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Commodore plant Emulator für IBM-PC, Apple II und TRS-80:


22.01.1982 - 

Nebulös zeichnet sich der Allround-Mikro ab

ESCHBORN (VWD) - Mikrocomputer anbelangt, darf man auf die Hannover-Messe 1982 gespannt. Auf der Winter Consumer Electronics Fair in Las Vegas zeigte die Commodore International Ltd. mit dem Commodore 64 einen Rechner mit 6510-Prozessor (Weiterentwicklung des 6502), 64 K-RAM und hochauflösender Farbgrafik, der Grundlage für einen zu verschiedenen Mikrocomputern softwarekompatiblen Personal Computer sein könnte. Er wird eventuell in Hannover zu sehen sein.

Die Maschine entspricht nach Meinung von Beobachtern von der Leistung her dem Apple II, wird im Einzelhandel aber für 595 Dollar angeboten werden. Ein vergleichbarer Apple soll in den USA 1650 Dollar kosten.

Entscheidendes Merkmal der Neuvorstellung aber sind nicht Preis und Leistung, sondern das, was auf Basis des Commodore 64 im September 1982 an den Einzelhandel ausgeliefert werden soll: ein Rechner, der für andere Mikrocomputer geschriebene Programme ohne Änderungen verarbeiten kann und der in Las Vegas inoffiziell "Commodore Emulator" genannt wurde. Von Haus aus sollen Apple-Programme ohne irgendwelche Änderungen lauffähig sein. Zwar waren derartige Maschinen erwartet worden, die potentiellen Hersteller wurden bislang jedoch immer in Japan, nicht in den USA vermutet.

Charles Winterble, Chefingenieur bei Commodore, hält den zusätzlichen Aufwand, der dafür am Commodore 64 getrieben werden muß, von den Kosten her für vernachlässigbar klein, technische Probleme scheint es nicht zu geben. Während die Apple-Kompatibilität von Haus aus gegeben sein wird, können andere, nicht vom 6502 abgeleitete Prozessoren nachgerüstet werden. Commodore arbeitet an einem Modul, das einen Z-80-Prozessor enthält und das es erlauben würde, mit dem Betriebssystem CP/M zu arbeiten. Möglich wäre auch die Verwendung von Programmen für die Tandy TRS-80 Baureihe.

Der Commodore-Rechner hätte damit Zugriff auf ein Betriebssystem, das in den USA als Standard bei kommerziellen Programmen für 8-Bit-Rechner angesehen wird. Im Gespräch ist ein entsprechendes Modul mit der 8088-CPU, dem Prozessor, den IBM ihrem Personal Computer eingepflanzt hat. Der Commodore-Emulator soll um 1000 Dollar kosten. Geplant sind zwei Versionen - eine mit Farb-, die andere mit Schwarzweiß-Display. Der RAM-Bereich soll je nach Kundenwunsch 128 K oder 256 K groß sein.

Der Commodore-Plan kommt letztendlich einer Attacke auf den Wettbewerber Apple gleich. Dort gibt man sich einstweilen gelassen. Apple-Mitgründer und Chairman Steven P. Jobs: "Ich nehme jeden Konkurrenten ernst, in diesem Fall aber muß ich mich dazu zwingen. Ich glaube es erst, wenn ich es sehe."

Für Deutschland nichts neues

Dem schließt sich auch der deutsche Apple-Marketing-Chef Dr. Nenner an, der hierzulande schon jetzt mit ähnlichen, wenn auch nicht von der Dimension vergleichbaren Problemen konfrontiert ist. Zur Jahreswende hatte der ehemalige Apple-Alleinimporteur Basis Microcomputer GmbH (Münster) einen zum Apple II hard- und softwarekompatiblen Rechner vorgestellt, der neben einem 6502 ab Werk auch mit einem Z-80-Prozessor ausgestattet ist und damit Zugriff auf das CP/M-Programmangebot hat.

Während vom Commodore-Emulator in der Tat noch nichts zu sehen ist, schafft der Basis 108 am deutschen Markt Realitäten. Darüber, wie sich Apple in Deutschland dem neuen Wettbewerber gegenüber verhalten wird, mochte Nenner nichts sagen. Die Chancen, dem neuen Produkt gerichtlich beizukommen, scheinen jedoch gering zu sein. Ein Ansatzpunkt könnte die Verwendung von Apple-Floppy-Laufwerken in der Basis-Maschine sein - eine ganzseitige Anzeige der Münsteraner zeigt den Rechner mit zwei Laufwerken, die mit dem Apple-Logo geschmückt sind.

Langfristig aber kann das keine Lösung sein: Unabhängige Anbieter liefern mittlerweile Floppy-Controller, die den Anschluß fast beliebiger Laufwerke an den Apple oder kompatible Rechner erlauben, und auch die Verwendung des Apple-eigenen Basic-Dialekts und des DOS (Disk Operating System) sind kein absolutes Muß. In den USA wird derartiges für den Apple II von unabhängigen Softwareunternehmen angeboten.

Kritisch für Apple ist der Preis der Basis-Maschine. Für rund 4400 Mark gehören zur Grundausstattung zwei Prozessoren, ein auf der Platine auf 128 K aufrüstbarer 64 K-RAM-Bereich, ein PAL-Ausgang (RGB und Composite), eine frei bewegliche Normtastatur und auch das für kommerzielle Anwendungen kaum verzichtbare 80-Zeichen-Displayformat Ein "nackter" Apple mit 48 K aber kostet in Deutschland offiziell knapp unter 4000 Mark. Um die Ausstattung des Basis-Rechners nachzuvollziehen, muß der Kunde einige Tausender mehr bezahlen.

Erste Reaktionen aus München sind schon erkennbar. Man habe, so Nenner, im eigenen Hause eine Normtastatur entwickelt, die künftig zusammen mit dem Apple II ausgeliefert werden soll. Nenner warnt vor Rechnern ohne Verkaufs- und Service-Organisation. So wurde der Apple-Vertragshändlerstamm, der bei Übernahme des Deutschlandvertriebs von Basis Ende 1981 aus rund 70 Unternehmen - darunter nur wenige "Große" - bestand, mittlerweile auf 200 Händler ausgebaut. (Nenner: "Basis hätte das nicht von sich aus gemacht.") Dabei habe man auch den Büromaschinenfachhandel - der ja den intensivsten Kontakt zum kommerziellen Anwender hat - einbezogen. Auf diesem Wege werde der bei professionellem Einsatz entscheidende schnelle Service gewährleistet.