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Störungsfreie Datenfernverarbeitung bei der Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG:


26.08.1983 - 

Netzüberwachung durch Eigendiagnosesystem

Komplexe Datenfernverarbeitungssysteme erfordern eine optimale Verfügbarkeit, die sich nur durch permanente Netzüberwachung erreichen läßt. Da es in einem Netz verschiedene Zuständigkeiten gibt - beispielsweise unterschiedliche Hersteller und Anbieter für Zentralrechner, Übertragungswege und Terminals -, steht der Anwender immer wieder vor der Frage, wer für einen aufgetretenen Fehler zuständig ist. Verfügt er über ein Netzüberwachungs- und Eigendiagnosesystem, so kann er einen aufgetretenen Fehler definieren exakt lokalisieren und die Störung schnell beheben.

Ein solcher Anwender ist die Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG, die seit 1981 mit einem Unilog-System von Honeywell Bull arbeitet und bisher nur positive Erfahrungen gemacht hat.

Das Unternehmen betreut etwa 6,7 Millionen Versicherte im Lebensversicherungsbereich mit einer Gesamtversicherungssumme von rund 52 Milliarden Mark. Knapp 2 Milliarden Mark beträgt die jährliche Beitragseinnahme. Von den rund 8500 festangestellten Mitarbeitern der Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG sind rund 4680 im Außendienst tätig. Außerdem werden etwa 4400 nebenberufliche Außendienstmitarbeiter beschäftigt. Die Provisionsabrechnung für diese insgesamt über 9000 Außendienstmitarbeiter war der Anstoß für den Aufbau eines Datenverarbeitungsnetzes, das 1981 in Betrieb genommen wurde. Zuvor erfolgte die Abrechnung noch dezentral.

Mit der Datenfernverarbeitung laufen diese Vorgänge nun wesentlich schneller ab. Die für die Provisionsabrechnung erforderlichen Mitarbeiterdaten werden beim Erfassen der abgeschlossenen Versicherungsanträge in Hamburg mit übernommen. Bei der anschließenden Batch-Verarbeitung der Verträge in der Nacht erfolgt auch die Abrechnung für die Vertreter. Schon am nächsten Morgen stehen die Abrechnungsdaten zur Verfügung und können von den einzelnen Bereichsverwaltungen abgerufen werden. Änderungen und Korrekturen der Daten lassen sich jetzt in der Außenstelle über ein Terminal vornehmen.

Über die Datenfernverarbeitungsleitungen haben die Bereichsverwaltungen auch Zugriff zu einem Teil der rund 70 Auskunftsprogramme der Zentrale. Damit wird die Arbeit in den Außenstellen wesentlich erleichtert.

Die rund 120 Drucker- und Bildschirmterminals im Fernverarbeitungsnetz (auf einem Typenraddrucker kommen etwa drei Bildschirmeinheiten) sind über Steuereinheiten draußen und einen Kommunikationsrechner in der Zentrale mit dem Host-Rechner verbunden.

Zehn HfD-Leitungen (Hauptan(..)schlüsse für Direktruf) mit 9600 beziehungsweise 4800 (letztere nur für Berlin und Bremen) Bit/Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit verbinden die 22 Bereichsverwaltungen mit Hamburg. Bedingung der Deutschen Bundespost für die Installation der Datenfernverarbeitung war, daß die Übertragung über das digitale IDN, das Integrierte Text- und Datennetz der Post, ablaufen sollte. Die Verbindung zu den Außenstellen erfolgt über Synchronknoten SK 12 der Post, die einen Mehrpunktbetrieb ermöglichen, so daß über die zehn Leitungen die 22 Bereichsverwaltungen erreicht werden können.

Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

Aus Gründen der Ausfallsicherheit wollte man die beiden vorhandenen Kommunikationsrechner ITT 3805 und IBM 3705 gegenseitig als Back-up-Maschinen benutzen. Das erforderte jedoch einen Umschalter zwischen den beiden Rechnern. Bei der Suche nach einem geeigneten Gerät kam Udo Ristau, TP-Koordinator der Hamburg-Mannheimer, erstmalig mit Unilog in Berührung.

Er erkannte, daß sich mit diesem System quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen ließen: Über die Kanaleinschübe von Netlog, dem Grundelement von Unilog, ließ sich die Umschaltung von der IBM 3705 auf die ITT 3805 einfach vornehmen. Gleichzeitig stand aber auch ein komfortables Netzüberwachungssystem zur Verfügung.

Mittlerweile verfügt die Hamburg-Mannheimer über eine fast vollständige Unilog-Ausrüstung mit Netlog, Mikrolog und der Prozedurüberwachung in folgender Konfiguration: Jeder der zehn Datenverbindungen ist ein Kanaleinschub zugeordnet, der zwischen Datenübertragungseinrichtung (Modem) und Datenendeinrichtung (hier der Kommunikationsrechner IBM 3705) geschaltet ist und beide mit einer aktiven Schnittstelle bedient. Über diese Kanaleinschübe läßt sich auch die Umschaltung auf den Steuerrechner ITT 3805 vornehmen. Das Umschalten und Zuordnen der Kanaleinschübe erfolgt über die Konsole der Zentralstation von Unilog, des Mikrolog-Z. Ein weiterer Einschub in der Zentrale dient der Prozedurüberwachung.

Netzüberwachung nahezu komplett

In jeder Außenstelle befindet sich - ebenfalls zwischen Datenübertragungseinrichtung und Datenendeinrichtung (hier Steuereinheit IBM 3274) - eine bedienerlose Außenstation Mikrolog-A als Ansprechpartner für das Mikrolog-Z. Alle Stationen sind mit einem Mikroprozessor Intel 8085 ausgerüstet.

Die Mikrolog-Geräte haben die Aufgabe, die Datenverbindung zwischen zwei Datenendeinrichtungen zu prüfen, Fehler zu erkennen und zu lokalisieren. Das Anpassen an die Gegebenheiten einer Datenverbindung erfolgt bei der Zentralstation durch Drehschalter; bei den bedienerlosen Außenstationen stellt man diese Werte fest ein. Jedem Mikrolog-A kann eine eindeutige Adresse zugeordnet werden, eine Veraussetzung für das Arbeiten in Multipoint-Verbindungen. Das Bedienen der Zentralstation erfolgt bei der Hamburg-Mannheimer über eine Bildschirmkonsole.

Die am häufigsten auftretenden Störungen in der Datenübertragung dürften in einer Unterbrechnung der Verbindung liegen. Ein entsprechender Fehlercode auf dem Dialogbildschirm des Sachbearbeiters zeigt an: "Die Leitung ist weg." In Hamburg meldet der Sachbearbeiter die Störung bei der TP-Leitstelle, die den Fehler mit Hilfe von Unilog einzugrenzen sucht.

Häufigste Störung: "Die Leitung ist weg"

Da der Fehler in der Übertragungsleitung selbst, aber auch in der Steuereinheit des Datenendgerätes liegen kann, schaltet der Operator an der Konsole über den entsprechenden Unilog-Kanaleinschub das Mikrolog-Z zwischen Datenendeinrichtung und Modem und trennt damit die Verbindung zur Datenendeinrichtung ab. Als nächstes sendet er eine Anschaltinformation an den entsprechenden Mikrolog-A, der daraufhin die Verbindung zu seiner Datenendeinrichtung automatisch trennt. Anschließend tauschen Zentralstation und Außenstation selbsttätig eine Folge von Prüfblöcken aus, wobei sich die Testtiefe von Block zu Block steigert. Ein erkannter Fehler wird dem Bediener auf dem Bildschirm gemeldet.

Alle diese Vorgänge laufen in einer Prüfsequenz automatisch ab und werden nur durch einen Tastendruck des Bedieners eingeleitet. Dieser kann die Prüfblöcke aber auch einzeln aufrufen, wenn er glaubt, damit einen bestimmten Fehler besser einkreisen zu können. Wenn zum Beispiel die Verbindung nur "schlecht" ist, aber nicht ausfällt (das zeigt sich beispielsweise in zu langen Antwortzeiten infolge häufiger Wiederholungen), so wählt der Bediener den Prüfblock aus, von dem er annimmt, daß er diesen Fehler am besten diagnostizieren kann. Ristau berichtet von einem solchen Fall, bei dem sich durch Senden eines Prüfblocks mit ausschließlich binären "1"-Impulsen herausfinden ließ, daß ein Verstärker des betreffenden Modems defekt war. Mit dem von der Post üblicherweise verwendeten 511-Bit-Test gemäß CCITT wäre der Fehler nicht entdeckt worden.

Es besteht auch die Möglichkeit, mit dem Schleifentest nur einzelne Abschnitte einer Datenverbindung zu testen. So kann man beispielsweise nur ein Modem überprüfen, indem man die hinter dem Modem ankommenden Informationen unmittelbar an die Sendestation zurückleitet, wo sie mit den gesendeten Daten verglichen werden können. Diese Schleifenbildung ist sowohl in der Zentralstation als auch in einer Außenstation möglich. Die Betätigung der notwendigen Schaltelemente kann je nach Modem-Typ manuell vor Ort oder ferngesteuert durch die Übermittlung besonderer Signale erfolgen.

Der Anwender kann für das Testen mit Mikrolog die von Honeywell Bull bereitgestellten Prüfblöcke verwenden, er hat aber auch die Möglichkeit, eigene Prüfblöcke mit bis zur 256-Byte-Länge selbst zu definieren und sogar eigene Anwendungsprogramme einzusetzen. In Hamburg hat man sich für den ersten Weg entschieden und fährt gut damit.

Testen auf der Prozedurebene

Störungen in einem Kommunikationsnetz treten nicht nur im Bereich der Übermittlungstechnik, sondern auch in der Software für die Prozedur- oder Protokollsteuerung auf. Mit der dritten Komponente von Unilog, dem Prolog (Prozedurorientierte Test- und Diagnoseeinrichtung), sollen die Softwareprobleme der Prozedur- und Protokollsteuerung erkannt und gelöst werden.

Die Prozedurüberwachung wird ebenfalls über die Mikrolog-Konsole aufgerufen und ermöglicht es, Abweichungen von den Prozedurvorschriften während des Dialogs zu erkennen, zu speichern und aufzulisten. Für die Standardprozeduren (zum Beispiel HDLC und BSC) stehen entsprechende Prograrnm-Modulen zur Verfügung. Software für weitere Prozeduren (bei der Hamburg-Mannheimer beispielsweise SDLC) kann vom Anwender hinzugefügt werden. Der Prozedurüberwachungseinschub läßt sich über die Konsole auf jeden Kanaleinschub aufschalten; es kann aber auch jedem Kanaleinschub ein Prozedurüberwachungseinschub fest zugeordnet werden. Die Hamburger TP-Fachleute haben sich für nur einen zentralen Prozedurüberwachungseinschub entschieden.

Knapp 90 000 DM kostete der Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG das komplette Unilog-System - angesichts des Gesamtwertes der installierten Rechnerkapazität eine relativ bescheidene Summe. Da das digitale IDN, das von der Deutschen Bundespost erst seit 1981 angeboten wird, besonders in der Anfangszeit recht viele Störungen aufwies (Richtfunkstrecken fielen bis zu 30 Stunden aus), war man in Hamburg recht froh, eine Unterbrechung immer exakt definieren und lokalisieren zu können. Heute läßt Ristau die Leitungen täglich routinemäßig von Unilog überprüfen.

Über die Diagnose hinaus soll Unilog bei der Hamburg-Mannheimer noch weitere Funktionen übernehmen. So kann man beispielsweise das Inbetriebsetzen einer Steuereinheit in einer Außenstelle von der Zentrale aus ferngesteuert über einen Kontakt im Mikrolog-A vornehmen. In Zukunft will man das An- und Abschalten morgens und abends nur noch mit Unilog fernsteuern.

Kristin Mierzowski ist Fachjournalist in Leonberg.

Der vorliegende Beitrag ist die gekürzte Fassung eines Artikels, der in der Honeywell-Bull-Zeitschrift "Informationssysteme aktuell" Nr. 3, 1982, erschienen ist.