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28.03.1997 - 

Fokus auf unternehmensweite Lösungen

Netdynamics bringt Datenbanken ins WWW

Das Produkt besteht aus zwei Hauptkomponenten: einer Entwicklungsumgebung, dem "Netdynamics Studio" und einem Applikationsserver namens "Netdynamics System Manager".

Bei der Programmierumgebung handelt es sich um ein Rapid-Application-Development-(RAD-)Tool für Java. Es generiert automatisch den Quellcode für die Anwendungsteile, die der Entwickler mittels visueller Verfahren erstellt. Außerdem kümmert es sich um die Erzeugung der benötigten HTML-Vorlagen für Abfrage und Ergebnisausgabe.

Zum Lieferumfang gehören 200 Java-Klassen, die zusammen 2500 Methoden beinhalten. Die Java-Programme werden nach dem Kompilieren an den System Manager übergeben, der sie dann auf der Server-Seite ausführt. Anwender können mithin auch ältere Browser verwenden, die nicht Java-befähigt sind.

Das Developer Studio verkürzt durch den Einsatz einer "Wizard"-Technik die Zeit, die üblicherweise nötig ist, um eine Datenbank ins WWW zu bringen. Dieser Vorgang beginnt damit, daß der Netdynamics-Anwender definiert, welche Datenbank benutzt werden soll. Zum jetzigen Zeitpunkt unterstützt das Programm durch die mitgelieferten Treiber direkte Zugriffe auf Oracle, Informix und Sybase. Andere Datenbanken wie Access oder Foxpro lassen sich über Open Database Connectivity (ODBC) einbinden. Das Zusatzmodul "Web-Extend" ermöglicht sogar, bestehende SAP-R/3- oder Peoplesoft-Anwendungen Web-tauglich zu machen.

Der Entwickler kann festlegen, in welcher Weise auf die Datenbank zugegriffen werden darf. Benutzerkonten mit Paßwörtern einzurichten ist dabei ebenso unkompliziert wie Anwendern indivduell Rechte zu erteilen. So können beispielswei- se Zugriffe aus dem Internet auf Lesen beschränkt werden, während hausinterne Nutzer auch Einfügeoperationen vornehmen dürfen.

Im nächsten Schritt wählt der Entwickler Tabellen oder einzelne Attribute aus, über die seine Kunden mit der Suchmaske recherchieren dürfen.

Die direkte Eingabe von SQL-Statements ist nicht vorgesehen, alle Abfragen müssen über den visuellen Query-Builder erfolgen. Dieser bietet eine Funktion namens "Autojoin", die anhand der Schlüsselfelder von Tabellen notwendige Joins meist von selbst erkennt. Alternativ lassen sich Joins explizit mittels visueller Verfahren definieren.

Am Ende kann der Entwickler die HTML-Vorlagen - Suchmasken, Ergebnisseiten und Detaillisten, wie sie später im Netz zu sehen sind - entweder per Drag and drop verändern oder selbst über einen frei wählbaren Editor bearbeiten. Netdynamics erlaubt zudem das Einfügen von Scripts und Active-X-Controls, auch die Erstellung von Frames ist vorgesehen. Beim Gestalten der Oberfläche stehen dem Anwender vielfältige Möglichkeiten offen:

Der Programmiereditor ist spartanisch geraten

Der Applikations-Server kommuniziert sowohl mit Java-Applets, die Anfrageergebnisse grafisch darstellen, als auch mit einer VRML-Schnittstelle. Wenn zu guter Letzt alle Java-Programme erfolgreich kompiliert sind, kann aus der Entwicklungsumgebung sofort auf die Datenbank zugegriffen werden.

Selbst bei relativ komplexen Anwendungen kann der Entwickler alle diese Arbeitsschritte absolvieren, ohne Hand an Java oder HTML anzulegen. Doch falls tatsächlich mal nachgebessert werden muß, läßt der eingebaute Editor einige Wünsche offen: Außer der obligatorischen Suche-und-Ersetze-Funktion fehlt praktisch alles, was zum effektiven Bearbeiten von Quellcodes gehört. Leider konnten wir keine Möglichkeit entdecken, wie sich alternative Programmiereditoren in die Entwicklungsumgebung einbinden lassen.

Der Applikations-Server verwaltet DB-Verbindungen

Die Architektur von Anwendungen, die mit Netdynamics erstellt werden, entspricht den im Web gängigen Standards. Abfragen, die aus dem Intra- oder Internet an eine Datenbank kommen, reicht der Web-Server normalerweise über das Common Gateway Interface (CGI) an ein Hilfsprogramm namens "ndCGI" weiter, das die Installationsroutine im entsprechenden Verzeichnis abgelegt haben sollte. Im Rahmen des eingesetzten hybriden CGI-Modells wird für jeden Benutzer nur dieses kleine Modul gestartet, das sich auf die Kommunikation zwischen Web- und Applikations-Server beschränkt. Letzterer läuft permanent als Server-Prozeß und leistet die Hauptarbeit, weil er die gesamte Anwendungslogik enthält und außerdem alle Verbindungen zur Datenquelle verwaltet. Um im zustandslosen WWW die Verbindung zu einer Datenbank aufrechtzuerhalten, merkt sich der Applikations-Server, welche Benutzer gerade angemeldet sind, und hält die Verbindung so lange, bis man sich abmeldet oder ein Zeitlimit überschreitet. Diese Technik erspart das aufwendige An- und Abmelden bei jeder Anfrage und macht den Zugriff auf stark frequentierte Datenbanken überhaupt erst möglich. Anwender von Netscapes oder Microsofts Web-Server können Leistungsverbesserungen durch die Verwendung der Schnittstellen NSAPI beziehungsweise ISAPI anstelle von CGI erzielen. Beide werden von Netdynamics unterstützt.

Zur Ausgabe des Abfrageergebnisse nutzt der Applikations-Server jene HTML-Vorlagen, die die Entwickler zuvor mit Hilfe des Studios erstellt haben. Für die Version 4.0 plant der Hersteller laut Entwicklungschef Bill Codding den Einsatz von Java auch auf dem Client. Java-Applets sollen dann in der Lage sein, ohne Umweg über WWW-Server und CGI direkt mit dem Applika- tions-Server zu kommunizieren.

In puncto Portabilität wählten die Ingenieure von Netdynamics eine Kompromißlösung. Den Applikations-Server gibt es aus Performance-Gründen in plattformspezifischer Ausführung für eine Reihe von Server-Systemen. Dazu zählen derzeit Windows 95 und NT, Solaris, HP-UX sowie Irix von Silicon Graphics. Im Laufe des Jahres soll dann noch eine Version für IBMs Unix-Derivat AIX hinzukommen. Die Anwendungsentwicklung selbst erfolgt ausschließlich in Java. Dies gewährleistet, daß Anwender ihre Programme ohne Änderungen auf allen unterstützten Server-Systemen einsetzen können. Bei der Programmierung müssen sie sich allerdings auf 32-Bit-Windows beschränken, da die Entwicklungsumgebung in der Version 3.0 nur diese Microsoft-Produkte unterstützt.

Auf eine umfassende Dokumentation wurde leider zugunsten einer dünnen Online-Hilfe verzichtet, die nur zu grundlegenden Fragen Antwort geben kann. Dies wiegt aber angesichts der einfachen Handhabung und des relativ geringen Aufwands, mit dem sich Datenbanken mit wenigen Schritten ins WWW bringen lassen, nicht so schwer.

Im Internet kann eine Referenzinstallation von Netdynamics in Form des virtuellen Kaufhauses von Service Merchandise http://www.servicemerchandise.com besichtigt werden. Informationen zur Software gibt es auf der Homepage von Netdynamics http://www.netdynamics.com , wo auch eine 30-Tage-Testversion heruntergeladen werden kann.

Der europäische Vertrieb liegt bei der in Großbritannien ansässigen Netdynamics Europe Ltd. Außerdem verkauft Netscape das Entwicklungswerkzeug über die eigenen Vertriebskanäle. Das Netdynamics Studio kostet in der Einzelplatzversion 1295 Dollar, der Applikations-Server ab 5000 Dollar.

*Thomas Nitsche arbeitet als freier Autor in München.