60 000 MIPS und 27 GFLOPS. Ein System dieser Größenordnung hat Ncube bisher noch nicht ausgeliefert. In den USA sind zur Zeit sechs Installationen mit 1024 Prozessoren (Modell 6420) im Einsatz. Sie erreichen nach Ncube-Angaben Leistungen von 7500 MIPS und 3,4 GFLOPS.

Zu diesen Rechnern bietet das Unternehmen eine spezielle Software an, die auf die Parallelprozessoren abgestimmt ist. Dazu zählen eine Bibliothek mit den gängigsten mathematischen Funktionen und Standard-Programmiersprachen. Für Anwender im kommerziellen Bereich wird eine Parallelversion des Datenbankservers von Oracle angeboten. Damit ist der Ncube sowohl für "klassische" Supercomputer-Anwendungen wie Moleküldesign, Simulation und seismische Forschung, als auch für kommerzielle Bereiche.

Für die kommerziellen Anwender zeichnet sich das System dadurch aus, daß als Front-end-Rechner eine Sun-Workstation eingesetzt wird. Sämtliche Befehle können in der gewohnten Unix-Umgebung eingegeben werden und werden dann in die parallele-Sprache des Ncube "übersetzt" und ausgeführt.

In der Bundesrepublik Deutschland können Ncube-Rechner ab sofort bestellt werden. Das Einstiegssystem 6401E-A mit acht Prozessoren und 8 MB Speicher kostet rund 450 000 Mark, die Konfiguration 6420-A mit 1024 Prozessoren und 1 GB beläuft sich dann schon auf 9,5 Millionen Mark. Für das Top-Modell mit 8192 Prozessoren und 32 GB müßte man etwa 100 Millionen Mark zahlen.

Informationen: Ncube Deutschland GmbH, Hanauer Straße 87, 8000 München 45

Wo bleibt die Software für Parallel-Rechner?

Frischer Wind weht im europäischen Supercomputermarkt. Jetzt will der US-Hersteller Ncube seine Parallel-Number-Cruncher auch hierzulande an den Kunden bringen. Die Zahl der möglichen Abnehmer ist zwar nicht groß und die Systeme sind auch nicht gerade preiswert. Aber immerhin: Ncube setzt von Anfang an auf technisch-wissenschaftliche und kommerzielle Supercomputer-Anwender.

Die Möglichkeit, Oracle-Datenbanken auf einem Supercomputer zu fahren, wird mit Sicherheit den einen oder anderen Kunden zum Nachdenken reizen. Schließlich kommt es besonders bei intensiven und zeitkritischen Anwendungen auf höchste Rechenleistung an.

Das Hauptproblem dieser Rechner liegt in erster Linie aber bei der Software. Hier sollten auch die europäischen Universitäten mehr Wert auf entsprechende Forschung legen. Die Geisteshaltung vieler einheimischer Dozenten, sie würden den endgültigen Durchbruch der Parallel-Rechner ohnehin nicht mehr erleben und somit die Fruchte ihrer Grundlagenarbeit nicht mehr ernten können, ist mehr als nur kurzsichtig. Schließlich geht es um die Zukunft nicht unbeträchtlicher Wirtschaftszweige. zek