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24.05.2002 - 

Brainshare 2002: Novell als Solution-Provider

Netware als Basis für Web-Services

BARCELONA (hi) - Netware-Fans dürfen aufatmen. Nachdem die Zukunft des erfolgreichen Netzbetriebssystems bei Novell zuletzt in Frage stand, bekannten sich die Netzwerker jetzt auf der Brainshare vorbehaltlos zu ihrer Plattform. Auch in der Ära der Web-Services behält Netware für Novell einen strategischen Stellenwert.

Die Besucher der europäischen Brainshare in Barcelona dürften die Novell-Entwicklerkonferenz als Zäsur im Gedächtnis behalten. Waren die Veranstaltungen der Vergangenheit durch die Auftritte von extrovertierten, technikverliebten Managern geprägt, so geben nun - ein Jahr nach der Übernahme von Cambridge Technology Partners - die Consultants den Ton an. Statt technischer Details und Einzelprodukte haben nun Lösungen für informationstechnische Alltagsprobleme Priorität.

Dieser Ansatz hat direkte Konsequenzen für das Produkt-Portfolio der Company. So versprach Jack Messman, CEO und Chairman des Unternehmens, das bisherige Sortiment von 161 Einzelprodukten gründlich auszumisten. Dabei sollen die Applikationen zu fünf Lösungspaketen zusammengeschnürt werden, um die Bereiche "Networking und Storage", "Access und Security", "Content- und Application-Management" , "User Provisioning" sowie "Collaboration" zu adressieren.

Analog zur Neuausrichtung des Produktangebots hat sich das Selbstverständnis Novells nach der Akquisition von Cambridge geändert. Das Unternehmen sieht sich nun als ein Solution-Provider, der Lösungen vermarktet, die auf zwei Säulen basieren: Produkte (Novell) und Consultant Services (Cambridge). In der Rolle als Solution-Provider will sich Novell künftig verstärkt auf Web-Services konzentrieren. Überzeugt von dieser Vision bezeichnet Messman Novell schon als das "Powerhouse zur Lieferung von Web-basierten Lösungen".

Zweiflern, die dem CEO vorhalten, dass Novell mit seiner Web-Services-Strategie zu spät komme, entgegnet Messman, dass sein Unternehmen im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Microsoft oder Sun bereits seit längerem entsprechende Services im Angebot habe. Die bislang unter dem Oberbegriff "Novell Net Services" vermarkteten Produkte seien nichts anderes als "Basic Web Services". In einem nächsten Schritt will die Company laut Messman dann so genannte "Extended Web Services" realisieren. Darunter versteht der CEO Programme und Dienste, die eine automatische Computer-übergreifende Datenverarbeitung über Netze wie das Internet ohne menschliche Eingriffe ermöglichen.

Um diese erweiterten Web-Services zu realisieren, setzen die Netzwerker künftig voll und ganz auf offene Standards. Proprietäre Schnittstellen wie etwa die Netware Loadable Modules (NLMs) oder die Netware Core Protocols (NCPs) sollen verschwinden. Als Ersatz hierfür propagiert Messman wichtige Web-Service-Protokolle wie UDDI (Universal Description, Discovery und Integration), Soap (Simple Object Access Protocol), WSDK (Web Services Development Kit), WSDL (Web Services Description Language) oder DSML (Directory Services Markup Language).

Eine Verwirklichung dieser offenen Plattform-Strategie ist bereits mit der nächsten Netware-Version (siehe Kasten) Ende 2002/Anfang 2003 geplant. Dieses Release, zur Zeit unter dem Codenamen "Nakoma" bekannt, soll als Basis für Web-Services fungieren. Dabei, so Messmann weiter, werde die Interoperabilität zu .NET oder Sun One sichergestellt, "da die verschiedenen Web-Services-Ansätze alle ähnlich sind und sich lediglich im Erscheinungsbild unterscheiden".

Die Vision einer Netzwerk-Company Novell als Solution-Provider für Web-Services hat jedoch einen Schönheitsfehler: Dem Unternehmen fehlt nach wie vor ein Applikations-Server sowie eine Entwicklungsumgebung. Und hier beginnt erneut der Eiertanz, mit dem das Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren seine Kunden vergraulte beziehungsweise zur Migration auf Windows NT trieb. Schon damals erwarteten die Anwender einen Applikations-Server. Novell betonte jedoch, dass Netware lediglich ein File- und Print-Server sei und vermeldete im gleichen Atemzug aber, dass mit Oracle auch Anwendungen auf der Plattform laufen. Ein Szenario, das sich nun wiederholt: Netware sei kein Applikations-Server, anderseits wird es als Plattform für Anwendungen wie Web- und EAI-Services oder etwa MySQL positioniert.

Angesichts dieses erneuten Herumlavierens entfuhr einem Novell-Mitarbeiter im Brainshare-Lab, wie die angeschlossene Demonstrations-Show auf der Brainshare heißt, die Bemerkung: "Dieses Ziel hätten wir bereits vor Jahren erreichen können, wenn wir nach dem Kauf von Unixware die Pläne für ein "Super NOS" umgesetzt hätten."

In Bezug auf die andere fehlende Komponente, eine Entwicklungsumgebung für Netware, hält sich Novell bedeckt.

Produkt-Roadmap:

Netware

Unter dem Codenamen "Modesto" warteten die Netware-Jünger bislang auf eine 64-Bit-Version des Netzbetriebssystems. Mittlerweile ist jedoch Modesto keine Bezeichnung für eine Betriebssystem-Plattform mehr, sondern steht für einen Nano-Kernel. Konzipiert für 32- und 64-Bit-Hardware-Plattformen soll Modesto als Kernel die Hardware-spezifischen Schnittstellen beinhalten, während Applikationen in virtuellen Maschinen laufen. Bis unter dem Codenamen "Uinta" eine auf Modesto basierende Netware-Variante auf den Markt kommt, müssen sich die Anwender jedoch noch gedulden. Mit Nakoma und Hayden sind zuvor noch zwei weitere neue Versionen des Betriebssystems geplant. Bei Nakoma liegt der Schwerpunkt auf der Unterstützung offener Web-Services-Standards sowie den Bemühungen, ein "Zero Cost Deployment" etwa durch den Verzicht auf die bislang notwendigen Netware-Clients zu erreichen. Nach Nakoma ist dann für Ende 2003 mit Hayden das nächste Release geplant. Wichtigste Neuerung dieser Version dürfte aus heutiger Sicht die Unterstützung von Blades sowie iSCSI zum Dateizugriff sein.

E-Directory

Bereits im August diesen Jahres will Novell die Version 8.7 seines E-Directory auf den Markt bringen. Wichtigste Neuerungen dabei sind etwa ein Soap-Interface oder die Unterstützung von SNMP, um so etwa eine Integration in HP Openview oder Unicenter zu realisieren. Ferner soll dieses Release auch auf den Betriebssystemen AIX und HP UX laufen. Langfristig, das nächste Release ist erst in einem Jahr geplant, orientiert sich Novell bei seinem Verzeichnisdienst in Richtung XML. Diese Sprache soll das bislang gebräuchliche LDAP als kleinsten gemeinsamen Interoperabilitäts-Nenner ablösen. Vor dem Erscheinen dieses Major Release Mitte 2003 sind noch zwei Service-Packs geplant. Mit diesen soll dann UDDI Einzug halten und als Interface für Replikations-Server dienen.

Novell Net Mail

Unter der Bezeichnung "Novell Net Mail 3.1" führen die Netzwerker nun ihre plattformübergreifende Internet-Massaging-Lösung ein. Das bisher als "Novell Internet Messaging System" (NIMS) bekannte Produkt offeriert Funktionen wie E-Mail, Calendaring und Scheduling. Die Applikation ist auf den Server-Plattformen Windows NT/2000, Solaris, Linux sowie Netware einsetzbar. Neben klassischen Desktop Usern können auch mobile Anwender am Informationsaustausch teilnehmen, da sowohl "Palm OS" als auch "Pocket PC" unterstützt werden.

Zenworks 4

Das Bekenntnis, künftig auf offene Standards zu setzen, untermauert Novell bereits mit der Management-Suite "Zenworks for Desktops 4" zur Administration von Desktops und Laptops. Im Gegensatz zu früheren Versionen benötigt Zenworks 4 keinen propietären Novell-Client auf den Arbeitsplatzrechnern. Die aktuelle Version basiert, wie es heißt, auf offenen Internet-Standards und lässt sich via Browser bedienen.

Abb: Produkt-Roadmap

Bis mit Uinta ein Netware mit Nano-Kernel auf Modesto-Basis auf den Markt kommt, ist es noch ein langer Weg. Quelle: Novell