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01.06.1979

Nestbeschmutzer

Aus der Sicht des DV-Spezialisten "alter Schule", des Assembler-Programmierers, des Betriebssystem-lntimus, des EDV-ORG-Leiters mit GUIDE-Mitgliedsnummer, nimmt sich die zunehmende Kritik von Nichtfachleuten an der vermeintlichen Machtfülle vermeintlicher Computer-Technokraten als unüberlegter Angriff aus, der weit am Ziel vorbeischießt.

Lässigster und zugleich wirksamster Konter der attackierten "Elfenbein-Türmler": Die DV-Kritiker kennten das Ziel ihrer Entmystifizierungs-Aktion nicht.

Mit Ironie-Versuchen wie "dein Computer versteht dich nicht" läßt sich in der Tat kein Codierer mehr derblecken (auf hochdeutsch: Auf den Arm nehmen). Und selbst das gescheite Gerede von der Vertrauenskrise zwischen EDV und Top-Management verfängt bei ausgeschlafenen EDV-Leitern nicht mehr. Derartige Vorwürfe ist man ja gewöhnt, hielt freilich die Zeit der EDV-Leiter-Beschimpfungen für längst passé. Jetzt stichelt Frank-Dieter Peschanel, Geschäftsführer eines Münchner Softwarehauses, in seinem Gastkommentar (CW-Nr. 21 vom 25. Mai 1979: "lngenieure lösen Künstler ab") mit dem Gemeinplatz: "Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß die Methoden des Software-Engineering und des damit verbundenen Projektmanagement das Rennen machen werden."

Doch Peschanel wird schnell konkreter: "lm Augenblick verstellt eine gute Konjunktur den DV-Mitarbeitern den Zwang zu dieser Erkenntnis und hilft in der Selbsttäuschung, daß alles schon etwa so bleiben wird, wie es ist." Die Pointe: "Es bleibt nicht."

Was unterscheidet nun die Peschanelsche Nabelschau von der üblichen Besserwisserei der Software-Theoretiker, die unter der Tarnkappe der Konstruktiv-Kritik daherkommt, in Wahrheit jedoch oft nichts anderes ist als Selbstbeweihräucherung?

Nun: Peschanel ist Insider, der weiß, wovon er spricht. Gleichwohl läuft er Gefahr, als Nestbeschmutzer diffamiert zu werden. Um so mehr ist ihm zu danken, daß er das Generationenproblem im DV-Management so offen anspricht.