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22.05.1987 - 

Brefing Session der International Data Corporation:

Netzdominanz erzwingt Abkehr vom Mainframe

FRANKFURT (vwd) - Der DV-Markt driftet mehr und mehr in eine deutlich dezentralisierte Welt. Arbeitsplatz-Hardware und ihre Vernetzung untereinander sowie zum Zentralrechner wird schon bald zumindest den gleichen Stellenwert einnehmen wie die bisherigen Rechenzentren. Der zunehmende Anteil an den DV-Budgets für typische Endbenutzer-Hardware- und -Software (PC, LAN. Abteilungsrechner) zwingt auch die IBM, ihre gesamte Produktstrategie zu überdenken. Diese Entwicklung skizzierte Francis R. Gens, Vice President der IDC Boston, auf der IDC Briefing Session 87 in Frankfurt. Als Informationszentrum der Anwender rückt damit künftig das Netzwerk immer stärker in den Vordergrund und verdrängt den Großrechner. Damit sei Big Blue gezwungen, seine Strategie in bezug auf Standards und "demokratische" Netzwerke anzupassen, meinte Gens.

Im Gegensatz zu dem relativ konkurrenzarmen Großrechner-Markt wird sich IBM bei "Distributed Systems" härterem Wettbwerb ausgesetzt sehen, da vor allem Großanwender immer stärker nach einheitlichen Standards wie beispielsweise OSI verlangen. Deshalb erwartet Gens, daß die IBM in den nächsten fünf Jahren den Löwenanteil ihrer Ressourcen auf den notwendigen Wandel konzentrieren wird, um ein netzwerkorientierter Anbieter zu werden.

Hauptgebiete für diesen Wandel werden sein:

1) Die Entwicklung von mehr wettbewerbsstarken Endbenutzerprodukten wie PC, Abteilungsrechner LAN und entsprechende Software.

2) Die Entwicklung eines SNA-basierten Netzwerks mit besserer Peerto-Peer-Unterstützung, das sich leichter installieren läßt und eindeutig zu internationalen Standards wie OSI paßt.

3) Das Verfügbarmachen von Netzwerk-Unterstützung auf Applikations-Ebene von OSI/SNA. Dies erfordert auch Produkte zur Integration von Datenbanken, Textsystemen, elektronischen Nachrichtensystemen und so weiter.

Die strategisch wichtigen IBM-Produkte im Zusammenhang mit dieser Strategie sind nach Gens:

1) die 9370 mit dem Betriebssystem VM/IS,

2) das erweiterte Peer-to-Peer-Netzwerk (APPN) und

3) die SAA-Architektur.

Um in dem erwarteten harten Konkurrenzkampf besser mitmischen zu können, wird die IBM eine Low-end-Version der 9370 voraussichtlich noch in diesem Jahr ankündigen und SNA in den nächsten fünf Jahren OSI-kompatibel gestalten. Die neuen IBM-Produktankündigungen in diesem Zusammenhang werden nur schrittweise erfolgen, meinte Gens Doch werde die IBM eine Strategie verfolgen, der Entwicklung von ISO vorzugreifen, um möglichst ihre Standards für noch nicht definierte Produkte durchzusetzen.

Den Vorsprung durch Einführung des IBM Personal System/2 wird IBM nur bedingt nutzen können, da das neue Betriebssystem frühestens Anfang 1988 zur Verfügung stehen wird. Marktbeobachter erwarten bereits ab Mai 1988 die ersten PS/2-kompatiblen Systeme, so daß die Frage offen bleibt, ob IBM mit dem PS/2 den Kompatiblen den Wind aus den Segeln nimmt oder umgekehrt den gesamten PC-Markt derart anheizt, daß auch die Wettbewerber davon profitieren. Diese Ansicht vertrat Martin Hingley, PC-Spezialist der IDC. Bei aller Unsicherheit scheint momentan sicher, daß die nächsten sechs Monate am PC-Markt zu deutlich höherer Konfusion führen werden. So dürften die Modelle PC und PC/XT noch 1987 verschwinden, während 1988 das Ende der PC/AT- und PC/XT-286-Modelle eingeläutet wird, meinte Hingley.

Ab 1988 werden sich die kompatiblen PC-Anbieter entscheiden müssen, ob sie sich auf Marktnischen zurückziehen oder sich auf das Kopieren des PS/2 einstellen. Die DOS-Versorgung dürfte bis auf Ausnahmen (Netzverwaltung, Datenbanksystem) problemlos werden, da das Betriebssystem BS/2 eine Entwicklung von Microsoft ist. Ein PS/2-kompatibles ROM-BIOS soll von Phoenix in rund sechs Monaten vorgestellt werden. Für den Nachbau des PS/2-Hardwaredesigns einschließlich des Microchannel und der IBM-eigenen ICs wird Chips & Technology nach eigener Einschätzung etwa neun Monate benötigen.

Kritisch zu den Großfusionen in der Elektronikbranche äußerte sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nixdorf AG, Arno Bohn, auf der gleichen Veranstaltung. Bohn, der von der Marktforschungsgesellschaft IDC Deutschland GmbH (Eschborn) zum Computermann des Jahres 1987" gewählt wurde, sieht die informationstechnische Industrie vor einer Phase weiterer Veränderungen. Größe als wettbewerbsrelevanter Faktor verliere an Bedeutung. Das Zusammenwachsen der Computer-, Büro- und Nachrichtentechnik stelle an die Unternehmen neue Herausforderungen, denen mancher in unserer Branche durch den Weg in Fusionen oder Zukäufe von Unternehmen zu begegnen sucht", sagte Bohn. Aufkäufe und Fusionen würden allerdings nicht den Prozeß von Kompetenz- und Know-how-Gewinn automatisieren. Die Beibehaltung einer eigenständigen betrieblichen Kultur sei für ihn ein Grund mehr für den Weg des Ausbaus eigener Stärken.

Standards sollen frei machen

Bohn sprach sich dagegen aus, Standardisierungstendenzen und -ergebnisse zu behindern: "Standards machen frei" Die Notwendigkeit offener Standards begründete Bohn mit dem Wunsch der Anwender nach Unabhängigkeit und Emanzipation. Es stelle keine faire Partnerschaft dar, wenn danach gestrebt werde, den Anwender zu beherrschen, stellte Bohn fest. Je vergleichbarer die Technik werde, um so mehr nehme die Bedeutung der Verfügbarkeit von Software zu, deren Qualität das Tempo des Einsatzes neuer Technologien und damit auch des Wachstums der Unternehmen in der informationstechnischen Industrie bestimme. Bohn verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß Nixdorf mehr als 4000 Mitarbeiter für die Herstellung von Anwendungsprogrammen einsetze.

Als eine aus der Sicht des Unternehmens bedenkliche Entwicklung bezeichnete Bohn, daß bei den Konkurrenten eine Tendenz zur Vernachlässigung des direkten Kontakts mit dem Kunden zu beobachten sei. Für Nixdorf stehe der Direktvertrieb nach wie vor im Mittelpunkt der Marktaktivitäten. Das schließe sinnvolle Ergänzungen durch alternative Vertriebsformen jedoch nicht aus.