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06.05.1994

Netware als Religion?

Nach zwei Tagen Gehirnwaesche auf der als Entwicklerkonferenz getarnten Novell Brainshare in Bruessel - am zweiten Tag waren zu Beginn der morgendlichen Eroeffnungsveranstaltung fuer die Teilnehmer Riten wie das vom Platz Erheben und Rezitieren von Glaubensgrundsaetzen wie "Yes Netware" angesagt - draengt sich dem Autor eine Einsicht von Karl Marx auf: Religion ist Opium fuer das Volk, sprich die Anwender.

Ob allerdings das Bekenntnis der Novell-Glaubensgemeinschaft zum "Goetzen" Netware, den kuenftig, geht es nach dem Willen seines Propheten Bob Frankenberg, alle Clients und Server anbeten, wirklich zur Erloesung von dem zur Inkarnation des Boesen hochstilisierten Bill Gates und seiner Windows-Gegenreligion fuehren, muss bezweifelt werden. Zu oft bewirkte bereits in der Vergangenheit der eine oder andere Kreuzzug eines sich zum Messias berufen fuehlenden Herstellers letztendlich die Unterdrueckung und Abhaengigkeit der jeweiligen Anwender.

Oder sollte man etwa glauben, dass ein Unternehmen wie Novell aus reiner Naechstenliebe seine Schnittstellen und APIs offenlegt? Wohl kaum, mit diesem Lockmittel will der Branchenzweite hoechstens unzufriedene Anwender, denen Microsofts restriktives API-Korsett zu eng ist, fuer die eigene Religion gewinnen. Konkurrenz belebt bekanntermassen das Geschaeft und bietet die Wahl zwischen Alternativen. Doch wer garantiert, dass die Marketiers aus Provo nach einem erfolgreichen Angriff auf die Windows-Desktop-Bastion noch alle Schnittstellen zum Nulltarif offenlegen?

Apropos Angriff auf Windows: Waehrend Bill Gates mit seinem noch nicht vorhandenen Betriebssystem Windows NT im letzten Jahr den Spott der Branche auf sich zog, ist mittlerweile Novell zum wichtigsten Protagonisten der Not-There-Ideologie avanciert: objektorientiertes Unix-Netware - Fehlanzeige. Stringente Applikations- oder Groupware-Strategie - ebenfalls Fehlanzeige. Das zukuenftige Novell-Angebot erinnert eher an den amerikanischen Drugstore um die Ecke, der neben Whiskey und Popcorn auch die Ware aus Provo fuer alle Belange des Multimedia-Lebens im Sortiment fuehrt.

An den Gedanken, dass Novell die Menschheit nach dem Debakel mit Netware 4.X auch noch beim interaktiven Fernsehen via Datenautobahn mit seinem Netzwerk-Betriebssystem beglueckt, kann man sich jedenfalls nur schwer gewoehnen. Zudem erinnert Novells NEST-Konzept zur Anbindung von Peripheriegeraeten jeglicher Art fatal an die Gates-Vision eines Windows fuer Waschmaschinen (Microsoft at Work). Doch waehrend man in Provo gerade dabei ist, zu entdecken, dass sich ein vernetzter Mixer unter Umstaenden mit einem Backofen unterhalten koennte, ist Billy-Boy zusammen mit seinem Freund Greg McCaw bereits in Richtung Weltraum entschwebt und bastelt an der globalen, drahtlosen Kommunikation via Satellit - 500 Fernsehprogramme inklusive.