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23.10.1998 - 

Geht Microsoft die Luft aus?

Netware und Linux könnten den NT-Siegeszug stoppen

Geht es um die reinen Verkaufszahlen, so ist Microsofts Windows NT Server der Senkrechtstarter schlechthin. So bescheinigt das Marktforschungsinstitut International Data Corp. (IDC) Microsofts Server-Betriebssystem für das letzte Jahr ein stolzes Plus von fast 139 Prozent (siehe Grafik). Lediglich die verschiedenen Unix-Derivate konnten ebenfalls noch Wachstum - wenn auch auf niedrigerem Niveau - verbuchen. Die Umsätze mit Netware und OS/2 gingen dagegen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die IDC-Studie "Server Operating Environments: 1998 Worldwide Markets and Trends".

Bedeutet der steile Aufstieg des NT-Sterns nun wirklich den langsamen Tod des einst dominierenden Netzwerk-Betriebssystems Netware? Novell-Kunden kennen auf diese Frage nur eine Antwort: Nein. In ihren Augen ist und bleibt Netware im Vergleich zu NT das überlegene Netzwerk-Betriebssystem. Vor allem im Bereich Enterprise Management attestieren sie dem Novell-Erzeugnis Stärken. Allerdings gibt selbst die treueste Novell-Klientel mittlerweile zu, daß sie nicht ganz ohne NT im Netz auskommt: Zu viele Applikationen setzen auf dem NT-Server auf.

Dies ist letztlich auch der Grund, warum beispielsweise der Chemieriese Dow Chemical seine 11000 NT-Server langfristig auf Windows NT 5.0 migrieren will. Trotz der Verspätung von NT 5.0 sieht das Unternehmen in Net- ware keine Alternative, denn, so Netzadministrator Jim Marshall, "wir haben zu viele NT-Anwendungen im Einsatz, so daß ein Wechsel nicht in Frage kommt".

Ein Problem, das mittlerweile auch Novell erkannt hat. Im Gegensatz zu früher betont die Company jetzt nicht mehr nur ihren überlegenen Verzeichnisdienst, sondern versucht darüber hinaus, Netware als Applikations-Server anzupreisen. So verweisen die Netzwerker gerne auf die Datenbank "Oracle 8", die zum Lieferumfang von Netware 5.0 gehört, oder auf die über 480 Server-Applikationen, die den Kompatibilitätstest mit dem jüngsten Netware-Sproß bestanden haben. Allerdings stellt sich die Frage, ob allein die Positionierung als Applikations-Server den NT-Erfolg erklärt, denn laut IDC nutzt die Hälfte der NT-Server-Besitzer das Betriebssystem lediglich für File- und Print-Services.

Trotz Novells Anstrengungen, Netware als Applikations-Server zu positionieren, glaubt Dan Kusnetzky, Analyst bei IDC, daß NT im nächsten Jahr die Zahl der installierten Unix-Systeme überholen und im Jahr 2000 dann auch Netware überrunden wird. Als Grund für diesen Erfolg nennt Kusnetzky aber weniger technische Fakten, als das gelungene Marketing der Gates-Company.

Es begann für den Analysten bereits vor sechs Jahren, als sich die IT-Entscheidungen der Unternehmen von den technischen Abteilungen in den Management-Bereich verlagerten. Auf diese Veränderung reagierte Microsoft schneller als andere Hersteller mit Werbekampagnen. Statt technische Vorteile zu betonen, so Kusnetzky, rückt das Unternehmen Geschäftsmodelle in den Vordergrund.

Ein Marketing-Vorteil, von dem Microsoft möglicherweise nicht mehr lange zehren kann. Unter der Führung von Eric Schmidt hat nämlich Novell ebenfalls gelernt, nicht nur die technischen Vorzüge der Novell Directory Services herauszustellen. Vielmehr propagiert das Unternehmen jetzt laut Novell Product Marketing Manager Greg Macris, welche Business-Vorteile ein Verzeichnisdienst bietet.

Über die Marktdominanz im Networking-Geschäft dürfte aber letztlich nicht nur die überzeugendere PR-Kampagne entscheiden, sondern durchaus auch die bessere Technologie. Und hier sprechen mehrere Punkte gegen Microsoft: die zweifelhafte Java-Unterstützung, das Fehlen eines Verzeichnisdienstes sowie die Frage, ob die nächste Generation des Server-Betriebssystems überhaupt noch in diesem Jahrtausend das Licht der Welt erblickt.

Gerade die Java-Unterstützung in Netware 5.0 könnte ein Standpfeiler sein, mit dem sich Novell im Konkurrenzkampf gegen Microsoft behauptet. Während Microsoft Java höchstens eine Rolle auf dem Desktop zugesteht, hat Novell die Zeichen der Zeit erkannt und mit seiner Java Virtual Machine in Netware 5.0 für die Internet-Sprache einen schnellen Applikations-Server kreiert. Die Java Virtual Machine, bekräftigt der Systemadministrator eines Krankenhauses, dürfte in Zukunft immer wichtiger werden, "deshalb ist es nur von Vorteil, diese bereits heute im Kernel eines Netz-Betriebssystems integriert zu haben".

Ein anderes Problem erwächst Microsoft durch die dauernden Verzögerungen in Sachen NT-5-Entwicklung. Viele Anwender rechneten bereits in diesem Jahr mit der Auslieferung der fünften Generation und schoben deshalb Updates oder Neuinvestitionen auf die lange Bank. Mittlerweile halten aber Analysten einen Auslieferungstermin vor Mitte 1999 nicht mehr für realistisch. Andere erwarten NT 5.0 sogar erst im Jahr 2000. Noch skeptischer beurteilt Neil MacDonald, Analyst bei der Gartner Group, die Situation: "Unternehmen, die ihre NT-Domänen-Probleme mit Hilfe des Active Directory lösen wollen, müssen sich wohl bis 2001 gedulden." Erst dann, so die Einschätzung des Beraters, dürfte Microsofts Verzeichnisdienst wirklich funktionsfähig sein. Allerdings glaubt MacDonald, daß die Anwender kaum so lange warten, "sie werden sich vielmehr nach anderen Produkten mit funktionierenden Verzeichnisdiensten umsehen".

Zumal den Verzeichnisdiensten bei der Administration großer Netzverbünde und dem Zusammenwachsen klassischer Tele- und Datenkommunikation eine immer größere Bedeutung zukommt. "Was Administrationsaufwand, Komplexität und Kosten angeht, spricht vieles für Netware und gegen Windows NT", bekräftigt Jim Graham, IT-Manager beim US-Carrier Bell South. Aus diesem Grund hat sich Graham letztlich für ein Upgrade seiner 80 Server auf Netware 5.0 entschieden.

Dünn wird die Luft für Microsoft auch durch ein anderes Phänomen. Im Zuge der allgemeinen Internet-Euphorie konnte sich nämlich das Unix-ähnliche Freeware-Betriebssystem Linux einen Platz als günstige Web-Server-Software erobern. Nachdem die Freeware auf alten Intel-Servern ihre Praxistauglichkeit und Hardwaregenügsamkeit unter Beweis gestellt hat, liebäugeln immer mehr große Unternehmen mit einer Installation von Linux-Servern in ihren Produktionsumgebungen. Sie sehen in dem Betriebssystem die generelle Chance, ihre IT-Kosten zu reduzieren, zumal sie für wenig Geld ein Betriebssystem erhalten, das sich als stabiles Server-System erwiesen hat. Ein Kostenbewußtsein, das sich laut IDC prompt in den Verkaufszahlen der verschiedenen Linux-Distributionen widerspiegelt: Sie stiegen 1997 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent.