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09.06.1995

Network+Interop etabliert sich als regionale Info-Boerse Besucherandrang blieb hinter den Erwartungen zurueck

Entwickelt sich die Networld+Interop zu einer Art CeBIT der Netzwerker? Rund 300 Aussteller, von denen einige auf der hannoverschen Grossmesse gar nicht oder nur durch ihre Distributoren vertreten waren, zeigten in Frankfurt Neues, aber auch Altbekanntes in Sachen Internetworking und Connectivity. Auch fuer die auf Netztechniken fokussierten Besucher scheint die Networld+Interop (N+I) allmaehlich ein wichtigerer Termin als die CeBIT zu werden. Dennoch lautet die Antwort auf die Eingangsfrage "Nein", denn anders als auf dem Mammutspektakel an der Leine und seinen ueberfuellten Hallen praegte Qualitaet statt Quantitaet das Messebild der Networld+Interop '95.

Als den "Hoehepunkt des Jahres fuer Computer- und Netzexperten in Europa" pries der Muenchner Messeveranstalter Softbanks Expo das Ereignis und griff damit etwas zu hoch, denn neben diversen anderen Netzwerkveranstaltungen in der Alten Welt gibt es zumindest noch die gleichnamige Messe in Paris.

Die N+I in der franzoesischen Seine-Metropole schaetzt Klaus Eppele vom Vertrieb und Marketing der Hilan GmbH in Karlsruhe besonders. Sein Unternehmen bereist die N+I-Veranstaltungen in Las Vegas, Paris und Frankfurt. "Insbesondere die Pariser Ausgabe ist sehr interessant, da dort das ATM-Forum parallel zur Veranstaltung tagt", wertet der N+I-Besucher. Interessiert am Thema Hochgeschwindigkeitsnetze informierte sich Eppele auf der Frankfurter N+I direkt bei den Herstellern ueber Neuigkeiten und Trends. Aufgrund der Uebersichtlichkeit der Messe konnte Eppele sein Programm an einem Tag bewaeltigen, "hier trifft man auch alle wichtigen Leute, da sich nicht alles wie auf der CeBIT verteilt", aeusserte sich der Karlsruher allgemein zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung.

So nutzte der Manager beispielsweise die Praesenz vieler Hersteller aus den beiden konkurrierenden 100-Mbit/s-Ethernet-Lagern, um sich ein Bild ueber die Einsatz- und Wahlmoeglichkeiten von 100Base-T und 100Base-VG zu verschaffen und die Anbieter zu fragen, welches der Verfahren sie einsetzen wuerden. Die Antworten bestaetigten Eppeles Auffassung: 100Base-T, so seine Erkenntnis, sollte aufgrund der

Abwaertskompatibilitaet zum 10-Mbit/s-Ethernet zur Erweiterung bestehender Installationen herangezogen werden, waehrend das zum herkoemmlichen Ethernet inkompatible 100Base-VG aufgrund seines effektiveren Zugriffverfahrens eher fuer Neuinstallationen praedestiniert ist.

Mit seinem Interesse an Hochgeschwindigkeitsnetzen entsprach Eppele genau dem Besucher-Typus, den sich der Veranstalter wuenscht, denn die beherrschenden Themen der N+I waren laut Dennis Jennings, Chairman des eurpaeischen Programmkomitees, Switching- Technologien, Fast Ethernet und ATM. Umrahmt wurde die Messe von Konferenzen, um "die Fachkraefte weiter auszubilden", so Klaus Schmidt, Geschaeftsfuehrer der deutschen Softbanks-Expo- Niederlassung.

Zudem "dekorierte" die Messegesellschaft ihre Veranstaltung mit einem interaktiven Online-Konzept sowie mit einigen Shows und dem "Interopnet", an dem die Interoperabilitaet der Produkte aller Aussteller gezeigt werden sollte. "An Demonstrationsangeboten ist hier allerdings nicht viel zu sehen", kritisierte Eppele dennoch das N+I-Netz vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen mit der Pariser N+I-Ausgabe. "Bei meinem Gang durch die Hallen ist mir nichts Besonderes aufgefallen. Etwas Gigantisches kann die Beispielinstallation also nicht sein."

Kritikpunkte ganz anderer Art aeusserte Wilfried Trautmann vom hannoverschen Unternehmen Buerocomplett, der auf der Messe Kontakte zu Hardwareherstellern, Verkaeufern und zum Service knuepfte und die gastronomischen Versorgung bemaengelte:

"Der ist atemberaubend schlecht", so sein vernichtendes Urteil. Doch der Niedersachse nahm die Reise nach Frankfurt nicht zur Begutachtung des kulinarischen Angebotes auf sich - auch er interessierte sich natuerlich in erster Linie fuer High-speed- Technologien, allerdings mit Schwerpunkt Fast-Ethernet. Das asynchrone High-speed-Verfahren nahm er nur am Rande in Augenschein, denn "der Einsatz von ATM ist noch nicht spruchreif," so der Fachmann.

Dem Hoffnungstraeger in Sachen Breitbandkommunikation fehlt es bekanntermassen immer noch an der Anbindung an lokale Netze, da die LAN-Emulation noch nicht normiert ist. Diese Erkenntnis, so Trautmann, "ist auch ein Ergebnis eines solchen Messebesuches." Trautmann schaetzt die Messe als spezielleres Informationsforum, besucht Netzwerkmessen jedoch nur, wenn konkrete Projekt anstehen. Als Fachmann fuer die Gebaeudeverkabelung muss er Trends erkennen, denn Abschreibungszeiten von 20 Jahren bei Netzinstallationen erlauben es nicht, wichtige Technologiewechsel zu verpassen.

Nicht immer reisen die N+I-Teilnehmer jedoch in Frankfurt an, um sich ueber die von der Messegesellschaft definierten Highlights des Netzwerk-Events zu informieren. Haeufig sind auch aktuelle und verfuegbare Techniken fuer Erweiterungen oder Neuinstallation von Netzen Grund des Besuches. Die Praesenz der wichtigsten Anbieter im deutschen Raum zieht Besucher an, die sich in kurzer Zeit ein Angebot ueber Produkte, Dienstleistungen und Techniken im direkten Vergleich verschaffen koennen. So war beispielsweise Juergen Kohlmann, Sachgebietsleiter EDV beim Deutschen Roten Kreuz in Wiesbaden, in erster Linie wegen der Themen ISDN und Faxloesungen anwesend.

Als Mitglied einer Projektgruppe, die derzeit einen Unix-Server mit 50 PCs installiert, holte Kohlmann Informationen von Anbietern zum Einrichten von ISDN-Boxen fuer die Aussenstellen ein. Die Messe besuchte er jedoch nur, weil sie quasi vor der Haustuer liegt und nicht wie im vergangenen Jahr in Berlin stattfindet.

Gleiches gilt fuer Bernd Hartmann, Organisationsleiter bei den Johannes Anstalten in Mosbach. Er ist ebenfalls in Sachen ISDN sowie Faxloesungen unterwegs, haette trotz seiner guten Erfahrung mit der N+I von einem Messebesuch allerdings Abstand genommen, waere sie in Berlin veranstaltet worden. Der Weg nach Frankfurt hat sich seiner Einschaetzung nach jedoch gelohnt. "Die N+I ist viel konzentrierter als die CeBIT", urteilt Hartmann. Einig sind sich Hartmann und Trautmann aber auch in einem anderen Urteil: Die N+I hat einen sehr starken regionalen Charakter.

Das Problem fuer die N+I-Veranstalter ist nur, dass die Exponet in Duesseldorf und auch die Systems in Muenchen fuer den westdeutschen beziehungsweise sueddeutschen Raum regionalen Charakter haben. Die N+I ist laut Werbeslogan der Softbanks Expo jedoch als europaweite, zumindest aber als Deutschland-weite Fachmesse positioniert. Die Einschaetzung der beiden Besucher teilen auch nicht alle Anwesenden. So konnte der Aussteller Allied Telesyn International nach Angaben des deutschen Geschaeftsfuehrers Ruediger Meisenburg aufgrund einer Gewinnaktion eine enorme Resonanz aus dem Publikum verbuchen. Das Gros der gesammelten Adressen stammt zwar aus dem Rhein-Main-Gebiet, doch gab es auch viele Nennungen aus dem uebrigen Bundesgebiet.

Der Veranstalter Softbanks sieht sich bereits in seiner Wahl fuer Frankfurt als Messestandort bestaetigt und mietete fuer den Zeitraum vom 12. bis zum 14. Juni 1996 bereits wieder das Messegelaende in der Mainmetropole an. Nicht alle Besucher halten diese Entscheidung fuer sinnvoll. Hilan-Mitarbeiter Eppele etwa favorisiert Berlin als Standort.

Waere die N+I wie im letzten Jahr auch 1995 dort veranstaltet worden, haette sein Unternehmen mit einem eigenen Stand ausgestellt. "Gerade im Hochgeschwindigkeitsbereich tut sich in Berlin sehr viel", begruendet er seine Vorliebe fuer die Bundeshauptstadt.

Die Frage, ob Hilan auf der N+I 96 in Frankfurt ausstellen wird, ist noch nicht entschieden. Bei Ausstellern fuehlte Eppele vorsichtig vor, wie denn die Resonanz seitens des Publikums gewesen sei. "Fuer einige bekannte Hersteller ist der Besucherandrang hinter den Erwartungen zurueckgeblieben ist", gab er die Stimmung wieder. So zeigten sich etwa Firmen wie Microsoft, RAD Network Devices (RND), Legent oder UB Networks mit dem Verlauf, insbesondere mit der Qualitaet der Besucher zufrieden, bestaetigten aber, dass es waehrend des Messeverlaufs auch ungewollt "ruhige Zeiten" gegeben habe.

Softbanks Expo scheint mit dem Verlauf der N+I zufrieden zu sein, zumal deutlich mehr Besucher als im letzten Jahr anreisten. Ob die anvisierte Zahl von 30000 Teilnehmern erreicht wurde, konnte der Veranstalter bis Redaktionsschluss nicht bestaetigen. Auch am Dienstag nach Pfingsten lagen keine konkreten Zahlen ueber der Besucherresonanz vor, denn das elektronische Registrierungssystem hatte dem Veranstalter ein Schnippchen geschlagen - das Netzwerk der N+I war ausgefallen.