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24.10.1980

Netzhemdchen

Es gibt wieder mehr Kongresse. Man findet sie im Troß von Messen. Allein die Orgatechnik '80 begleiten drei Fachveranstaltungen: KTV '80, Dafta '80 und Telecom '80. Für Abkürzungsmuffel: Der "lnternationale Kongreß für Textverarbeitung", die "4. Datenschutzfachtagung der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherung" und der "Fachkongreß für organisierte geschäftliche Telekommunikation".

Im harten Wettbewerbsklima des bundesdeutschen DV-Schaugeschäftes stand die Kölner Messe, spezialisiert auf Gegenstände für den täglichen Bürogebrauch und erst 1978 zum semimondänen Computersalon herausgeputzt, bisher etwas im Schatten von Hannover und München.

Jetzt hat man also den ersten Telecom '80 an den Rhein gezogen und kann sich was die nationale und internationale Beteiligung betrifft, zumindest mit der "Systems" messen, die ihrerseits in den vergangenen Jahren eine Wandlung hin zum Erstanwender-Shop durchgemacht hat.

Ob Systems mit Symposien und Europäischem Mikrofilm-Kongreß oder Orgatechnik mit KTV, Dafta und Telecom - das "Kongreß-Messe" - Konzept hat sich durchgesetzt. Es belebe, meinen die Veranstalter, das Messegeschäft. Jede Podiumsdiskussion fördere das DV-Verständnis der Laienbesucher und steigere das Interesse am Ausstellungsangebot.

Zugegeben: Die in den "Kongreß-Messen" gefundene Form der Verbindung von "Schau und Unterricht" mag aus der Sicht der Messegesellschaften ein interessanter und vor allem lukrativer Weg sein, DV-, TV- und Telekommunikationsanbieter als Aussteller zu gewinnen.

Aber begehen die Messe-Strategen nicht einen Fehler, wenn sie die Planung ohne den qualifizierten Fachbesucher machen?

Man braucht sich nur die Teilnehmerzahl der Datenschutzfachtagung anzusehen, um zu erkennen, daß die "Müdigkeit" der Datenschützer nicht nur tagungs- und tagespolitische Gründe hat. Die Datenverarbeiter sind kritischer geworden - auch oder gerade gegenüber externen Bildungs-Happenings, die mit unklarem Anspruch angekündigt werden.

Daß der Telecom-Kongreß nach dem Vorverkauf aus den Nähten zu platzen droht, widerlegt diese These nicht. Ein volles Haus garantiert noch keinen rauschenden Premieren-Erfolg. Gewiß: Das Interesse von zukünftigen Anwendern der Telekommunikation an dieser Veranstaltung ist groß. Doch dies liegt eindeutig am Kongreß-Leitthema "Informations- und Telekommunikationssysteme der achtziger Jahre - eine Herausforderung für Anwender, Hersteller, Bundespost und Wissenschaft ". Bravo: Da taucht er im Take-off auf, der Anwender, um dann (Buh!) für den weiteren Kongreßverlauf vom Podium zu verschwinden. Die Sprechrollen sind mit anderen Akteuren besetzt.

Den Telecom-Verantwortlichen kann der Vorwurf nicht erspart werden, sie hätten sich zu sehr auf Hersteller-Referenten gestützt. So schwierig es ist, Leute zu finden, die vermitteln können, was sie über Telekommunikation wissen: Mußte denn gleich die ganze Branche eingeladen werden? In der Tat haben alle Hersteller, die ein X. 25-Geschäft wittern, ihren Telecom-Auftritt und sei das "Netzhemdchen" auch noch so kurz. An sich gehörte so etwas in die Werbung und nicht ins Hauptprogramm.

Ein Trost bleibt: Erfahrungsgemäß kommen auf einen Hersteller-Referenten vier Hersteller-Teilnehmer. Und so dürfte sich rein rechnerisch kein echter Anwender unter den Telecom-Zuhörern befinden. Im Klartext: Hersteller, Bundespostler und Wissenschaftler sind unter sich. Das hätte man, bitteschön, auch gleich sagen können.