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30.06.2000 - 

Kolumne

Netter Versuch

Christoph Witte, Chefredakteur CW

Kurspflege spotten die einen, "Ablenkungsmanöver" oder "Anwenderverunsicherung" schimpfen die anderen, wenn die Rede ist von Microsofts gerade angekündigter Dot-Net-Strategie. Gegen den Verdacht, Microsoft habe eine reine Marketing-Blase produziert, sprechen allerdings zwei Aussagen: Es ist konkret von zwei Milliarden Dollar Investitionen die Rede - ein Versprechen, das die Aktionäre im Zweifelsfalle als verbindlich einklagen werden, und zweitens verabschiedet sich Microsoft mit dem Dot-Net-Ansatz endgültig von der PC-zentrischen Sicht der (Internet-)Welt. Schließlich stellt dieser - übrigens in Anlehnung an die Dotcom-Strategie von Sun - das Netz in den Mittelpunkt der Anstrengungen. Hätte Microsoft nicht vor, dieses Konzept mit Inhalt zu füllen, würden die Redmonder eine über Jahre gegen alle Widerstände gehaltene Position nicht aufgeben.

Microsoft.Net soll - das Internet macht''s möglich - alles sinnreich kombinieren, was die Company an heutigen und zukünftigen Applikationen, Services, Middleware und Betriebssystemen auf Lager hat. So lassen sich viele bisher nur lose mit dem Kerngeschäft verbundene Aktivitäten wie der E-Mail-Dienst Hotmail, das Lexikon Encarta oder das Internet-Reisebüro Expedia im Nachhinein als Vorbereitung auf die jetzt angekündigte Strategie interpretieren. Auch die erst wenige Wochen alte Ankündigung, mit Office und anderen Applikationen im Software-Mietgeschäft als ASP mitzumischen, die Freigabe des DCOM- und Corba-unabhängigen Transportprotokolls Soap und die plötzlich erblühte Liebe zu XML lassen sich in die Dot-Net-Richtung deuten.

Doch diese Aktivitäten sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gates-Company zum Beispiel über die Entwicklungs-Tools, die sie Programmierern und Partnern an die Hand gibt, nach wie vor danach strebt, das Internet Microsoft-tauglich zu machen und nicht danach, Microsoft Internet-tauglich.

Allerdings lässt sich noch kaum absehen, ob mit Dot-Net nicht rückwirkend ein Produkt- und Service-Sammelsurium als umfassender strategischer Wurf vermarktet werden soll oder ob damit die ersten Ausprägungen planvollen Handelns sichtbar werden. Genauso wenig steht fest, ob Microsoft seine jetzt gegebenen Versprechen überhaupt wahr machen kann. Sicher ist nur eins: Es wird viel länger dauern als bis 2002.