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06.07.1990 - 

Der Datenkommunikations-Verbund existiert seit 1982

Netze sollen den Hamburger Hafen wieder schnell machen

Im Hamburger Hafen wurden 1989 knapp 60 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen. Um dieses Aufkommen zu bewältigen, müssen Millionen von Dokumenten unterschiedlichster Art zwischen Spediteuren, Umschlagbetrieben, Maklern, Reedern, Tally-Leuten und den Zollbehörden ausgetauscht werden.

Waren- und Ladungsdokumente kamen in früheren Jahren zuweilen später als die zu verschiffenden Stücke an, weil die gelbe Post langsamer war als der Spediteur. Deshalb hatten sich motorisierte Boten etabliert, die den Dokumententransport zwischen den verschiedenen Firmen im Hafen besorgten. Dieser Zustand barg die Gefahr für Hamburg, seinem Ruf als schneller Hafen nicht mehr gerecht werden zu können.

Um die Kommunikation und den Austausch von Dokumenten zu beschleunigen, hat die Gesamthafen-Betriebsgesellschaft 1982 das Datenkommunikations-System "Dakosy" gegründet. Das Unternehmen hat den Umfang der Leistungen Jahr für Jahr erweitert und auf diese Weise immer mehr Teilnehmer gewonnen. Zur Zeit nutzen 180 Firmen die Dienstleistungen von Dakosy. Mehr als 3000 PCs, Fernschreiber, Datenstationen und Firmenrechner von rund 70 verschiedenen Herstellern sind an das Netz angeschlossen. Zur Zeit nehmen 100 Prozent der Kaibetriebe und Tally-Firmen - diese Dienstleister wiegen und vermessen das Ladegut -, 70 Prozent der Linienagenten und Reeder sowie 60 Prozent der Hafenspediteure am Rechnerverbund teil.

Zwei IBM/38 als Speicher und Host

Eine Konfiguration aus zwei IBM/38-Systemen ist das Kernstück des Rechenzentrums. Das erste System speichert die Daten von drei Kommunikationsrechnern; die Datensätze sind standardisiert und können jederzeit von den Endempfängern abgerufen werden. Das zweite System dient als Zentralrechner für alle Teilnehmer, die nicht über eigene EDV-Kapazitäten, sondern lediglich über Daten-Endgeräte (Drucker und Bildschirme) verfügen. Da beide Systeme direkt miteinander verbunden sind, stehen auch diesen Teilnehmern alle Kommunikations-Dienstleistungen zur Verfügung. Die Teilnehmerprüfung und den physischen Transport der Daten leisten zwei IBM-Serie/1- und ein Nixdorf-8860-System als Front-end-Prozessoren.

Dakosy verwendet die international gängigen Standards und Normen: Das Unternehmen beteiligt sich an der Entwicklung der Edifact-Norm, einer Syntax zur Strukturierung elektronisch zu übermittelnder Nachrichten. In der Rechner-Rechner-Koppelung werden neben einem eigenen "Hamburger Standard" auch X.400 und FTAM zur Anmeldung, Protokollierung und Quittierung eingesetzt.

Ursprünglich war nur vorgesehen gewesen, Anträge auf Zwischenlagerplatz an den Kais sowie Begleitdokumente für die Handelswaren zu übermitteln. Nach kurzer Zeit stellte sich jedoch heraus, daß das System auch für die Übertragung anderer Informationen geeignet ist. Deswegen werden heute zusätzlich Nachrichten über Containerbewegungen und Schiffsabfahrten sowie Abrechnungsdaten über das Dakosy-Netz übermittelt.

Vier Anwendungen gehören zu Dakosy

Für kleinere Betriebe, die nicht über eigene Rechner verfügen, hat Dakosy ein Dienstleistungs-Angebot entwickelt, das der Kunde über Daten-Endgeräte in Anspruch nehmen kann. "Seedos" - Seehafen-Dokumentationssystem für Spediteure - ist ein dialogorientiertes System, das dem Seehafen-Spediteur die komplette Dokumentation und Fakturierung erlaubt. Sowohl die Speicherung von Stammdaten und Dokumentenvorlagen als auch die direkte Kommunikation mit den Geschäftspartnern über den Dakosy-Rechner tragen wesentlich zur Rationalisierung und Kosteneinsparung bei.

Weitere Dienstleistungen runden das Angebot ab: Mit "Taldos" können Tally-Betriebe die komplette mit der Abfertigung eines Schiffes verbundene Dokumentation erledigen. Das Container-Dispositions- und Kontrollsystem "Condicos" wurde für Linienagenten entwikkelt, die diese Dienste in Auftrag von Reedereien abwickeln. Die Kommunikation mit den "Hamburger Containerbewegungs-Satz" findet nicht nur innerhalb des Hamburger Hafens statt, sondern auch mit Umschlagbetrieben in Bremen und Rotterdam.

Ein weiteres System ist das Container-Transport-Dispositionssystem "Contradis". Es nutzt die Containerdaten der Kaibetriebe und übermittelt sie der Bundesbahn, die einen großen Teil der Container vom und zum Hafen transportiert. Das System ermöglicht das zielorientierte Sammeln von Importcontainern und die Zusammenstellung von Güterzügen.

Da die Importcontainer für ein definiertes Zielgebiet zum Teil an weit voneinander entfernten Terminals gelöscht werden, ist eine schnelle Kommunikation erforderlich. Mit Contradis ist es möglich, auf dem nächsten der vier Hafenbahnhöfe entsprechende Güterzüge zusammenzustellen und die Container gezielt an den Bestimmungsort zu bringen. Der Bahnhof wird jeweils so gewählt, daß Wege und Zeitaufwand minimiert werden.

Das System reicht jedoch weit über den Hafen hinaus. Über die Gateway-Schnittstelle der Bundesbahn werden die Contradis-Daten mit der Containervormeldung (CVM) der Bahn ausgetauscht. Unmittelbar nach der Verladung im Hafen gehen die Daten an alle betroffenen Umschlagbahnhöfe im Bundesbahn-Bereich, so daß bereits vor der Ankunft des Zuges disponiert werden kann. Ebenso meldet die Bahn alle zur Verschiffung bestimmten Container an Contradis, so daß den Kaibetrieben die notwendigen Daten rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Im Rahmen des vom Bundesminister für Forschung und Technologie geförderten Projektes "innovative Seehafentechnologien" (Isetec) ist die Hamburger Hafenwirtschaft mit Dakosy an mehreren Projekten beteiligt. Noch in diesem Jahr soll die Gefahrgut-Abwicklung im Hafen durch den Einsatz des Kommunikations-Netzwerkes transparenter und sicherer werden.

Bei einigen Bränden im Hafen hatte die Feuerwehr in den vergangenen Jahren keine Kenntnisse von der Beschaffenheit der in den brennenden Schuppen lagernden Waren. Die exakte Erfassung von Transport und Lagerung aller Gefahrgüter kann natürlich keine Unglücksfälle verhindern, macht sie jedoch leichter beherrschbar.

Seit kurzem auch Bundesbahn-Daten

Im Mai dieses Jahres hat die Bundesbahn im Rahmen von Isetec ihr System "Habis", das Hafenbahn-Betriebs- und Informationssystem in Betrieb genommen. Es erweitert den mit Contradis bereits realisierten Informationsfluß auf sämtliche Angebote der Bundesbahn im Hafen, sofern die Einzelladungen mindestens einen Güterwagen benötigen. Damit läßt sich auch der konventionelle Stückgut-Verkehr schneller abwikkeln.

Ein weiteres Projekt soll die Zollverwaltung in die rechnergestützte Importabwicklung einbeziehen. Die Abfertigung kann wesentlich vereinfacht werden, wenn die Kontrollbeamten die Daten bereits vor der Ankunft des Lkw haben oder sie aus dem Zentralrechner ohne Zeitverlust abrufen können.

Eines der wichtigsten Projekte ist jedoch die Entwicklung einer einheitlichen Schnittstelle für alle Hafenbetriebe, Transportunternehmen und Hafenkunden. Diese "Hafensteckdose" soll den universellen Einsatz

des vorhandenen Netzwerks und die Kommunikation mit anderen europäischen Seehäfen erleichtern.