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31.08.1990 - 

Datenübertragung via Satellit soll terrestrisches TK-Defizit abschwächen

Neben der Telekom springen in der DDR private Anbieter ein

Der westlichen Industrie bereitet die mangelhafte Telekommunikations-Infrastruktur der DDR erhebliche Probleme. Neben der DBP Telekom versuchen deshalb auch private Carrier, für Unternehmen TK-Lücken zu schließen. Im zweiten Teil seines Berichts geht Dirk Nouvortne auf einzelne Anbieter wie IBM und Meganet ein und vergleicht insbesondere die für ihre Services anfallenden Kosten.

Aufschlußreich im Hinblick auf die Satellitenkommunikation und die in der DDR zur Zeit noch kaum greifenden terrestrischen Verbindungen ist ein wirtschaftlicher Vergleich unterschiedlicher Carrier. Vier Anbieter privater Netzdienstleistungen in die DDR sollen hier aufgrund von Angeboten einem Preisvergleich unterzogen werden. Im einzelnen handelt es sich dabei um IBM, lnfo, Meganet und die Deutsche Bundespost Telekom.

Um die Dienste dieser Carrier miteinander zu vergleichen, ist es notwendig, weitgehend gleiche Bewertungsmaßstäbe zu definieren. Folgende Variablen wurden dem Vergleich zugrundegelegt: Grundpreis, Vertragsbindung, freies Volumen pro Monat, Zusatzpreis je MB, Ortsleitung im Zielort und Installationsgebühr.

Die verglichenen Services nutzen Satellitennetze. Einzige Ausnahme ist eine terrestrische Verbindung im Angebot von Meganet (siehe Abbildung 1).

Der Vergleich der unterschiedlichen Angebote fällt nicht sehr leicht, da die Anbieter verschiedene Voraussetzungen für ihr Tarifwerk zugrundelegen.

Basis des Angebots von IBM sind Anschlußports. Bei der Berechnung wird davon ausgegangen, daß für fünf Ports der Geschwindigkeit 9,6 Kbit/s beispielsweise für die Lokationen in der DDR ein 64-Kbit/s-Port zur IBM in der Bundesrepublik geschaltet wird. Auf ein Jahr bezogen bedeutet dies für den 64-Kbit/s-Port 33 000 Mark und für die fünf 9,6-Kbit/s-Ports in der DDR 56 000 Mark. Pro Monat ergibt sich für die oben angeführte Konfiguration ein Betrag von 7416 Mark. Addiert man hierzu noch die Zuführungen in der Bundesrepublik von 760 Mark und 1750 Mark für fünf Lokationen in der DDR summiert sich der monatliche Betrag auf 9926 Mark. Pro Lokation fallen dabei Kosten in Höhe von 1985 Mark an. Über 12,5 MB Volumen sind dabei pro MB zusätzlich 44,50 Mark zu zahlen.

Im Angebot der Info sind nicht Ports, sondern Leitungen die Grundlage der Berechnung. Zu dem Grundpreis von 8000 Mark sowie dem Mengenaufkommen kommt eine Installationsgebühr von 6000 Mark, die anteilig auf 36 Monate zu verteilen ist, da die Vertragsanbindung drei Jahre beträgt.

Beim Vergleich der Tarifierung der Telekom, die auf ein Angebot für Satelliten-Empfangsstationen zurückgeht, wird die Annahme zugrunde gelegt, daß fünf Lokationen in der DDR mit je 9,6 Kbit/s über ein UP-Link versorgt werden. (Bei höherem Volumen wird laut Aussage der Telekom ein weiterer UP-Link notwendig). Das UP-Link kostet 31 000 Mark pro Monat und die Empfangsstationen in der DDR je 2000 Mark. Für das oben angeführte Beispiel fallen somit Kosten in Höhe von 8200 zuzüglich zirka 20 Mark für anteilige Installationskosten pro Implementation an.

Etwas aus dem Rahmen fällt das Angebot der terrestrischen Meganet-Verbindung "Megaline". Meganet hat bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt Transitstrecken zur DDR beantragt, die sie jetzt durch Bündelung einer Vielzahl von Interessenten anbietet. Will man heute Leitungen bei der Deutschen Bundespost zur DDR beantragen, wird man in Abhängigkeit vom Ort auf das nächste Frühjahr vertröstet, da zur Zeit keine Kapazitäten mehr vorhanden sind.

Meganet installiert gegenwärtig in mehreren größeren Städten der DDR Netzknoten mit dem Ziel, analog dem bundesdeutschen Beispiel ein vermaschtes Netz herzustellen. Die Planungen laufen darauf hinaus, bis zum Oktober 1990 ein entsprechendes Angebot offerieren zu können. Die Verbindungen zwischen den Netzknoten haben eine Geschwindigkeit von 9,6 Kbit/s. Die Berechnung läuft nun wie folgt: Grundlage ist die Entfernung zwischen einer Stadt in der Bundesrepublik und der DDR. Da eine direkte Verbindung zur Zeit nicht realisierbar ist, wird der bundesdeutsche Anwender an den nächstgelegenen Meganet-Knoten, dessen Anbindung ebenfalls kostenmäßig zu beachten ist, angebunden und über Meganet-Services, die auf eigene Transitleitungen zurückgreifen können, mit dem Bestimmungsort in der DDR verbunden. Grundlage ist damit die Entfernung mit der Umrechnung auf den "HFD-Preis" zuzüglich eines Aufpreises von 30 Prozent. Schließlich sind noch die Kosten für die Ortsanbindung in der DDR in Höhe von 350 Mark hinzuzurechnen beziehungsweise, wenn es sich nicht um eine innerstädtische Verbindung handelt, die Kosten der Fernanbindung.

Die Anbindung ist volumenabhängig. 100 MB pro Monat und pro Verbindung sind im oben angeführten Preis enthalten. Dabei berücksichtigt das Volumen-Meßverfahren von Meganet gleichzeitig die Sende- und Empfangsrichtung der einzelnen Verbindung. Die Gesamtsumme (maximal 200 MB) wird anschließend durch zwei geteilt, so daß sich nach dem oben angeführten Verfahren 100 MB ergeben. Das überschüssige Datenvolumen (> 100 MB) wird in Blocks zu 10 MB pro Monat (= 20 MB) zusätzlich berechnet. Die Nutzungsentgelte erhöhen sich für die betreffende Verbindung im aktuellen Monat wie folgt: 10 MB machen 4,47 Prozent, 20 MB 17,07 Prozent, 30 MB 38,40 Prozent, 40 MB 68,27 Prozent und 50 MB 106,67 Prozent aus.

Hier wird deutlich, daß ab einem bestimmten zusätzlichen Mengenvolumen die Anmietung einer zweiten Leitung günstiger wird. Bei bis zu 50 MB pro Monat werden pauschal 3850 Mark erhoben.

Meganet erhebt eine Installationsgebühr, in der alle Einrichtungen enthalten sind. Diese Installationsgebühr entfällt aber bei drei Jahren Vertragsbindung.

Auf der Basis dieser Bewertungsgrundlagen werden einige Vergleichsrechnungen durchgeführt werden, die ein Gefühl für Größenordnungen geben sollen (siehe Abbildungen). Pauschal hieran jedoch die wirtschaftlichste Alternative erkennen zu wollen, wäre voreilig. Hier sollen ausschließlich Orientierungen gegeben werden jedes interessierte Unternehmen sollte auf der Basis seiner Anforderungen und Anwendungen Angebote bei den Carriern einholen, da auch herstellerspezifische und technische Restriktionen zu beachten sind.

Folgende Annahmen werden getroffen:

- Verrechnung der Installationsgebühr über drei Jahre,

- Drei-Jahres-Vertragsbindung,

- Entfernung zwischen den Orten 200 Kilometer (300 Kilometer Megaline),

- Berücksichtigung der Orts-Leitungen.

Herauszuheben ist, daß die Telekom insoweit von realistischen Größen ausgeht, als daß sie bei einem Uplink ß 9,6 Kbit/s ab einem Volumen von 200 MB pro Monat bei fünf 9,6-Kbit/s-Leitungen ein zusätzliches Uplink für notwendig hält, da sonst die Antwortzeiten unzumutbar werden. Diese Problematik fangen andere VSAT-Anbietern durch den starken An. stieg beim volumenorientierten Tarif ab (siehe Grafik).

Aufgrund dieser Berechnung terrestrische Anbindung für die günstigste zu halten, wäre falsch. Unternehmensindividuelle Gegebenheiten und die Koppelung von Meganet-Netz. knoten zum Standort der Unternehmensniederlassung können andere Verbindungen als wirtschaftlicher erscheinen lassen. Die Zeitbindung von drei Jahren mit den Vergünstigungen, die verschiedene Anbieter offerieren, sollte man durchaus nutzen.

Dirk Nouvortne ist Leiter Bürokommunikation im Gerling-Konzern.