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05.05.1995

Netzwerk-Betriebssyteme/Microsoft macht im Networking an Boden gut Wenn sich zwei Marktgroessen streiten, freut sich der Anwender. Diese

Devise gilt inzwischen auch im Markt der Netzwerk-Betriebssysteme, wo Microsoft und Novell heftig um die Gunst der Kaeufer buhlen. Windows NT Server 3.51 oder Netware 4.1 lautet die Frage - die sich wie bei jeder Entscheidung nicht zweifelsfrei beantworten laesst.

Von Eric Tierling*

Seit den Anfaengen der PC-Revolution hat Microsoft zahlreiche Erfolge fuer sich verbuchen koennen, die aber Client-basierenden Ansaetzen entstammen: Alle Aufgaben werden rein vom lokalen PC erledigt. Erst spaet trat auch die Gates-Company auf den Plan der vernetzten Informationsverarbeitung: Dem ersten Versuch namens "MS-Net" war keine grosse Verbreitung beschieden. Der auf - einst von IBM und Microsoft als MS-DOS-Nachfolger propagierten - OS/2 fussende LAN-Manager und seine Derivate konnten ebenfalls nur bescheidene Erfolge fuer sich verbuchen.

Inzwischen hat sich die Situation grundlegend geaendert: Mit "Windows fuer Workgroups" sind Arbeitsgruppen-orientierte Netzwerkfunktionen nach Peer-to-peer-Manier in die Benutzeroberflaeche Windows 3.1 eingeflossen. Beim kommenden "Windows 95" sind die Netzwerkfunktionen gleich fest in den Betriebssystem-Kern integriert. Windows NT schliesslich ist ein Client-Server-Netzwerk-Betriebssystem, das, mit grafischer Oberflaeche versehen, eine komfortable Verwaltung erlaubt. Waehrend die Workstation-Ausfuehrung fuer High-end-Clients und kleinere Netzwerke fuer Arbeitsgruppen gedacht ist, wurde die Server- Variante vollstaendig auf Networking ausgelegt.

Netware mit anerkanntem Client-Server-Verfahren

Novells Aufstieg begann Mitte der 80er Jahre mit Einfuehrung der "Advanced Netware", die ihre Nachfahren in Netware 3.1x und schliesslich der aktuellen Netware 4.1 fand. Alle Loesungen von Novell (mit Ausnahme von "Personal Netware") sind direkte Netzwerk-Betriebssysteme und arbeiten im Client-Server-Verfahren.

Die grosse Verbreitung vor allem von Netware 3.11 und zahlreiche Erweiterungen haben dafuer gesorgt, dass Netware inzwischen den De- facto-Standard bei Netzwerk-Betriebssystemen darstellt. Netware 4.1 verkoerpert den Nachfolger der hauseigenen 3er Generation und soll Netware 3.1x ueber kurz oder lang abloesen.

Davon ausgehend, buhlen sowohl Windows NT als auch Netware 4.1 vor allem darum, die Nachfolge von Netware 3.1x anzutreten. Die Erfolgsaussichten von NT Server 3.51 sind deutlich hoeher als bei den Vorgaengern: Zum erstenmal hat Microsoft mit diesem Produkt seine bisherige fast zum Dogma erhobene Strategie aufgegeben, nur auf selbstkreierte Standards zu setzen. So spricht das Produkt nun fliessend die beiden weitverbreiteten Protokollstandards IPX/SPX und TCP/IP - die Netbeui-Unterstuetzung erhaelt ihre Berechtigung eher aus Gruenden der Kompatibilitaet.

Ueber die mitgelieferte Client-Software finden DOS-, Windows 3.x-, Windows fuer Workgroups-, NT- sowie Macintosh-Rechner Zugang zu NT 3.51. Die in der Server-Ausfuehrung enthaltenen Gateway-Services for Netware gestatten es Workstations, auf denen lediglich die Client-Software von Microsoft installiert ist, auf die Datei- und Druckdienste eines Netware-Servers zuzugreifen. Mit den in der Betaphase befindlichen File and Print Services for Netware, deren Preis und Erscheinungstermin noch unklar ist, koennen Workstations mit installierter Novell-Client-Software auf einen NT-Server zugreifen und Administratoren zur Definition von Benutzern, Zugriffsrechten etc. sogar das Novell-eigene Syscon-Menue-Utility benutzen.

Der Betrieb eines NT-Rechners als IPX-Router eroeffnet interessante Moeglichkeiten in einem Novell-Umfeld, und die oftmals nicht eben triviale Konfiguration von TCP/IP-Clients laesst sich dank dem integrierten, von der IETF (Internet Engineering Task Force) entwickelten DHCP-Verfahren angenehm vornehmen. Wer diese Protokolle nicht nur zur internen, sondern auch zur externen Kommunikation einsetzt, erhaelt viel Zubehoer kostenlos mitgeliefert: Der "Remote Access Service" (RAS) von NT 3.51 versteht alle drei Protokolle, so dass Verbindungen zu Netware Connect ueber IPX oder ueber IP zum Internet out-of-the-box durchfuehrbar sind. Dabei unterstuetzt RAS neben Modemverbindungen auch solche ueber X.25 oder ISDN.

Netware 4.1 versteht ebenfalls IPX und besitzt Router- Funktionalitaet fuer IP und Appletalk. Mit Netware 4.1 hat Novell das Link-State-Routing-Protokoll NLSP (Netware Link Services Protocol) eingefuehrt, das als kostenlose Erweiterung auch fuer Netware 3.1x erhaeltlich ist: NLSP loest den bisherigen RIP/SAP- Routing-Mechanismus von Netware ab, der in weitverzweigten Netzen oder WAN-Umgebungen zur Ineffektivitaet neigt. Zur Client-Anbindung ueber IPX liefert Novell die passende Software fuer DOS-, Windows- 3.x-, Windows-for-Workgroups-, OS/2- sowie Macintosh-Rechner mit.

Novell-Gutschein fuer IP-Client-Software

Zum Lieferumfang von Netware 4.1 gehoert ferner Netware/IP, das die Anbindung von DOS-basierenden Clients mittels IP statt ueber IPX mittels IP erlaubt. Da die Entwicklung von Netware/IP aber bei der Vorstellung von Netware 4.1 noch nicht abgeschlossen war (soll noch im zweiten Quartal 1995 erfolgen), liegt dieser ein Gutschein zum kostenlosen Erwerb der IP-Client-Software bei. Ebenfalls noch nicht im Produkt enthalten ist der Netware-Client fuer NT, der - bereits fuer September 1993 versprochen - nun endlich im Mai auf den Markt kommen soll.

Dieser unterstuetzt im Gegensatz zu der von Microsoft entwickelten Loesung nicht nur Bindery-Verbindungen, sondern auch die zur vollen Nutzung von Netware 4.1 wichtigen Verbindungen im NDS-Modus. Ausserdem soll er neben IPX auch IP verstehen. Unterstuetzung fuer entfernte Verbindungen e la RAS gehoert jedoch nicht zum Lieferumfang von Netware 4.1; hierzu ist vielmehr das separate Produkt

"Netware Connect" zu erwerben.

Leistung zaehlt zu den wichtigsten Features eines Netzwerk- Betriebssystems, schliesslich sollen alle Anfragen der Clients so schnell wie moeglich beantwortet werden. Microsoft unterstuetzt daher den Einsatz mehrerer Prozessoren im Server, wenn auch die dadurch erreichte Leistungssteigerung Experten zufolge sehr unterschiedlich ausfaellt. Dabei ist das Produkt nicht auf x86- basierende CPUs angewiesen: Windows NT Server 3.51 laeuft sowohl auf Intel-Rechnern als auch auf PCs mit Alpha-, MIPS- oder Power- PC-Prozessoren.

Novell hingegen arbeitet derzeit ausschliesslich auf Ein-Prozessor- Maschinen mit x86-CPU. Die multiprozessorfaehige Variante von Netware 4.1 soll im Sommer erscheinen. Eine prozessorunabhaengige Ausfuehrung von Netware hingegen - auch als "Processor Independent Netware" oder "PIN" bekannt - laesst weiter auf sich warten: Schon waehrend der Systems '93 in einer Betaversion auf einem HP-Rechner gezeigt, ist bis heute keine PIN-Variante in Sicht. Zudem sind einige ehemalige PIN-Partner wie etwa Hewlett-Packard wieder abgesprungen, ob eine Adaption fuer Apple- oder Sun-Rechner noch 1995 erscheint, ist derzeit nicht klar. Vielleicht kommt die erste prozessorunabhaengige Netware von Microsoft - in Verbindung mit den bereits erwaehnten File and Print Services for Netware, die auf allen von NT 3.51 unterstuetzten Rechnerplattformen laufen.

Was die Fehlertoleranz betrifft, so verfuegen sowohl NT 3.51 als auch Netware 4.1 ueber Mechanismen, mit denen sich die im Server installierten Festplatten spiegeln oder samt Controller duplexen lassen, so dass ein Ausfall dieser Hardwarekomponenten das Netzwerk nicht lahmlegt.

NT 3.51 gestattet in der Server-Ausfuehrung zudem den Betrieb der Festplatten als Disk-Array nach Raid 5. Beim Betrieb zum Beispiel mit drei Festplatten gleicher Groesse ist dabei lediglich rund ein Drittel der gesamten Speicherkapazitaet nicht nutzbar, waehrend beim Disk-Mirroring oder -Duplexing nur noch die Haelfte dessen zur Verfuegung steht.

Novell hat bei Netware 4.1 auf eine solche Software- Implementierung von Raid 5 verzichtet und setzt auf hardwarebasierende Loesungen der einschlaegigen Anbieter (Micropolis, Storage Dimension etc.). Dafuer bietet Netware 4.1 jedoch mit "SFT-III" ein Fehlertoleranz-Feature, ueber das NT 3.51 nicht verfuegt.

Hierbei werden nicht nur Teile des Servers, sondern gleich der gesamte Server-Rechner gespiegelt, so dass das Netzwerk auch bei einem Ausfall einer beliebigen Komponente (Hauptplatine, Netzteil etc.) ohne Ausfall weiterarbeiten kann. Im Gegensatz zum "Vorgaenger" Netware 3.11 SFT-III arbeitet die 4.1er Implementierung mit erheblich mehr, wenn auch nicht mit allen Zusatzprodukten fuer Netware 4.1 zusammen. Wo es auf hoechste Zuverlaessigkeit ankommt und eine "Downtime" des Servers aufgrund von Hardware-Ausfaellen ausgeschlossen werden muss, stellt dieses Verfahren die erste Wahl dar. Allerdings muss der Kunde neben der Netware-4.1-Lizenz separat eine weitere fuer den Betrieb des Spiegel-Servers im SFT-III-Modus erwerben.

Zu den taeglichen Aufgaben der Benutzer zaehlt die Anmeldung am Netzwerk sowie dessen Nutzung; das Gebiet von Administratoren umfasst zudem die Verwaltung der einzelnen Ressourcen. Beide Kontrahenten beherrschen das "Single-Logon", das eine Anmeldung an allen Netzwerkressourcen, unabhaengig vom zugehoerigen Server in einem Durchgang erlaubt. DOS- und Windows-basierende Programme beziehungsweise spezielle Ausfuehrungen fuer den Macintosh ermoeglichen das Ansprechen der einzelnen Datei- und Druckdienste.

Dokumentation laesst sich ueber DOS nicht abrufen

Die Dokumentation liefern die Hersteller ebenfalls in elektronischer Form mit: Microsoft setzt hierbei auf das in Windows integrierte Hilfesystem; Novell hat ein eigenes Anzeigeprogramm "Dynatext" gewaehlt. Beiden gemein ist jedoch die fehlende Moeglichkeit, die elektronische Dokumentation auch ueber DOS abzurufen. Die Verwaltung von NT 3.51 erfolgt ueber grafische Utilities von einem NT-Rechner oder (ab der NT-Version 3.5) einem PC aus, auf dem Windows 3.1x oder Windows for Workgroups 3.1x laeuft. Novell legt seiner Netware 4.1 Utilities bei, die eine Administration sowohl zeichenorientiert ueber DOS als auch grafisch ueber Windows oder OS/2 gestatten.

Wie bei einem Auto, das sich nur mit dem richtigen Sprit in Bewegung setzt, koennen auch Netzwerke ihre Vorteile erst dann entfalten, wenn genuegend Erweiterungen vorhanden sind.

Netware hat bei Add-ons weiterhin die Nase vorn

Sowohl NT 3.51 als auch Netware 4.1 warten mit eingebauter, wenn auch mitunter ein wenig spartanischer Unterstuetzung beispielsweise fuer Backup, E-Mail oder USV-Ansteuerung auf. Abgesehen von Datenbankloesungen, die von Herstellern wie Oracle oder Sybase fuer beide Plattformen angeboten werden, sind bisher nur wenige Add-ons fuer NT 3.51 erhaeltlich. Hier hat Netware 4.1 mit unzaehligen Erweiterungen aus dem eigenen Haus oder von Drittherstellern die Nase vorn - angefangen von Antiviren-Loesungen ueber Atomuhr-Module und Faxprogramme bis hin zu Verwaltungs-Tools, was zweifelsfrei aus der Popularitaet von Netware 3.1x resultiert.

Ueber die Bindery-Emulation sind die einzelnen Produkte zum grossen Teil aber auch unter Netware 4.1 lauffaehig, obwohl dabei die Vorteile der NDS nicht zur Verfuegung stehen. Bis zum Sommer sollen mehrere Erweiterungen mit vollstaendiger Unterstuetzung der NDS und damit auch von Netware 4.1 erhaeltlich sein.

* Eric Tierling ist freier Journalist in Leichlingen.