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20.06.1997 - 

Client- und Server-Software offiziell freigegeben

Netscape wählt Javabeans als Komponentenmodell

Bereits in seiner Eröffnungsrede stellte Firmengründer und Vice-President of Technology Marc Andreessen die Bedeutung von Javabeans und Corba in den Vordergrund. Diese Aussage wurde von Eric Hahn, Senior Vice-President für Server-Produkte, und seinem Ko-Präsentator Rick Schell, der als Senior Vice-President für die Client-Produkte zuständig ist, bekräftigt. Die Komponententechnologie soll Unternehmen auf einfache und kostengünstige Weise ermöglichen, netzwerkbasierende Anwendungen zu erstellen und zu pflegen.

Daneben gab es aus Mountain View ein deutliches Bekenntnis zu offenen Standards. Mike Homer, Senior Vice-President für Marketing, betonte die Bedeutung gemeinsamer Grundlagen für die Entwicklung der Internet- und Intranet-Technologie. Er versprach ferner, Netscape werde sich auch künftig an die etablierten Standards halten und gleichzeitig intensiv an neuen Richtlinien mitarbeiten. Erfreulich war in diesem Zusammenhang die Meldung, daß sich auch Konkurrent Microsoft dazu entschlossen hat, den von Netscape und Firefly entwickelten Open Profiling Standard (OPS) für sichere, benutzerkontrollierte digitale Anwenderprofile zu unterstützen.

Gemeinsam mit den Partnern IBM, Oracle und Sun Microsystems hat Netscape der Object Management Group (OMG) zwei Standardentwürfe eingereicht, die Javabeans und Corba enger miteinander verzahnen sollen. Die Vorschläge sollen unter anderem ermöglichen, daß Entwickler mit Hilfe von grafischen Tools automatisch Javabean-Interfaces für Corba-kompatible Softwarekomponenten erzeugen können.

Corba kommt mit seinem Internet Inter-ORB Protocol (IIOP) eine entscheidende Rolle beim Zugriff auf Legacy-Anwendungen zu, vor allem bei der Integration von Mainframe-Daten. IIOP steuert die Kommunikation zwischen verschiedenen Object Request Brokern und ermöglicht damit den Austausch von Daten zwischen offenen Systemen und Großrechnern über den Standard Internet Protocol (IP).

Netscape will die kompletten Funktionen seiner Client- und Server-Software künftig als Javabeans bereitstellen. Dies bedeutet allerdings nicht, daß die Anwendungen selbst komplett als Komponenten veröffentlicht werden. Lediglich die Schnittstellen, mit denen sich die Applikationen aufrufen und steuern lassen, sollen als Module erhältlich sein. Die wichtigsten Server der "Suitespot"-Familie unterstützen bereits jetzt die Javabeans-Spezifikation 1.01, der "Communicator"-Client ist auf dem Stand von Release 1.02. In Kürze soll die komplette Palette an Sunsofts aktuelles Java Development Kit (JDK) 1.1 angeglichen werden.

Eine reine Java-Version des Communicator kündigt Andreessen für das kommende Jahr an. Diese soll deutlich schneller und kompakter als die bisherigen plattformspezifischen Versionen ausfallen, teilte Andreessen der CW mit.

Ansonsten gab es von dem Netscape-Gründer wenig Neues zu hören: Im Prinzip betete der Internet-Guru erneut sein bereits vor einigen Monaten publiziertes White Paper zum Thema "The Networked Enterprise" herunter (siehe CW Nr. 12 vom 21. März 1997, Seite 3: "Netscape verkündet seine Vision von der Unternehmens-DV").

Wie dort bereits beschrieben, soll künftig eine neue Generation von Anwendungen in Unternehmensnetzen dominieren. Diese Applikationen werden auf allen Hardware-, Betriebssystem- und Datenbankplattformen laufen und darum auch unter der Bezeichnung "Crossware" zusamengefaßt.

Pünktlich zur Devcon gab Netscape die aktuelle Client- und Server-Software "Communicator 4.0" und "Suitespot 3.0" als endgültige Releases frei. Weiterhin im Betastadium befindet sich dagegen Netscapes Umsetzung der Push-Technologie: Das Communicator-Modul "Netcaster" wurde nicht gleichzeitig mit dem Communicator fertig und soll demnächst per automatischem Online-Update nachgeliefert werden.

Die interessanteste Software-Ankündigung seitens Netscapes dürfte aber die grafische Entwicklungsumgebung "Visual Javascript" sein. Das komplett in Java geschriebene Tool befindet sich derzeit ebenfalls noch im Betatest, lief aber im Rahmen von Demonstrationen bereits erstaunlich stabil. Es ermöglicht das Entwickeln von Crossware-Applikationen nahezu ohne Programmierkenntnisse. Softwarekomponenten lassen sich per Drag and drop auf einer Seite zusammenfügen, mittels Javascript zu einer einheitlichen Anwendung verketten und mit einem einzigen Mausklick auf einem Web-Server publizieren.

Neben technischen Seminaren bestimmten Produktdemonstrationen das Entwicklertreffen. Partnerfirmen des Devcon-Veranstalters zeigten überwiegend neue, für die Zusammenarbeit mit Netscapes Client und Server konzipierte Produkte..

Javabeans

Javabeans sind logische Module, die in einer Progammiersprache geschrieben sind. Dabei muß es sich nicht um Sunsofts Internet-Programmiersprache Java handeln. Neben den Internet-Standards Javascript und Hypertext Markup Language (HTML) können auch ältere Sprachen wie etwa C oder das objektorientierte C++ benutzt werden. Zentraler Bestandteil eines solchen Moduls ist das "Beaninfo"-Interface, eine zentrale Schnittstelle, über die sich die Softwarekomponente identifiziert. Der Beaninfo-Header liefert Informationen über die Methoden, Eigenschaften und Events des Moduls. Javabean-Komponenten lassen sich etwa in einer HTML-Seite zu einer Anwendung zusammenfassen - hier dient Javascript als Bindeglied - und auf diese Weise direkt auf einem Web-Server publizieren.

Konkurrenz

Interessantes tat sich vor den Türen des Convention Centers in San Jose: Unauffällig wurden die Besucher der Veranstaltung beim Verlassen des Gebäudes von dezent gekleideten Damen angesprochen. Wer nicht zur Firma Netscape gehörte, erhielt eine Einladung in ein nahegelegenes Hotel. Dort hatte ein bekanntes Softwarehaus mit Sitz in Redmond Räumlichkeiten angemietet, um Entwicklern im Rahmen einer kleinen Party zu demonstrieren, wie "die richtige Komponententechnik aussieht". Als Lockangebot wurde ein nettes T-Shirt in Aussicht gestellt. Vieleicht ist es Microsoft ja auf diese Weise gelungen, den einen oder anderen Developer zum Wechsel der Fronten zu bewegen.