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13.09.1996 - 

Prozessor-Guru Slater erwartet starke Konzentration im CPU-Markt

Neben Intel-Architektur nur noch Power-PC oder Alpha

Michael Slater, Herausgeber des US-Newsletters "Microprocessor Report" (MR), vertritt in dem Editorial der neuesten MR-Ausgabe die These, daß neben Intels x86-Architektur - also momentan der Pentium- und Pentium-Pro-Prozessorgenerationen - und dem für 1998 erwarteten "Merced"-Chip von Intel und HP (der ersten IA-64-Version) nur noch Platz für eine weitere Chip-Architektur sein wird: Um diese Position dürften sich nach Einschätzung Slaters die Digital Equipment Corp. (DEC) mit ihren Alpha-CPUs und IBM, Motorola und Apple als Entwickler der Power-PC-(PPC-)Bausteine streiten.

Außer Frage stehe, daß Intels und HPs Gemeinschaftsprodukt IA-64 sich am Markt werde durchsetzen können. Die beiden Firmen könnten ein CPU-Design entwickeln, das unter anderem optimiert ist im Hinblick auf die Anforderungen paralleler CPU-Prozessorarchitekturen. Wenn die beiden Kombattanten keine schwerwiegenden Fehler machen, dürften deren neue Chips um das Jahr 2000 nach der x86-Architektur die zweitbeste Wahl sein. Diese beiden Prozessorarchitekturen werden, schätzt Slater, 80 bis 90 Prozent des gesamten Marktes für sich vereinnahmen.

Vor diesem Hintergrund sieht der US-Spezialist nur noch Raum für eine dritte CPU-Plattform. Alle anderen Prozessoranbieter werden entweder auf ein Nischendasein reduziert oder ganz vom Markt verschwinden.

Slater glaubt, daß Suns Sparc-Architektur und die Silicon-Graphics-Tochter Mips Technologies mit ihren gleichnamigen CPUs im Vergleich zum Alpha- und Power-PC-Lager die schlechteren Karten in Händen halten. Die PA-RISC-Chips werde HP natürlich zugunsten der IA-64-Bausteine aufgeben.

Gegen die Sparc-Architektur spreche, daß Sun offensichtlich wenig Interesse an Windows NT habe. Slater glaubt nicht, daß Solaris sich als Betriebssystem für sogenannte Desktop- respektive Tischsysteme auf breiter Front durchsetzen kann. Und auch, wenn NT auf die Sparc-Architektur portiert werde, sei es unwahrscheinlich, daß diese Hardware-Plattform im NT-Markt eine führende Rolle einnehmen könne.

Die MIPS-RISC-Chips laufen zwar auf Microsofts 32-Bit-Betriebssystem. Diese Chip-Gattung habe im NT-Umfeld jedoch nicht nur nie eine sonderlich starke Position erlangt. Man müsse vielmehr davon ausgehen, daß die Position der Mips-CPU im NT-Markt in den kommenden Jahren noch schwächer werde.

Bleiben die Power-PC- und die Alpha-CPUs. Für erstere spreche eigentlich nur ein einziges Argument: die tiefen Taschen von IBM und von Motorola. Weder durch Rechenleistung noch durch frühe Markteinführung habe das Duo bislang zu glänzen vermocht. Im Vergleich zu Intels Architektur, insbesondere den Pentium-Pro-Chips, konnte sich die Power-PC-Architektur bezüglich der Rechenleistung nie profilieren. Gegenüber DECs Alpha-Prozessoren hinke die Power-PC-Architektur gar hoffnungslos hinterher.

Zudem kränkelt Apple, der Hauptabnehmer von PPC-Chips, erheblich: Sinkende Marktanteile, nur geringe Fortschritte bei der Lizenzierung des Macintosh-Betriebssystems, Qualitätsprobleme bei Produkten sowie die wiederholten Verzögerungen bei der Markteinführung von Copeland - Apples Betriebssystem der nächsten Generation, das jetzt scheibchenweise auf den Markt kommen soll -wecken erhebliche Zweifel an den Wachstumspotentialen des Macintosh-Marktes. IBM andererseits hat bislang keine erkennbare Strategie, wie es den Power-PC-Prozessor im PC-Segment plazieren will.

So bleibe allein die Finanzstärke von IBM und Motorola: Beide scheinen fest entschlossen, so Slater, zumindest noch zwei Prozessorgenerationen zu entwickeln. Wenigstens eine davon fußt wohl auf einem komplett neuen Ansatz. Dies könnte bedeuten, daß solch eine neue, dabei rückwärtskompatible CPU-Generation den Anforderungen - und dem Wettbewerb! - der kommenden Jahre standhalten könnte. Eine Garantie für zukünftige Erfolgserlebnisse sei aber auch mit einem komplett neuen Prozessordesign nicht verbunden, meint Slater.

DEC wiederum habe mit seiner Alpha-Architektur eine lange Durststrecke hinter sich gebracht. Nicht nur hatte das Unternehmen in den vergangenen Jahren finanziell erheblich zu kämpfen. Der Alpa-Chip wurde vielmehr, so Slater, zu einer Zeit auf den Markt geworfen, zu der die DV-Branche eigentlich keine weitere Prozessor-Plattform gebrauchen konnte.

Digital habe aber, urteilt Slater, seine Hausaufgaben überzeugend erledigt - nämlich den schnellsten Prozessor der Welt zu bauen. Im NT-Markt könne sich DEC zu veritabler Größe mausern. Voraussetzung: Genügend Applikationen müssen für die Alpha-Plattform optimiert sein. Wenn die Portierungssoftware "FX!32" im Herbst dieses Jahres auf den Markt komme, dürfte sich die Zahl verfügbarer NT-Softwareanwendungen für den DEC-Chip wesentlich erhöhen. Zudem könnte das Unternehmen 1997 mit der Vorstellung der "21164PC"-Bausteine durchaus auch im PC-Markt wildern. Bei diesen handelt es sich um Alpha-CPUs, die um bereits auf dem Chip aufgebrachten Multimedia-Instruktionen erweitert sein werden.

Allerdings müsse DEC von seinem hohen Preisniveau herunter, und dies schneller, als das Power-PC-Lager die Leistungsfähigkeit seiner Chips steigert. In dem Fall könne DEC mit seinen Alpha-Chips der lachende Dritte im Prozessorgeschäft sein. Wer immer aber die Nummer vier sein mag, meint Slater, der betreffende Anbieter werde kaum eine Chance haben, profitabel zu agieren.