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28.11.1997 - 

Bessere Skalierbarkeit und Interoperabilität

Netscapes Messaging-Lösung baut auf offene Standards

Das ideale Mail-System für Unternehmen ließe sich etwa so umreißen: Es ist robust, leicht zu administrieren und vor allem offen für die Kommunikation mit aller Welt. Die letzte Anforderung erfüllen im Internet-Zeitalter am besten native SMTP-Systeme. Jedoch haperte es bisher vor allem am Funktionsumfang sowie an der Administrierbarkeit. Der frei verfügbare "sendmail"-Server, das klassische Mail-Programm unter Unix, ist hier sicher ein Paradebeispiel. Insofern ist es kein Wunder, daß Microsoft, Lotus und Co. mit ihren grafisch und funktional aufgepeppten Systemen bisher bei der Kundschaft bestens ankamen. Deren proprietärer Charakter geht allerdings zu Lasten einer uneingeschränkten Interoperabilität.

Netscape setzt hingegen auch beim Thema Messaging auf offene Standards. Der Mail-Server nutzt SMTP für den Postversand, das Post Office Protocol 3 (POP 3) und das Interactive Mail Access Protocol (Imap 4) für die lokale Mail-Auslieferung sowie Secure Socket Layer (SSL) für die Verschlüsselung. Aufgrund der nativen Unterstützung dieser im Internet üblichen Mail-Protokolle entfällt die Notwendigkeit, Gateways zu installieren, aufwendig zu konfigurieren und zu administrieren, wie es bei proprietären Konkurrenzlösungen noch der Fall ist.

Auch die Verwaltung folgt diesem offenen Ansatz: Sie läßt sich komplett über den Browser abwickeln. Deshalb spielt es bei der Administration keine Rolle, auf welcher der zahlreichen unterstützten Plattformen das Mail-System läuft. Derzeit sind dies AIX, Digital Unix, HP-UX, Irix, Sun Solaris und Windows NT (Intel und Alpha). Der Messaging-Server nutzt als Teil von Netscapes "Suitespot 3.0" gemeinsam mit den anderen Servern des Pakets die gleiche Administrationsoberfläche aus HTML, Javascript und Java. Die Bedienung ist einfach und übersichtlich, kann potentiell von jedem Platz der Welt aus auf sichere Weise erfolgen und ermöglicht sogar die Administration von Server-Clustern.

Der Messaging Server läßt sich wie andere Mail-Systeme auch im Stand-alone-Betrieb nutzen, wobei er dann Adreßbücher selbständig verwaltet. Netscape sieht für Enterprise-Lösungen allerdings vor, daß personenbezogene Informationen genauso wie solche zu DV-Ressourcen und Benutzerrechten zentral in einem Directory-Server abgelegt werden. Ein solcher gehört ebenfalls zum Suitespot-Server-Paket. Er erlaubt den Zugriff auf dort gespeicherte Daten über das Leightweight Directory Access Protocol (LDAP). Dabei handelt es sich um ein von der Internet Engineering Task Force (IETF) zum Standard erklärtes Protokoll (RFC 1777). Es erfreut sich mittlerweile breiter Unterstützung von Herstellern wie Novell, Lotus oder Microsoft.

Der Directory-Server ist gewissermaßen administratives Zentrum von Netscapes Suitespot. Der Messaging-Server greift zur Authentisierung, für das Routing der Mail sowie zur Mailzustellung auf den Directory-Server zu. Nutzerdaten können über das Leightweight Directory Interchange Format (LDIF) flexibel importiert und exportiert werden. Netscapes Mail-Komponente im "Communicator" ist ebenfalls in der Lage, zur Adreßsuche auf den Directory-Server zuzugreifen.

Der Clou dieser Architektur liegt in der Universalität des zentralen Verzeichnisdienstes: Alle Server und Clients können ihn nutzen, beispielsweise der Web-Server für die Authentisierung der Nutzer. Ein solches Administrationssystem macht ein für Nutzer und Administratoren homogenes Intranet möglich, was bisher ein größeres Problem darstellte. Das geht so weit, daß über Client-Zertifikate auf einfache Weise ein Single Signon im Netz zu realisieren ist.

In der Praxis ergaben sich jedoch während unseres Tests noch Schwierigkeiten, die wahrscheinlich auf das Betastadium der Software zurückzuführen sind. So weigerte sich der Directory-Server nachhaltig gegen Versuche, über den Administration-Server Nutzer ins Verzeichnis einzutragen. Die Voreinstellung sollte jedoch laut Dokumentation den Administrator entsprechend autorisieren. Abgesehen von diesem Fall traten keine Probleme während der Testzeit auf, das System erwies sich als erfreulich stabil und ausgereift.

HTML-Seite für jeden Nutzer

Jeder Nutzer kann über eine geschützte HTML-Seite jederzeit seine eigenen Systemdaten bearbeiten und aktualisieren und zum Beispiel eine Urlaubsmeldung erstellen. Authenticated SMTP ermöglicht nur angemeldeten Nutzern den Versand von Mail und hilft so, Mailspoofing zu verhindern.

Der Directory-Server ist auch Kernstück des Migrationspfades, mit dem Netscape den Umstieg von proprietären Lösungen auf das eigene Messaging-System erleichtern will. Entsprechende Werkzeuge zur Übernahme von Adreßbüchern und Post aus "cc:Mail", "Eudora", "Microsoft Mail for Windows", "Microsoft Mail for Macintosh" und "Quick Mail" können kostenlos von Netscapes Web-Site heruntergeladen werden.

Ein Hauptaugenmerk der Entwickler galt nach Angaben des Herstellers der Skalierbarkeit des Systems. Begünstigt wurde dieses Bemühen durch die native Unterstützung von Standardprotokollen, die den Konvertierungsaufwand von Gateways überflüssig macht. Außerdem erlaubt Netscapes Multiplattform-Strategie den Umstieg auf leistungsstärkere Unix-Systeme, während Exchange-Anwender auf Windows NT beschränkt bleiben.

Wir installierten den Messaging-Server unter Windows NT 4.0 auf einem Pentium-Rechner mit 133 Megahertz und 64 MB RAM. Netscape reklamiert, daß mit dieser Konfiguration etwa 3000 Nutzer bedient werden können, wenn jeder pro Tag durchschnittlich fünf bis sechs Mails versendet. Bei größeren Nutzerzahlen ist sicherlich ein Unix-System anzuraten.

Quittung für Internet-Mails

In puncto Funktionalität holt Netscape im Vergleich zu seinen Konkurrenten mit der aktuellen Version deutlich auf. Diverse Features dienen der Schonung der Server-Ressourcen: Single Copy Message Store speichert eine Mail für mehrere Nutzer nur einmalig, mit Quotas kann der Plattenplatz pro Anwender begrenzt werden. Freuen wird SMTP-Nutzer die bisher im Internet so nicht vorhandene Möglichkeit, sich verschiedene Arten von Quittungen über den Verbleib ihrer Mails schicken zu lassen. Damit können sie überprüfen, ob die Mail am Ziel angekommen ist und ob sie weitergeleitet wurde.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß Netscapes Messaging-Lösung vor allem in den Punkten Interoperabilität durch Unterstützung von Standards, Administration sowie Skalierbarkeit viel zu bieten hat. Die Server-Verwaltung ist einfach und leistungsfähig, weist jedoch noch Schwächen auf. So sind zum Beispiel in den Konfigurationsmasken oft die aktuellen Einstellungen nicht sichtbar, sondern nur die Vorgabewerte. In diesem Punkt und auch beim Funk- tionsumfang haben die Konkurrenzsysteme durch ihre Windows-Oberflächen die Nase vorn.

Sie haben dem Messaging Server zudem Workflow-Funktionen voraus, die allerdings die Produkte entsprechend aufblähen. Diese Unterschiede sind jedoch nicht absolut, sondern im Lichte der jeweiligen Philosophie zu sehen: Netscape wählt hier den Weg des leichten, kostengünstigen und vor allem modularen Systems, welches sich durch weitere Server sowie über APIs effizient an die eigenen Anforderungen anpassen läßt. So steht für Workflow im Intranet der "Collabra"-Server zur Verfügung, der ebenfalls über den Directory-Server eingebunden und über den Administration-Server verwaltet werden kann. Wichtiger als schierer Funktionsumfang erscheinen daher Eigenschaften wie Modularität, Erweiterbarkeit und Integrierbarkeit in die Internet- und Intranet-Landschaft.

Andrej Radonic arbeitet als freier Autor in Köln.