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19.06.1992 - 

Parallelrechner-Hersteller zeigt Wege in die Zukunft

Ncube baut die Ncube-2-Palette mit zwei weiteren Modellen aus

MÜNCHEN (jm) - Nicht nur an die vorhandene Anwenderschaft gibt Ncube mit den neuesten Meldungen Richtungssignale aus, man will mit kostengünstigen Superrechnern auch neue Kunden ansprechen: Neben einem Ausblick auf neue Ncube-3-Modelle kündigten die Kalifornier das Einstiegsmodell 2E sowie ein leistungsstärkeres Ncube-2S-System an.

Modell Ncube 3 soll nach den Aussagen von President und CEO Michael Meirer in zwei Jahren verfügbar sein. Die Spitzenleistung des Superrechners gab der Österreicher mit 6,5 Tflops an, eine Meßgröße, die als theoretischer Wert angesehen werden sollte.

Das System der nächsten Generation wird zudem über 65 TB Speicherkapazität verfügen. Die Geschwindigkeit des Datentransportes der in Hypercube-Technologie ausgelegten Architektur werde 12 TB/s betragen, wobei sich die I/O-Organisation wie bei dem aktuellen Ncube-2-Modell darstelle. Ncube 3 soll sowohl für Hippi-Schnittstellen als auch für FDDI Unterstützung bieten.

Von den in den Ncube-3-Rechnern eingesetzten Prozessoren könne der Anwender eine um das 50fache erhöhte Rechenleistung gegenüber den CPUs von Modell 2 erwarten. Ausgelegt sind die auf drei Millionen Transistoren verdichteten Zentraleinheiten in 0,6-Submikron- und 3-Lagen-CMOS-VLSI-Technologie, teilte Meirer ferner mit. Von Ncube ist das Design, Hewlett-Packard produziert die CPUs, die Endmontage und die Tests führt wieder Ncube durch. Als Lizenznehmer und zweite Quelle für die Prozessoren fungiert VLSI Technology.

Mit maximal 65 536 CPUs reicht das Ncube-3-System in Größenordnungen, die bislang Thinking Machines mit ihren Connection Machines vorbehalten waren. An dem US-Konkurrenten aus Cambridge in Massachusetts ließ Meirer kein gutes Haar.

Meirer kritisiert die Rechner der Konkurrenz

Deren neuestes Modell - die CM-5 - sei nach Erkenntnissen von Ncube in Produktionsumgebungen nicht stabil lauffähig. "Die CM-5 ist mindestens ein Jahr zu früh angekündigt worden", äußerte Meirer kritisch, der zudem an dem "technisch völlig unausgereiften" Konzept herummäkelte.

Auch gegen den Supercomputer-Guru Seymour Cray zog Meirer selbstbewußt ins Feld: "Wir legen sehr viel Wert auf Stabilität", kommentierte er die Gehversuche des Chefs der Cray Computer Inc. in Sachen Gallium-Arsenid-Technologie (Gaas), "Seymour Cray hat damit große Probleme". Ein Auftrag - die COMPUTERWOCHE berichtete - vom Lawrence Livermoore Institute ging Cray wegen mangelnder Termintreue deshalb schon durch die Lappen.

Sogar Marktführer Cray Research kam nicht ungeschoren davon: Deren Kooperationsabkommen mit Digital Equipment, wonach Cray in Zukunft die DEC-Alpha-CPU in Parallrechnern einsetzen wolle, quittierte Meirer mit Zweifeln: "Ich kann mir nicht vorstellen, daß man CPUs in Parallelsystemen einsetzt, wenn jeder dieser Prozessoren 30 Watt Strom verbraucht." In der Tat kursieren in der Branche Gerüchte, DEC habe wegen den daraus resultierenden hohen Temperaturen erhebliche Probleme.

Dem setzte der Ncube-Chef als Erfolgsmeldung entgegen, daß der bayerische Autokonzern BMW gerade im Begriff sei, einen Ncube-2-Superrechner in Betrieb zu nehmen. Außerdem habe sich die Shell Oil Company in Houston zufrieden über die Stabilität des bei dem Mineralölkonzern eingesetzten Ncube-2-Systems geäußert. Zudem konnte Ncube, so Meirer, allein in Deutschland etwa ein Dutzend Systeme mit 1024 CPUs installieren.

Das für 1994 avisierte 3er Modell sei 100prozentig softwarekompatibel zu dem Ncube-1-Rechner sowie zu dem 2er Supercomputer.

Meirer ist optimistisch, daß sein Unternehmen in Zukunft verstärkt auch im kommerziellen Bereich vertreten sein werde.

Er verwies auf TPC-B-Benchmark-Läufe, bei denen ein Ncube-2-System mit 64 Prozessoren unter der Oracle-Datenbank Parallel Server DBMS in der Version 6.2 mit 1073 Transaktionen pro Sekunde (tps) und einem Kostenverhältnis von 2500 Dollar pro Transaktion sowohl der schnellste als auch der wirtschaftlichste Rechner sei. "Gegenüber dem größten IBM-Mainframe sind wir mit dieser Leistung um den Faktor zwei besser", so der Ncube-CEO.

Das Preis-Leistungs-Argument nutzte Meirer denn auch als Argumentationshilfe für die Aussage, herkömmliche Großrechner seien in Zukunft out, deren Server-Aufgaben könnten Systeme wie beispielsweise die von Ncube sehr viel preisgünstiger ausführen.

Der zweite Teil der Ncube-Ankündigung betraf eine Technologieerweiterung des Ncube-2-Modells: Ncube 2S soll ab August 1992 verfügbar sein. Bei diesem Parallelsystem habe man erstmals die Submikron-Technologie realisieren können. Deshalb und wegen der gegenüber dem bisherigen Topmodell erhöhten Taktfrequenz der Prozessoren sei die Ncube 2S um 50 Prozent schneller.

Sie dient nach den Worten von Meirer als Platzhalter, bis Modell 3 verfügbar ist. Eine bestmöglich ausgestattete Ncube 2S mit 8192 Prozessoren könnte eine theoretische Spitzenleistung von 27 Gflops bringen, wobei pro Mflop weniger als 1000 Dollar Kosten ins Haus stehen würden.

Außerdem bietet Ncube ein Einstiegsmodell Ncube 2E. "Dieses Modell ist für unsere Gesamtstrategie sehr wichtig." Sie setze architektonisch auf der Ncube 2 auf und unterscheide sich von dieser im "Packaging". Meirer deutete auch gleich auf den Adressaten solcher Superrechner: "Die können sich viele Unis leisten."