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19.07.1991 - 

Franzosen nun alleinige Besitzer der US-Division

NEC: Einstieg bei Bull ist beschlossene Sache

PARIS/MÜNCHEN (bk) - Der Einstieg der japanischen NEC bei der französischen Groupe Bull ist perfekt: Der Tokioter Elektronikkonzern beteiligt sich mit 4,7 Prozent an der Holdinggesellschaft des Pariser Computermultis, der Compagnie des Machines Bull (CMB). Dafür erhalten die Franzosen NECs 15-Prozent Beteiligung an der US-Division Bull HN Information Systems Inc.

Noch vor wenigen Wochen hatten die Verhandlungen zwischen Bull und NEC, die bereits im April eingeleitet worden waren, auf Eis gelegen. Edith Cresson, Anfang Mai zur Premierministerin ernannt, hatte die Gespräche gestoppt, um japanischen Aktionen in Frankreich vorzubeugen. Mitte Juni jedoch lenkte sie - nicht zuletzt aufgrund heftiger Interventionen des Pariser Computerherstellers - ein und erteilte Bull-Chef Francis Lorentz grünes Licht für die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der NEC Corp. Er dürfe jedoch keine | Entscheidungen treffen, so Edith Cresson, die die künftige Unabhängigkeit des Unternehmens gefahrden würden.

Die jetzt getroffene Grundsatzvereinbarung zwischen Bull

und NEC dürfte denn auch in Madame Cressons Sinne sein. DieJapaner erhalten eine Beteiligung von 4,7 Prozent an der Compagnie des Machines Bull.

Diese war bislang zu 76 Prozent im Besitz des französischen Staates, 17 Prozent hält France Telecom, sieben Prozent der Aktien werden frei gehandelt. Im Gegenzug gibt NEC den Franzosen die hundertprozentige Kontrolle über die amerikanische Dependance Bull HN Information Systems Inc., Billerica/Boston. Damit, so Jörg M. Pläsker, Pressesprecher der Kölner Bull AG, besteht nun die Möglichkeit, die 1990 in die Wege geleiteten Maßnahmen der Umstrukturierung und Neuausrichtung voll und ganz durchzuführen. Dazu zählen speziell die Aktivitäten in Großbritannien und Italien, die im Januar der Europa-Division angegliedert wurden, formaljuristisch aber noch der US-Division angehören. Erleichtert, so Pläsker weiter, werde nun zudem die weltweite Integration von Forschung, Entwicklung und Produktion.

Das Abkommen garantiert der französischen Regierung ferner die Option, die NEC-Anteile an CMB "unter bestimmten Bedingungen" zurückkaufen zu können. Erläutert Pläsker: "Sollte die Zusammenarbeit mit den Japanern aus irgendeinem Grund wirtschaftlich und produktmäßig nicht mehr weitergeführt werden können, hat der Staat die Möglichkeit des Rückkaufes." Damit, so zitiert das "Wall Street Journal" Frank reichs Industrieminister Dominique Strauss-Kahn, bleibe Bulls Unabhängigkeit von NEC aufjeden Fall gewahrt.

Auch ohne diese Klausel indes wären NECs Chancen gering, sich den Pariser Computermulti einverleiben zu können, da es für französische Staatsbetriebe laut Pläsker ohnehin natürliche Grenzen in Sachen externer Beteiligungen gibt. Pläsker: "Die Regularien, denen auch Bull unterworfen ist, besagen, daß eine externe Beteiligung nur maximal zehn Prozent betragen darf."

In den kommenden Monaten nun werden beide Unternehmen die Details der Vereinbarungen abstimmen. So gilt es unter anderem zu klären, ob NEC im CMB-Vorstand präsent sein wird. Im Führungsgremium der Bull HN hatten die Japaner bislang einen Sitz. Definitiv soll der Deal bis September besiegelt sein.

EG überprüft weiter geplante Bull-Subventionen

Noch kein positiver Bescheid zeichnet sich für Bull hingegen aus Brüssel in Sachen Kapitalspritze ab, mit der die französische Regierung den verlustträchtigen Computerher- steller auf die Beine helfen will. Wie verlautete, sei die EG-Kommission zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen, daß das Vorhaben der Regierung - Kapitalzuwendung von rund vier Milliarden Franc sowie Forschungsmittel in Höhe von 2,6 Milliarden Franc - staatliche Beihilfen zumindest beinhaltet. Sie müssen nun im Rahmen der EG-Wettbewerbsregeln, die derartige Subventionen in der Gemeinschaft verbieten, überprüft werden.

Dem "Wall Street Journal" zufolge hieß es dazu aus Reihen der EG-Kommission, abzuklären sei, welche Auswirkungen die finanzielle Hilfe des französischen Staates auf den Rest dieses Industriebereiches innerhalb der EG darstelle. Besonders beschäftigen wolle man sich dabei mit den Konsequenzen für Unternehmen dieser Branche, die in einer ähnlichen Situation keine staatlichen Subventionen erhalten. Erneut forderte Brüssel von der französischen Regierung und von Bull mehr Informationen über die Finanzierungspläne.

Der Kölner Bull-Sprecher Pläsker erklärte dazu, man bewerte diese Überprüfung der EG-Kommission als ganz normalen Prozeß. Bull stelle Brüssel alle geforderten Unterlagen, die zur Entscheidungsfindung benötigt werden, zur Verfügung. Man sei zuversichtlich, daß die EG letztlich keine Einwände gegen die Kapitalzuwendung haben werde. Daß das nun beschlossene Engagement der japanischen NEC bei Bull die EG-Kommissare in ihrer Entscheidung beeinflußt, glaubt Pläsker nicht: "Man sollte diese Beteiligung nicht überbewerten. Beide Unternehmen arbeiten seit Jahren zusammen, und zudem bestand bereits eine NEC-Beteiligung innerhalb der Bull-Gruppe. Außerdem wird kein zusätzliches Geld bewegt, sondern es erfolgt lediglich ein Anteilstausch."