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05.06.1992 - 

SNMP-Gateway soll Connectivity zur VAX-Welt schaffen

NEC Electronics realisiert die Mac-Anbindung mit Vines 5.0

Probleme mit der Electronic Mail in Verbindung mit Macintosh-Rechnern unter dem Netzwerk-Betriebssystem Vines 4.1 hatten bei der NEC Electronics GmbH zu Überlegungen geführt, das Banyan-Netz aufzugeben. Mit der seit August 1991 im Düsseldorfer Unternehmen getesteten Version Vines 5.0. scheint das Ziel, Apple-Rechner in die Welt der DOS- und OS/2-Arbeitsstationen einzubeziehen, jedoch erreicht zu sein.

Seit Ende 1989 setzt NEC Electronics in Düsseldorf im PC-Netz das Netzwerk-Betriebssystem Vines von Banyan ein, dessen Installation gemeinsam mit der Telemation GmbH aus Kronberg realisiert wurde. Mittlerweile umfaßt das Netz mehr als 100 Stationen, wobei die Zentrale mit einem Lager ebenfalls in Düsseldorf sowie mit Verkaufsbüros in München, Stuttgart, Hannover, Eindhoven und Stockholm vernetzt ist. Alle diese Niederlassungen sind sowohl mit Macintosh-Rechnern als auch mit IBM-kompatiblen PCs ausgerüstet.

Integration von Macs in die DOS- und OS/2-Welt

Nach dem Einsatz der Version 4.1 hat NEC Electronics das jüngste Release des Netzwerk-Betriebssystems - Vines 5.0 seit September 1990 als Work-in-Progress-Version getestet. Für NEC Electronics war diese Version interessant, weil sie die Integration von Apple-Macintosh-Rechnern in die Welt der DOS- und OS/2-Arbeitsstationen ermöglicht. Relevante Features der neuen Version für die Anwendung im Unternehmen stellen dabei der Mail-Austausch und der transparente Dateienzugriff zwischen der IBM- und Mac-Welt sowie die Nutzung der Drucker des Apple-Netzes von IBM-Rechnern dar.

Bisher hatte NEC als Zwischenlösungen Mac Vines Mail Gateway und Mac LAN-Server für den Dateienaustausch eingesetzt. Dabei bereitete insbesondere das Mail Gateway den Anwendern Sorgen. Die elektronischen Briefbotschaften wurden oftmals erst nach Tagen zugestellt oder verschwanden sogar in einigen Ausnahmefällen. Die Geschäftsleitung, die, vorrangig Macintosh-Systeme einsetzt und nicht auf die Mac-Benützeroberfläche verzichten wollte, hatte deshalb schon erwogen, sich von Vines zu trennen. Aus diesem Grund ging die Netzadministration beim Einsatz von Vines 5.0 gleich aufs Ganze und bezog in die Beta-Testphase die gesamte NEC-Installation ein.

Die Nachrichten eines Vines-Benutzers sind in der Regel auf dem nächstliegenden Server gespeichert, können aber ebenso auf jedem beliebigen Server gesamten Netzwerk verwaltet werden, unabhängig davon, ob die Nachrichten aus der DOS-, OS/2- oder Mac-Umgebung stammen. Der Zugriff erfolgt im Vines-spezifischen Server-Client-Betrieb, das heißt, auf der Arbeitsstation läuft das komplette Mail-Programm. Der Server übernimmt lediglich die Verwaltung der Mailboxen für die einzelnen Benutzer und die Koordination mit den anderen Server-Systemen.

Die Adressen für die E-Mail werden dabei aus der Streettalk-Datenbank ausgewählt und dem Benutzer in alphabetischer Reihenfolge dargestellt. Die Mail-Verarbeitung selbst übernimmt die Arbeitsstation, über das Netz geht nur die reine Nachricht. Dadurch wird die Datenlast erheblich gesenkt, die Leitungen bleiben weitgehend frei für andere Verarbeitungsprozesse. Außerdem lassen sich bis zu zehn Dateien als Attached-Files anhängen.

Mit den verbesserten E-Mail-Funktionen konnte zwar die Problematik bei der Anwendung der elektronischen Post unter Vines 4.1 beseitigt werden, noch fehlt aber ein Gateway zwischen Banyan-Mail und VAX-Mail, für NEC ein wichtiges Connectivity-Kriterium, da in einigen Bereichen der Mutter- und Schwesterfirmen VAX-Rechner als Kommunikationsmittel installiert sind. NEC will deshalb testen, inwieweit ein SNMP-Gateway diese Funktion übernehmen kann.

Die Mailing-Funktion für Macintosh-Systeme hat NEC einen weiteren Kommunikation. weg geöffnet. Das vorhandene Fax-Gateway kann nun auch die Macintosh-Stationen einbeziehen. So kommuniziert die Düsseldorfer Unternehmenszentrale beispielsweise per Fax aus dem Netz mit der Konzernzentrale in Tokio. Stabil läuft jetzt auch der Vines-File-Service in der heterogenen Macintosh-DOS-Umgebung. Zwar gab es mit der ersten Beta-Version noch Probleme, die sogar in einigen Fällen zum Absturz der Clients führte. Diese Schwierigkeit ist mittlerweile jedoch ausgeräumt. Durch das Programm "Vines-File-Storage" bereiten unterdessen auch unterschiedliche Namenskonventionen keine Probleme mehr.

Nicht ganz einfach war bei NEC auch die Realisierung einer Transparenz zwischen den Dateiwelten, da bei Macintosh-Dateien anders als bei DOS-Dateien der Dateientyp nicht aus der Namenserweiterung hervorgeht, sondern vom Mac-Programm File Creator bezeichnet wird. Mit Hilfe des Vines-Dienstes Apple Filing Protocol lassen sich alle Zuordnungen in einer Tabelle darstellen. Jeder Dateiname aus der DOS-Welt erscheint so mit der Kennung der Macintosh-Welt.

Den Dateienzugriff organisiert der Vines-Dienst Streettalk - allerdings mit einer wesentlichen Neuerung: Wurde der Dateienzugriff bei Vines 4.x noch auf Verzeichnisebene geregelt, so ist jetzt eine Verwaltung auf Dateienebene erforderlich. Ähnlich wie in der Unix-Welt wird in der Macintosh-Welt die Datei oder das Verzeichnis durch den Eigentümer, dessen Gruppenzugehörigkeit sowie durch einen globalen Eintrag ausgewiesen. Uni die Konventionen beider Welten zu vereinen, erweiterte man die üblichen Vines-spezifischen Listen um die Einträge "Eigentümer", "Gruppenzugehörigkeit" und "Welt-Eintrag" der Mac-Welt.

Bei der Vergabe von Zugriffsrechten kann der Administrator zwischen der Anzeige der DOS- und der Macintosh-Zugriffsrechte wechseln. Auf diese Weise ist kontrollierbar, wie sich Veränderungen in dem einen Systembereich auf den anderen auswirken. Darüber hinaus ist die Eingabe eines Streettalk-Namens möglich, für den die jeweils aktuellen Zugriffsrechte angezeigt werden. Erfolgt die Vergabe von Zugriffsrechten über das Programm "Macintosh View", kann der Administrator auswählen, ob die Anlage von neuen Verzeichnissen nach Vines- oder Macintosh-Regeln erfolgen soll.

Bei einem gemischten Netzwerk empfiehlt es sich, die Zugriffsrechte Vines-spezifisch zu verteilen, da nach den Macintosh-Regeln der Erzeuger des neuen Verzeichnisses gleichzeitig zu dessen Eigentümer wird. Auf diese Weise könnte der Administrator eines Teilbereiches des Netzes dem globalen Netzwerkadministrator die Zugriffsrechte entziehen.

Neue Features bietet Vines 5.0 auch beim Print Service. Zu jedem Druck-Job können jetzt mehrere Ausgabeziele angegeben werden. Ebenso ist es möglich, mehrere logische Dienste einem physikalischen Drucker zuzuweisen. Die einzelnen Zieldrucker werden über Formate angesteuert. Lediglich der Formatname ist bei der Auswahl des Druckers anzugeben.

Mails auf Postscript-Drucker

Eine weitere Neuerung bei den Druckerdiensten ist die Verwendung von Filterprogrammen. Die Zuordnung der Filter orientiert sich an den Formaten. Diese Filter verändern die vom Client gesandten Druckdaten, bevor sie an den Zieldrucker weitergeleitet werden. Auf diese Weise wandelt der Filter "Postfilt" eine ASCII-Datei so um, daß sie ein Postscript-Drucker verarbeiten kann.

NEC nutzt diesen Vorteil, um Mails auf Postscript-Drucker auszugeben. Als Ausgabeziele sind sowohl DOS- als auch Macintosh-Drucker ansprechbar. Dennoch gibt es Lücken beim Print Service von Vines 5.0. Ausgabeziele, wie parallele und serielle Ausgänge am Server oder entfernte Druck-PCs, sind für Macintosh-Rechner zum Beispiel noch nicht anwählbar.

Neu ist, daß sich der Status einer Druckerschlange verändern läßt, wie auch Druckaufträge auf andere Druckerschlangen umgeleitet werden können. Außerdem sind ü-0 Netzwerk weiter entfernte Drucker ansprechbar, weil man sie mit dein Streettalk Directory Assistant Service direkt zuweisen kann.

Zehn Abstürze im Banyan-Netz

Als positiv erwies sich in der Testphase die Stabilität der Server, Intel-386-Rechner mit 25 Megahertz Taktrate. Eine Ausnahme bildete lediglich der Server Macbeta in Düsseldorf, ein 486-PC im 33-MHz-Takt, der die Verbindung zwischen den IBM-PCs und den den Mac-Stationen im Apple-Netz herstellt. Alle Server sind mit Micom-Interlan-Karten von Telemation ausgerüstet. Während der Testläufe kam es zu zehn nicht rekonstruierbaren Abstürzen im Banyan-Netz. Mehr Probleme gab es zu Beginn des Tests mit der Vielzahl unterschiedlicher Mac-Systeme. Das Netzwerk-Betriebssystem bewerkstelligt dabei die Anbindung der Macintosh-Rechner über eine Auswahldatei, ähnlich einem Treiber in der CONFIG.SYS unter DOS. Das neue Release unterstützt zwar die Systemsoftware-Versionen 6.0.7 und 7.x. Trotzdem waren nicht immer alle Auswahldateien zur den Macintosh-ROMs kompatibel. Mit der sukzessiven Erweiterung der Auswahldateien während der Beta-Phase konnte dieses Problem durch entsprechende Software für fast alle Gerätetypen gelöst werden.

Anbindung über Localtalk, Token Ring oder Ethernet

Prinzipiell unterstützen die Vines-5.0-Server bei der Kommunikation mit den Macintosh-Rechnern die Appletalk-Protokolle der Phasen 1 und 2, wobei NEC, das Protokoll der Phase 2 nutzt. Die Betriebssystem-Software verwaltet dieses Protokoll wie auch alle anderen Netzprotokolle streng nach dem OSI-Schichtenmodell. Die Anbindung der Macintosh-Stationen wird alternativ über Localtalk, Ethernet oder Token Ring bewerkstelligt. Für die Kommunikation via Localtalk kann die Verbindung über entsprechende Karten oder Router erfolgen. Bei NEC setzt man auf die Fastpath-Box von Kinetics oder Shiva. Dort, wo NEC die Kommunikation via Router realisiert, übernimmt der Vines-Server diese Funktion selbst.

Solange die Informationsvermittlung in einer reinen Macintosh-Umgebung stattfindet, werden die Daten mit Hilfe des Protokolls Appletalk übertragen, damit ist kein Routing erforderlich. Ansonsten muß das Tunneling-Verfahren zum Einsatz kommen. Dabei wird das Localtalk-Paket mit einem Vines-IP-Rahmen umgeben, durch das Netz geschickt und in der Macintosh-Umgebung wieder als Localtalk-Paket bereitgestellt. Dieses Verfahren kann auch zur Anwendung kommen, wenn Server mit Vines 4.x implementiert sind. Der Server, der bei NEC den gesamten Router-Verkehr steuert, läuft noch unter der Version 4.1.

Trotzdem will das Tunneling-Verfahren wohlüberlegt sein. Werden nämlich Netzwerkstrecken genutzt, bei denen sich die Kosten auf Basis der Anzahl der versandten Pakete berechnen, kann das Routing schnell nicht mehr exakt berechenbare Gebühren nach sich ziehen. Darüber hinaus nimmt die Anmeldung einer Macintosh-Station im Netzwerk einige Zeit in Anspruch, da die Broadcast-Pakete mit den Anmeldeinformationen auch über langsame Verbindungen geschickt werden können. Ein durch jeden Benutzer definierbarer Default-Server könnte diesen Schwachpunkt beheben. Zu hoffen bleibt, daß Banyan auf dieses Problem bald reagiert.

Saubere Vorgabe von Apple-Netzwerk-Zonen

Wichtig für eine verläßliche Informationsqualität ist eine saubere Vergabe von Apple-Netzwerk-Zonen - eine Forderung, die insbesondere das weltweite NEC-Netz strengstens befolgt. Zumindest sollte jedem Bereich ein fester Nummernkreis zugeordnet sein, der dann intern beliebig nutztbar ist. Weltweit können die Zonen 1 bis 65535 verteilt werden. Wichtig ist, daß jede Zone nur einmal vergeben wird, damit keine Zuordnungsprobleme, sprich Routing-Schwierigkeiten erzeugt werden.

Das bereits mit der Version Vines 4.1 erweiterte Netzwerk- Management hat in der neuen Version einige zusätzliche Analysefunktionen erhalten, um Appletalk-Protokolle und Anbindungen zu kontrollieren. Hinzugekommen sind außerdem Auswertungsfunktionen, um auf statistischem Wege den Fehlerquellen im Netzwerk auf die Spur zu kommen. Von jeder Server-Konsole aus kann das Netzwerk-Management-Programm jetzt gestartet werden. Eine zusätzliche Option - MNET - ist nur dann erforderlich, wenn die Verwaltung von einem Client-Rechner aus erfolgen soll. Ebenfalls neu ist die Remote-Console-Funktion. Ist auf einem Vines-Server eine asynchrone Terminal-Emulation installiert, kann der Administrator sein Netzwerk von jedem PC aus steuern. Wesentliche Unterstützung erhält der Vines-Anwender mittlerweile auch durch eine Anwendergruppe. Informationen sind bei der Banyan Anwender Gruppe Deutschland, Postfach 3424, W-4006 Erkrath, einzuholen.