Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.06.1997 - 

Thema der Woche

Net PC, Notebooks und Internet dominierten PC Expo

Nicht ganz unrecht hatte Microsofts Steve Ballmer, als er die New Yorker Messe scherzhaft "Net PC Expo" taufte. Nachdem weder eine neue Prozessoren- noch eine neue Betriebssystem-Generation anzukündigen war, mußte die doch recht Marketing-lastige Einführung des Net PC als zentrales Thema herhalten. Spektakuläre Neuheiten jedoch fehlten auf den etwa 800 Messeständen.

Glaubt man Apples Cheftechnologin Ellen Hancock, dann stehen der krisengeschüttelten Firma aus Cupertino endlich wieder bessere Zeiten ins Haus. Vor allem auf das für Juli angekündigte "Mac-OS 8" und das für ein Jahr später avisierte Zwitter-Betriebssystem "Rhapsody", das durch die Integration des Microkernel-basierten ehemaligen Next-OS entstehen soll, setzt Apple große Hoffnungen. Sunsofts C++-verwandte Internet-Programmiersprache Java soll eng in das Mac-Betriebssystem integriert werden und damit den Erhalt der Plattform sichern. Darüber hinaus baut Apple verstärkt auf Push-Technologien und wird den "Castanet-Tuner" von Marimba bereits in das Mac-OS 8 implantieren und auch bei der Konkurrenz von Pointcast mit einem eigenen Kanal aktiv werden.

Zu regelrechten Begeisterungsstürmen ließ sich das Publikum durch zwei während der Rede gezeigte Demos der beiden Betriebssystem-Projekte hinreißen. Mit dem Mac-OS 8 besteht endlich auch der Finder, die Desktop-Shell des Macintosh, aus nativem Power-PC-Code und erhält damit neben deutlichen Geschwindigkeitszuwächsen auch brauchbare Multitasking-Fähigkeiten. Auf dem Desktop ließ sich in der gezeigten Version auch mit zwei aufwendigen Kopiervorgängen im Hintergrund problemlos arbeiten.

Der Macintosh-Teil von Rhap- sody wurde neben Erläuterungen kosmetischer Änderungen anhand einer komplett in Java programmierten "Quickdraw-3D"-Demo mit Drag-and-drop-Interface vorgestellt. Abschließend zauberte ein auf die Bühne gebe- tener Systemprogrammierer in der Rapid-Application-Development-(RAD-)Umgebung des von Next übernommenen "Openstep" (in Rhap- sody: "Yellow Box") eine Anwendung zum Abspielen von "Quick- time"-Movies. Da die Yellow-Box auch unter anderen Betriebssystemen, etwa Windows NT, laufen kann, eignet sie sich laut Hancock besonders für Cross-Platform-Entwicklung.

Plattformübergreifend hat sich auch Apples Multimedia-Software Quicktime als Standard etabliert. Deren neueste Version 3.0 soll im Sommer freigegeben werden und auch im Windows-Bereich durch Integration neuer Datentypen wie Virtual Reality (VR) zusätzliche Marktanteile erschließen. Hancocks Fazit: Mit der Unterstützung offener Standards, integrierter Netzwerk- und Internet-Fähigkeit sowie hochentwickelter Systemsoftware gebührt Macintosh-Rechnern auch künftig ein Platz in Unternehmensnetzen.

Macintosh-Produkte gab es auf der PC Expo in einer Sonderausstellung zu sehen. Neben Apple selbst zeigten dort vor allem Firmen aus den Bereichen Internet- und Publishing-Software ihre Produkte. Auch die gerade ausgelagerte Newton-Division präsentierte sich mit dem neuen "Mes- sagepad 2000". Die Sonderschau stieß auf erhebliches Publikumsinteresse, hat doch der Macintosh in den USA seit jeher mit gut zehn Prozent einen deutlich höheren Marktanteil als in Europa (Ausnahme: Frankreich).

Steve Ballmer, als Executive Vice-President Sales und Marketing hinter Bill Gates zweiter Mann bei Microsoft, sprach vornehmlich über "Windows everywhere". Die Windows-Produktpalette decke vom Handheld-Rechner (CE) bis zum Hochleistungs-Server (NT) praktisch alle Anforderungen ab.

Der Versuch, dies anschließend auch zu demonstrieren, ging allerdings gleich zu Anfang gründlich daneben: Windows-Produkt-Manager John Roberts versuchte, auf einem in Großaufnahme auf die Saalrückwand projizierten CE-Rechner eine Internet-basierte Home-Banking-Lösung zu starten, die Microsoft gemeinsam mit einem kanadischen Bankhaus entwickelt hat. Dabei stürzte der Handheld-PC unrettbar ab. Bei seinen weiteren Demos war Roberts dann allerdings mehr Glück beschieden.

Microsoft wollte nicht hinter Apple zurückstehen und erlaubte dem Publikum einen ersten Blick auf die Version 5.0 von Windows NT. Unter anderem wurden die Möglichkeiten zentraler Softwaredistribution und des maschinenunabhängigen Anwenderzugangs (Roaming) demonstriert. Anschließend gab es noch eine Vorführung neuester Citrix-"Winframe"-Technik. Dabei liefen Windows-95-Applikationen auf einem mit 2 MB Arbeitsspeicher bestückten 386SX-Rechner. Die Software soll es Unternehmen damit ermöglichen, auch auf älteren Rechnern noch moderne Anwendungen ablaufen zu lassen ("Windows on Win- dows").

Ballmer will die von Citrix und Prologue zugekaufte Technik aber auch dazu nutzen, um künftig Windows-Terminals, Macintosh- und Unix-Maschinen mit auf einem NT Server ablaufenden Windows-Programmen zu versorgen. Zu diesem Zweck muß die Software um einige zusätzliche Winframe-Server-Funktionen aufgestockt werden (Codename "Hydra").

Nebenbei gab es noch einige Spitzen in Richtung Network Computer. Wieder einmal mußte das bereits von Bill Gates mehrfach gebrauchte Wortspiel vom "NC = Not Compatible" herhalten. Ballmer sagte, daß der NC mit Java und einem Browser wohl kaum als Thin Client durchgehen könne - schließlich gehörten gerade Browser zu den größten und komplexesten Anwendungen, die derzeit erhältlich seien. Microsoft setzt mit seiner "Zero Administration Initiative" dagegen auf einen zentral verwaltbaren PC. Damit Anwender von Net PCs und vergleichbarer Hardware die Wartezeit auf NT 5.0 sinnvoll überbrücken können, sollen in den kommenden Wochen erste "Zero Administration Kits" für Windows NT und 95 kostenlos erhältlich sein.

Kim Polese, als Chefin von Marimba Inc. eine der wenigen weiblichen CEOs der IT-Welt, wies zunächst auf die generelle Bedeutung des Internet für alle Unternehmen hin: "Egal ob Sie Bankmanager, Buchhändler oder PC-Hersteller sind, Ihre Zukunft liegt im Internet. Nur darüber können Sie eine große Bandbreite von Dienstleistungen anbieten." Die frühere Java-Entwicklerin positionierte den komplett in Java geschriebenen Push-Client ihrer Firma danach vor allem als ideales Medium für die Verbreitung von Software-Updates.

Der große Vorteil der Marimba-Software liege darin, daß sich neben Textinformationen auch Programmcode übertragen lasse. Dabei brauchten bei einem inkrementellen Update nur die tatsächlich geänderten Teile übertragen zu werden. Marimba steht derzeit kurz vor der Veröffentlichung der Version 1.1 seiner Software und wird für deren Distribution genau diesen Weg gehen. Anwender können einen Marimba-Kanal auswählen und bekommen dann die neue Version, die an Suns aktuelles Java Development Kit (JDK) 1.1 angepaßt wurde, automatisch auf ihrem System installiert.

Dell verdient im Internet

Michael Dell, der junge CEO des gleichnamigen Direktanbieters im PC- und PC-Server-Markt, betonte neben seiner üblichen Glorifizierung des direkten Vertriebsmodells vor allem die große Bedeutung des Internet als zusätzlichen Absatzkanal seiner Firma. Er bezeichnete den Computer als "unternehmenskritische Schnittstelle zum Kunden". 500 Millionen Dollar Umsatz generiere seine Firma derzeit allein über den Internet-Verkauf, im Schnitt 1,5 Millionen Dollar täglich. Auch eine Order über einen 50000 Mark teuren Server sei inzwischen keine Seltenheit mehr.

Die im Anschluß an den Industry Launch des Net PC auf der Messe von zahlreichen Herstellern gezeigten Geräte sollen gemeinsam mit Microsofts Zero Administration Initiative in Unternehmen das Bewußtsein für die Total Cost of Ownership (TCO) stärken. Jesse Treger, Strategic Marketing Manager von Intel, brachte dies in einem Gespräch mit der COMPUTERWOCHE auf den Punkt: "In vielen Unternehmen wird der Net PC nicht so sehr die bisherigen Rechner verdrängen, sondern als Katalysator für eine Idee dienen."

Ohnehin sieht Intel den Net PC nur als ersten Schritt in Richtung eines generell zentral handhabbaren Rechners. Net PCs sollen nicht grundsätzlich den flexiblen PC ersetzen, sondern machen nur an bestimmten, vor allem anwendungsgebundenen Arbeitsplätzen Sinn. Treger dazu: "Es wird weiterhin Anwender geben, die vor allem Ideen und Inhalte entwickeln und dazu ihre Rechner und Applikationen personalisieren müssen. Diese ,Knowledge Worker' werden auch künftig einen vielseitigen Rechner brauchen."

Echte Neuheiten waren in New York in diesem Jahr rar oder kamen eher unauffällig daher.

Die Lotus-Mutter IBM will die nächste Server-Version ihres Betriebssystems OS/2 (Codename "Bluebird") bereits im dritten Quartal 1997 statt wie bisher angekündigt Ende 1998 ins Rennen schicken. Die darin als integraler Bestandteil enthaltene Java-Ver- sion 1.1 soll bereits in dieser Woche in den Betatest gehen, so Big Blue.

Bei der Hardware standen vor allem tragbare Rechner im Mittelpunkt des Interesses. Praktisch jeder Notebook-Hersteller hat seine Produktpalette - zumindest im oberen Bereich - auf Intels Multimedia-beschleunigte MMX-Prozessoren umgestellt und präsentierte die entsprechenden Systeme. DVD-Laufwerke hielten auch bei den Portables ihren Einzug. Der taiwanische Hersteller Twinhead (OEM für Hewlett-Packard) zeigte einen Prototypen mit 14,2 Zoll großem Display und DVD-Laufwerk, der ab Oktober erhältlich sein soll. Sony demonstrierte erstmals Notebooks, die vor allem für den Business-Bereich positioniert werden und mit 14,5-speed-CD-ROM-Laufwerken und internen Modems zwischen 3500 und 5000 Dollar kosten. Die Sony-Geräte werden in Europa allerdings vorerst nicht zu haben sein.

Toshiba und Hitachi stellten ihre je rund 2000 Dollar teuren Ultra-Portables "Libretto" und "Amity CN2" vor, die mit Pen- tium-Prozessoren (75 beziehungsweise 133 Megahertz Taktfrequenz) und vollwertigem Windows-95-Betriebssystem echte Notebooks mit kleinerem Formfaktor darstellen.

Viel Zulauf fanden auch die zahlreichen Handheld-PCs. Es gab kaum einen Messebesucher, der nicht seine Termine und Adressen mit einem Palmtop verwaltet hätte. Compaq stellte seinen Windows-CE-Rechner "PC Companion" vor, ähnliche Geräte waren auch bei Philips, Hewlett-Packard, Casio sowie LG Electronics und anderen zu sehen. Ebenfalls dicht umlagert waren die Stände von U.S. Robotics (Palm Pilot), wo auch verschiedene Third Parties ihre Software - darunter das erste Faxprogramm "Handfax" von Smartcodesoft - für den Westentaschen-Organizer präsentierten, und Psion. Der britische Hersteller hatte erst wenige Tage zuvor seine neueste Schöpfung "Serie 5" mit 32-Bit-Betriebssystem in England vorgestellt.

Alpha-Allianz gegen Intel

Gegen die Übermacht von Intel versuchte eine "Alpha"-Allianz zu bestehen. Deren Mitglieder Digital, Mitsubishi und Samsung bemühten sich auf einem Gemeinschaftsstand, Kunden durch kostenlose T-Shirts anzulocken und anschließend davon zu über- zeugen, daß leistungshungrige NT-Anwendungen auf mit bis zu 600 Megahertz getakteten Alpha-Chips deutlich schneller laufen als auf der "Intel Architecture" (IA).

Bei den Modemherstellern konkurrieren die verschiedenen 56-Kbit/s-Technologien um die Marktherrschaft. Die größte bereits installierte Basis kann U.S. Robotics "x2" für sich reklamieren, das bereits von zahlreichen Online-Diensten und Internet-Providern unterstützt wird. Motorola zeigte gar ein reines Softwaremodem, das beim Herunterladen von Dateien die bis vor kurzem noch für unüberwindbar gehaltene Geschwindigkeitsgrenze von 56 Kbit/s durchbricht.

Corel, die Achte

Corel präsentierte die neue Version 8 seiner "Wordperfect Suite", die mit ihren unzähligen Funktionen und weitreichender Internet-Integra- tion gegenüber Microsofts Flaggschiff "Office"verlorenen Boden gutmachen soll. Corel verzichtet künftig in dem rund 400 Dollar teuren Paket auf den Organizer "Sidekick" und die "Dashboard"-Task-Leiste. Dafür sind der in Java geschriebene WYSIWYG-Web-Editor "Barista", Unterstützung für Intels MMX-Prozessoren und der Online-Assistent "Perfect Help" dazugekommen. Die Wordperfect-Suite läuft nur unter Windows, eine Macintosh-Variante ist nicht geplant. Statt dessen setzt Corel auf eine vollständig in Java geschriebene Version. Diese soll jedoch erst mit dem Erscheinen von Suns nächstem Java Development Kit (JDK) im Oktober veröffentlicht werden (siehe Seite 22).