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02.09.1994

Netiquette und Kommerz im Reich des World Wibe Web

25 Jahre Internet: Nabelschau und Zukunftsvisionen

Wenn die Arpanet-Veteranen in der kommenden Woche in Boston den 25. Geburtstag der "Mutter aller Netze", des "Internet" feiern, gilt es einem Phaenomen zu huldigen, das nach juengsten Schaetzungen weltweit rund 20 Millionen Menschen in seinen Bann zieht. Einst Spielwiese akademischer DV-Freaks, hat sich das Internet zu einer Art "Global Village" entwickelt, in dem Verkehrsregeln und Gebuehren-Ratings noch die Ausnahme sind - und es ist ebenso muessig zu ermitteln, ob sich die Popularitaet des weltweiten Rechnerverbundes am weiter steigenden Absatz von Accounts oder an der Zahl von Veroeffentlichungen in der Fach- und Wirtschaftspresse messen laesst. Kommerzialisierung heisst das Gebot der Stunde, und erneut blickt die Internet-Gemeinde dorthin, wo alles begann: nach Amerika. Waehrend hierzulande oft noch vom chaotischen Bastlernetz die Rede ist, werden dem Internet jenseits des grossen Teiches bereits die hoeheren Weihen eines Information-Highways verliehen.

Die Deutschen sind gerade dabei, "allmaehlich aufzuwachen", gibt Hubert Martens, Chef des Muenchner Systemhauses Multinet und Vorsitzender der Deutschen Interessen-Gemeinschaft Internet e.V.

(DIGI), unumwunden zu, wenn es darum geht, zu erklaeren, warum sich die europaeischen und insbesondere die deutschen Anwender in Sachen Internet wieder einmal durch besondere Zurueckhaltung neuen Entwicklungen gegenueber auszeichnen. Er hat auch gar keine andere Wahl, denn die Zahlen scheinen eine eindeutige Sprache zu sprechen: Der, wenn man so will, deutsche Internet-Marktanteil liegt bei weniger als einem Prozent; lediglich rund 100 000 User haben, so einschlaegige Schaetzungen, in Deutschland Zugang zu einem Internet-Account. Nicht viel anders sieht es bei den an das Internet angeschlossenen Hosts aus. Gut zwei Millionen Grossrechnern in den USA stehen nach juengsten Erhebungen der Internet-Society ganze 150 000 in der Bundesrepublik gegenueber.

Drohender Verlust der akademischen Unschuld

Unabhaengig davon boomt das urspruenglich als Forum fuer den wissenschaftlichen Nachrichtenaustausch konzipierte Geflecht aus E-Mail-Adressen (momentan sollen weltweit mehr als 45 000 Netzwerke angebunden sein) wie nie zuvor - zumindest in den USA, und vom einstigen Internet-Mutterland geht auch der neueste Trend aus: Firmen entdecken das Internet fuer kommerzielle Zwecke. Seine akademische Unschuld verlor es jedenfalls nach dem Geschmack vieler Zeitgenossen, als sich Anfang des Jahres im Silicon Valley eine Allianz aus DV- und Beratungsunternehmen dem Konzept eines "Commercenet" verschrieb. Was Apple, Hewlett-Packard, Intel und Co. hier als Prototyp eines "elektronischen Marktplatzes" institutionalisierten, war im Prinzip jedoch nichts anderes als die schon gaengige Praxis im Internet - sprich: das Bereitstellen von Produktinformationen, Software-Updates und die Moeglichkeit der Kunden-Hersteller-Kommunika-tion auf Online-Basis.

Dass diese Entwicklung nicht quasi ueber Nacht ueber die bis dato weltweit groesste elektronische Datenbank, in der es alle Informationen (noch) gratis gibt, hereingebrochen ist, macht das Beispiel Digital deutlich. Der krisengeschuettelte DV-Riese - ebenfalls Mitglied des Commercenet-Konsortiums - bezeichnet sich selbst mit mehr als 30 000 ans Internet angeschlossenen Rechnern als einen der aktivsten Teilnehmer des Netzverbunds und registriert pro Monat 1,7 Millionen E-Mail-Nachrichten von und zu seiner Kundschaft, die sich nebenbei noch auf den Verteiler diverser elektronischer DEC-Magazine setzen oder via Internet einen "Alpha-AXP" testen kann. Marktfuehrer IBM steht dem mit rund 600000 "elektronischen Briefen" kaum nach, und die "Masken" weiterer prominenter Namen der Branche wie Hewlett-Packard, Microsoft, Novell und Sun sind im World Wibe Web (WWW) laengst eine Selbstverstaendlichkeit.

Stichwort World Wibe Web: Fuer viele Insider waren es nicht so sehr die Aktivitaeten der Hersteller, sondern die Etablierung dieses relativ neuen Informationssystems, einer Art Reisefuehrer durch das "Netz der Netze", das der Internet-Nutzung zum Durchbruch in ungeahnter Groessenordung verholfen hat. In Kombination mit der vom National Center for Supercomputer Applications (NCSA) an der Universitaet von Illinois entwickelten Browser-Software "Mosaic" lassen sich dabei neuerdings Internet-Informationen, die auf weltweit mehr als 2000 via Hypertext miteinander verbundenen WWW- Server konzentriert und katalogisiert sind, sowohl von einem PC als auch einem Macintosh-Rechner oder einer Unix-Workstation aus mittels Point-and-Click-Technik und grafischer Oberflaeche abrufen.

"Mosaic war die klassische Killer-Applikation", bringt Donatus Schmid, Leiter Produkt-Marketing bei der deutschen Sun Microsystems GmbH, die Ursache fuer den Run auf das Internet auf den Punkt. Die anwenderfreundliche Oberflaeche der "Coming-in"- Software ermoegliche es selbst PC-Einsteigern, sich "in einem Web- Server zu orientieren". Was dem Laien recht ist, ist dem Profi offensichtlich billig; jedenfalls nutzen Schmid zufolge bereits 80 Prozent der deutschen Kunden des kalifornischen Workstation- Spezialisten das Internet, um sich technische Dokumentationen und Patches abzuholen - aber auch, um Bestellungen aufzugeben.

Wie ueberhaupt, was das Internet angeht, es mit dem Dornroeschenschlaf der Deutschen so eine Sache ist. Fuer Bernd Hennig, Support-Mann und Inhouse-Netzadministrator bei dem kuerzlich vom Datenbankanbieter Informix uebernommenen System- Integrator Garmhausen & Partner, gehoert der Austausch von E-Mail- Nachrichten via Internet jedenfalls zu den "Selbstverstaendlichkeiten der Buerokommunikation". Die Bonner SCO- Unix-Spezialisten blicken, so Hennig, auf eine "historisch gewachsene Verbindung zum Internet zurueck". Fast alle Vertriebsleute von Garmhausen & Partner nutzen danach den Netzverbund, um mit den entsprechenden Herstellern, aber auch Anwendern zu kommunizieren. Hennig erklaert, warum: "Wenn ich die Meldung eines Kunden bekomme, der Schwierigkeiten mit SCO hat, und mein Gehirnschmalz fuer die Problemloesung nicht ausreicht, kommen unsere Experten in Grossbritannien ins Spiel. Erreicht mich die Meldung per Telefon oder Fax, muss ich mich hinsetzen und alles ins Englische uebersetzen sowie Beispieldateien und Fehlermeldungen abtippen. Schickt mir der Kunde eine E-Mail, schreibe ich meinen Senf dazu und schicke es weiter."

Zeitersparnis ist auch mit das Motiv einer Reihe von Internet- Aktivitaeten bei Digital Deutschland. Dort ist man nach Angaben von Henning Kather, Projektleiter fuer den Aufbau eines deutschen Web- Servers, gerade dabei, beim Dortmunder Service-Provider Eunet fuer die Klientel zwischen Rhein und Oder einen deutschen DEC-Knoten einzurichten. Ziel sei es, so Kather, den Anwendern vor allem Kommunikationskosten sparen zu helfen, damit diese nicht immer "ueber Palo Alto oder Boston gehen muessen". In der kalifornischen High-Tech-Metropole pflegt Digital den - im Internet-Jargon "Gatekeeper" genannten - weltweit groessten FTP-Server, auf dem fuer DEC-Anwender von Patches ueber Shareware und Freeware bis hin zu Produktinfos alles online verfuegbar ist. Fuer Deutschland galt dies aber, wie der DEC-Internet-Verantwortliche die Zusammenarbeit mit den Dortmundern erklaert, nur in eingeschraenktem Masse, weil "wir hier zum Teil spezifische Produkte haben, deren Daten wir aus bestimmten Gruenden nicht ueber die amerikanischen Gateways laufen lassen wollen".

Internet-Boom auch in Deutschland

Auch in deutschen Landen sind also, allen Statistiken zum Trotz, so etwas wie die zarten Anfaenge eines sich ankuendigenden Internet- Booms spuerbar. Zumindest sind die Zeiten vorbei, in denen der in Berlin ansaessige Deutsche Verein zur Foerderung eines Forschungsnetzes (DFN) alleiniger Anbieter von Internet-Accounts war. Von einer groesseren Oeffentlichkeit kaum bemerkt, hat sich auch hier so etwas wie ein Markt fuer professionelle Service-Provider entwickelt - ganz nach dem Vorbild des Internet-Musterlandes USA. Anbieter wie Eunet unterscheiden dabei in ihrem Tariftableau zwischen Privat- und Firmenkunden, was auch die neue Zweiteilung der Internet-Gemeinde in eine Mail- und IP-Fraktion widerspiegelt - oder anders formuliert: den Einzug der DOS-Welt in die Unix- Domaene des Internet, mit entsprechenden Problemen in puncto Sicherheit. Rund 1000 Kunden haben die Dortmunder inoffiziellen Angaben zufolge schon fuer das Abenteuer Internet gewinnen koennen, darunter solch prominente Namen wie SAP und Novell, wobei die Walldoerfer die Betriebsdatensoftware bei einem Teil ihrer Kunden via X.25-Leitungen mit direktem Internet-Anschluss aktualisieren, und der LAN-Primus deutschen Anwendern Zutritt zum Allerheiligsten gewaehrt, dem Novell-Host in Provo.

Ungeklaert sind indes, trotz aller Euphorie, nach wie vor zwei Problemfelder, die das Surfen im Internet so manchem Interessenten als unkalkulierbares Risiko erscheinen lassen: mangelnder Datenschutz und exorbitant hohe Kommunikationskosten. "Solange etwas ueber oeffentliche Leitungen geht, ist der Datenschutz immer ein Problem", lautet hierzu die lapidare Auskunft von Internet- Spezialist Hennig, der zudem keinen Hehl daraus macht, dass er alles andere als froh darueber ist, dass das Internet mit Techniken wie WWW und Mosaic vor den DOS-PC-Freaks mehr oder weniger kapituliert hat. "E-Mail ist nur ein Teil des Internet, IP ist genauso wichtig", lautet sein Plaedoyer fuer Unix im Internet. Natuerlich betreue er auch Kunden, die "mit Windows NT ans Internet gehen wollen". Diese wuerden jedoch kommunikationsseitig besser fahren, wenn sie "mindestens eine Unix-Maschine als Gateway zum Internet installierten". Im uebrigen sei, so Hennig, in puncto Sicherheit mit einer geeigneten "Firewall"-Loesung "alles Menschenmoegliche getan".

Diese von US-Firmen wie Digital, Harris Corp. und Trusted Information Systems seit kurzem angebotene Safety-Guard-Software gibt Systemverwaltern die Moeglichkeit zu bestimmen, welche Daten und Informationen das jeweilige Internet-Gateway passieren duerfen. Zugleich laesst sich aber auch der interne Nutzungsgrad von Internet-Accounts regeln - oder, wie Hennig es skizziert, festlegen: "Rechner A und Rechner B duerfen FTP-Verkehr nach aussen tragen, Rechner C nicht, weil dort zuviel auf Servern in den USA herumgeturnt wurde".

Krypto-Key als neuer Internet-Wachdienst

Mit Massnahmen oder, besser ausgedrueckt, Hilfsmitteln dieser Art ist aber die Brisanz des Sicherheitsaspekts im Internet mitnichten geringer geworden. Das sieht auch Sun-Experte Schmid so, der in bezug auf die zunehmend einfachere Anbindung von DOS-PCs an Unix- Server ebenfalls den alten Unix-Zeiten im Internet nachtrauert. Und selbst damals lag - hier erinnert Schmid an einige in der Presse gross aufgemachte Hacker-Stories - vieles im argen: "Telnet und FTP sind Public-Domain-Software, die jeder Unix-Freak beherrscht."

Digitals WWW-Fan Kather jedenfalls hat in seinem Verantwortungsbereich zusaetzliche Sicherheitsmechanismen installiert und schwoert neben der DEC-eigenen Firewall-Software "SEAL" (Screen External Access Link) auf einen sogenannten Krypto- Key, eine Art Taschenrechner mit einem bestimmten Algorithmus, der wiederum die Schoepfung eines individuellen Telnet-Passwortes ermoeglicht. Jeder DEC-Mitarbeiter koenne, so Kather, diesen Krypto- Key schriftlich beantragen und muesse im Falle eines Missbrauchs "dafuer auch geradestehen". Wie viele DEC-Leute im Internet surfen, weiss Kather im uebrigen nicht: "Theoretisch jeder", lautet seine ausweichende Auskunft, zumindest habe sich das eigene Controlling noch nicht ueber einen Anstieg der Kommunikationskosten beschwert.

Die Kostenlawine, die da in so manchem Unternehmen, das seinen Mitarbeitern die Internet-Nutzung gestattet, losgetreten werden koennte, ruft auch Internet-Guru Martens auf den Plan:

"Die Anbieterstrukturen sind fuer eine kommerzielle Nutzung des Internet noch nicht geeignet", macht sich der DIGI-Vorsitzende, in dessen Organisation auch die bundesdeutschen Internet-Service- Provider vertreten sind, durch Nestbeschmutzung unbeliebt. Die kommerziellen Anbieter muessten sich allmaehlich an dem orientieren, was kommerzielle User wollen - naemlich Vertraulichkeit und freien Zugang zu den internationalen Informationspools. Zudem ticke in jedem Unternehmen, das ueber einen Internet-Anschluss verfuege, eine "zumindest theoretische Zeitbombe".

Was der Muenchner Internet-Spezialist damit meint, wird erst auf den zweiten Blick deutlich - naemlich die technische Grauzone zwischen Sender und Empfaenger im Internet oder, wie er es ausdrueckt, die Struktur der IP-Pakete, "denen man es nicht ansieht, wer sie verursacht hat". Fuer Martens jedenfalls Grund genug, den GAU fuer den Internet-Anwender mit einem Horrorgemaelde an die Wand zu malen: "Wer genuegend eigenes Kapital hat und es will, der kann ein Unternehmen, das ueber sein Gateway zum Internet keine Kontrolle hat oder diese nicht ausuebt, von aussen ruinieren." Internes Pendant zu diesem, wohlgemerkt konstruierten Beispiel, sei der Mitarbeiter, der "sich taeglich die Wetterkarte von einem US-Server laedt". Das Ergebnis waere aber in beiden Faellen das gleiche. Daher warnt Martens alle Internet-Enthusiasten: "Der Zugang zum WWW-Index ist lokal oder bedeutet maximal ein auf Deutschland bezogenes Ferngespraech. Wenn man ihn jedoch anklickt, muss man wissen, was man unter Umstaenden ausloest."

Apropos Ferngespraeche oder Deutsche Telekom: Es gibt nicht wenige Kritiker, die dem Fernmelderiesen auch in Sachen Internet wieder am Zeug flicken - frei nach dem Motto, die Bonner verschlafen die Zukunft des Online-Markts und ruhen sich auf ihrem Datex-J-Dienst aus, der der geballten visionaeren Kraft von Oberpostdirektoren entspreche. Eric Danke, Fachbereichsleiter Informationsdienste bei der Generaldirektion Telekom und Vater des Btx-Diensts, sieht dies naturgemaess anders und vor allem noch keinen Massenmarkt fuer Internet-Accounts. Das Internet sei bisher, so Dankes Versuch, die Euphorie zu daempfen, vor allem in den USA von Studenten genutzt worden, "die nun in die Unternehmen ziehen und es weiter nutzen wollen".

Trotzdem koenne in Deutschland, wer wolle, voraussichtlich schon im naechsten Jahr auch von der Telekom einen Internet-Anschluss bekommen. Dabei duerfte auf die Telekom-Klientel, wie der Bonner Online-Spezialist klarmacht, eine Paketloesung zukommen. Danke woertlich: "Ich gehe davon aus, dass wir auf die Datex-J-Kennung aufsetzen werden." Vorteil fuer den Anwender: Aufgrund der freien Datenformate seien keine zusaetzlichen Accounts notwendig, man werde das Internet daher

"zu ganz ordentlichen Preisen anbieten koennen".

Wahrscheinlich wird in Zukunft sowieso sehr viel von Preisen, Angebot und Nachfrage die Rede sein. "Die Zeit der Gratisnutzung des Internet wird mit steigender Kommerzialisierung zu Ende gehen", gibt Danke zu bedenken, weil kein Mensch und keine Institution diesen massiven Datenverkehr noch so nebenbei finanzieren koenne. Aehnlich sieht es auch DIGI-Vorsitzender Martens, fuer den die Zeit des "freundlichen akademischen Datenaustauschs vorbei ist". In absehbarer Zeit werde man wohl nicht nur fuer Zugang und Leitungskosten, sondern auch fuer Informationen bezahlen muessen. Dennoch will Martens, wie wohl viele Internet-Anhaenger weltweit, an der einstigen Grundidee und den sogenannten Netiquetten, den gaengigen Verhaltensmustern im "Global Village" festhalten: "Das Internet sollte sich seinen Stil der Kommunikation bewahren, seine Diskussionsforen und die Akzeptanz, stets neue Leute aufzunehmen." Kommerzialisierung bedeute eben nicht, wie in den USA vereinzelt geschehen, alle E- Mail-Adressen, die einem bekannt seien, "mit Werbung in eigener Sache zu bombardieren".

Was sonst noch auf die durch das Internet verbundene Menschheit zukommt, ist eher ungewiss. Vorwitzige Statistiker der Internet- Society haben schon einmal ausgerechnet, dass das "Global Village" - basierend auf den momentanen monatlichen Zuwachsraten der angeschlossenen Netzwerke - schon zur Jahrtausendwende Realitaet sein duerfte, also jeder Erdenbuerger quasi "am Netz waere". Auf einem solideren Fundament findet da fast noch die US-amerikanische Information-Highway-Debatte statt, in der das Internet flugs zu einer der wichtigsten Trassen kuenftiger Datenautobahnen ins Wohnzimmer der Konsumenten umfunktioniert wurde - ein angesichts von 20 Millionen Anwendern zunaechst auch naheliegender Gedanke (zum Vergleich: Compuserve hat zwei Millionen, Datex-J 600 000 Benutzer aufzuweisen).

Virtueller Handelsplatz kontra Quelle-Bestellung

Nicht jedoch fuer Garmhausen & Partner-Spezialist Hennig, der im Internet zwar den zukuenftigen virtuellen Handelsplatz sieht, gleichzeitig aber wenig mit dem Szenario anfangen kann,

"dass jemand vor dem Internet-Endgeraet sitzt und seine Bestellung bei Quelle macht". Das Netz sei nichts fuer Privatleute, sondern fuer solche, "die DV oft und vor allem beruflich einsetzen". Auch Telekom-Online-Chef- und -Vordenker Danke bekommt beim Gedanken an einen Internet-Massenmarkt keine feuchten Haende. Internet koenne man

"dem normalen Menschen als Anwendungspaket kaum vermitteln, auch nicht mit Mosaic als Terminal-Hilfe". Angst davor, dass viele der erst muehsam gewonnenen Datex-J-Kunden zum populaeren Internet ueberlaufen koennten, hat der alte Telekom-Fuchs erst recht nicht: "Ich kenne mindestens genauso viele, die sagen, vergiss das Internet, und mache Amerika Online."