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01.12.1995

Netzwerk-Management/Proprietaere Management-Produkte bevoelkern den Markt Universitaet Karlsruhe sucht die eierlegende Wollmilchsau

01.12.1995

Nach sieben Jahren Erfahrung im Management des Hochschulnetzes Klick (Karlsruher Lichtwellenleiter Kommunikationsnetz) zieht das Rechenzentrum der Universitaet Karlsruhe Bilanz. Dabei gehen die Autoren Reinhard Strebler, Rainer Steinmueller, Stephan Schertel und Wilhelm Fries* in ihrem Beitrag zwei Fragen nach. Erstens: Wie gross ist die Diskrepanz zwischen den Versprechungen der Hersteller von Management-Systemen und der Realitaet? Zweitens: Sind die Anforderungen der Administratoren an Management-Tools uebertrieben hoch?

Es begann im Jahr 1988 mit dem ersten FDDI-Ring Europas. Damals noch mit vier Knotenrechnern der Firma Fibronics und einem PC als Management-Plattform. Die Knoten verknuepften vier Ethernet-LANs auf Coax-Basis mit rund 100 Endgeraeten. Heute ist dieser urspruengliche Backbone in drei FDDI-Ringe mit insgesamt ueber 30 Knoten aufgeteilt, die mehr als 60 Ethernet-LANs miteinander verbinden. Diese sind dabei laengst nicht mehr auf Coax-Basis beschraenkt. Innerhalb der Gebaeude wird im wesentlichen auf strukturierte Verkabelungen (Twisted Pair, Kategorie 5) gesetzt. Insgesamt bedient das campusweite Klick-Netz heute ueber 5300 Endknoten verschiedenster Hersteller mit unterschiedlichen Protokollwelten.

Netzausdehnung machte Management erforderlich

Um diese grosse Zahl von Anschluessen realisieren zu koennen, reichen die FDDI-Knoten natuerlich nicht aus. Vielmehr werden ab den jeweiligen Knoten die Gebaeude-LANs durch kaskadenfoermige Sternstrukturen versorgt, die ueberwiegend mit Cabletron-Hubs realisiert sind. Dabei kommen zur Zeit 160 Hubs zum Einsatz, die in der Lage sind, zwischen den Gebaeuden beziehungsweise den Etagen je nach Institutsaufteilung eine Netzlastentkopplung vorzunehmen.

Bereits im Jahr 1989 war absehbar, dass im Laufe des weiteren Ausbaus des Universitaetsnetzes einige hundert aktive Netzkomponenten erforderlich sein werden. Damals fiel die Entscheidung, dafuer ausschliesslich Knoten einzusetzen, die das Simple Network Management Protocol (SNMP) beherrschen. Mit dem Einsatz von SNMP-faehigen Netzkomponenten allein kommt man dem Ziel, ein derartig grosses und heterogenes Netz in den Griff zu bekommen, jedoch nur bedingt naeher. Die von diesen Komponenten gelieferte Informationsflut muss zentralisiert, grafisch aufbereitet und dokumentiert werden. Umgekehrt sollten diese Komponenten aufgrund der gelieferten Daten von zentraler Stelle aus steuerbar sein. Deshalb hat das Rechenzentrum der Universitaet Karlsruhe fruehzeitig mit der Auswahl eines Systems begonnen, das diesen Aufgaben gewachsen ist. Dabei standen neben den allgemeingueltigen Anforderungen fuer Softwaresysteme (Stabilitaet, Benutzerfreundlichkeit, Transparenz, Performance, Kontinuitaet etc.) folgende spezielle Anforderungen im Vordergrund :

- Multiuser-Faehigkeit. Die Komplexitaet der zu bewaeltigenden Aufgaben erfordert die Verteilung auf mehrere Personen mit verschiedenen Zugriffsrechten.

- Ausgewogene Netzbelastung. Eine zusaetzliche Belastung des Netzes durch das Management laesst sich nicht vermeiden. Diese Last sollte jedoch so gering wie moeglich gehalten werden (zum Beispiel keine Polling-Storms, Einsatz von SNMP-Traps etc.).

- Datenbankanbindung. Die Wichtigkeit der Daten erfordert die Kopplung mit einer Datenbank, um eine sichere und konsistente Datenhaltung zu gewaehrleisten. Dies betrifft in erster Linie den Bestand der zu verwaltenden Objekte.

- Offenheit. Netzueberwachung und Komponentenkonfiguration sind nur Teilbereiche eines umfassenden Managements. Bereiche wie System- und Kabel-Management sowie Trouble-Ticketing muessen integrierbar sein.

- Herstellerneutralitaet. Wegen der Heterogenitaet des Netzes muessen Komponenten verschiedener Hersteller verwaltet werden.

- Multiprotokollfaehigkeit. Um unterschiedliche Topologien managen zu koennen, muessen ausser SNMP auch andere Protokolle wie CMOT und SMT unterstuetzt werden.

Eine Marktanalyse sowie intensive Tests mit den Plattformen HP- Openview, Sunnet Manager, Netview/6000, Interview, NMC3000, Lance+ und Spectrum zeigten Anfang 1991, dass keines der Systeme obige Anforderungen vollstaendig erfuellte. So war zum Beispiel nur Interview in der Lage, den FDDI-Backbone vernuenftig zu managen, da es als einziges System SMT direkt unterstuetzte. Andererseits konnte die Hub-Welt damit nicht verwaltet werden, weil es nicht herstellerneutral war.

Damit war klar, dass an der Universitaet Karlsruhe zwei Management- Systeme zum Einsatz kommen mussten. Ein Umstand, der mit all seinen Nachteilen - etwa doppelte Datenhaltung oder unterschiedliche Oberflaechenbedienung - bis heute Bestand hat.

In der Hub-Landschaft entschied man sich Anfang 1993, als das Netz eine Groesse erreicht hatte, die ohne Management-System nicht mehr beherrschbar war, fuer Spectrum. Kriterium dafuer war in erster Linie die grosse Anzahl von Cabletron-Hubs im Netz, ansonsten die Oberflaeche, Report- und Statistik-Features, eine objektorientierte Datenbank. Ausserdem spielte das Client-Server-Konzept eine Rolle. Es dauerte jedoch einige Zeit, ehe der Break-even-Point der neuen Anwendung im Klick-Netz der Hochschule Anfang 1995 mit der Version 3.0 erreicht wurde. Ursache dafuer waren eine Vielzahl von Bugs der noch in den Kinderschuhen steckenden Management-Plattform.

Die Luecke zwischen Theorie und Praxis wird kleiner. Sie ist hinsichtlich des reinen Managements von Netzelementen schon fast geschlossen. Was aber die Forderung nach Integration weiterer Management-Tools oder gar einer Verwaltung des Netzes als Gesamtsystem betrifft, scheinen einige der am Markt erhaeltlichen Systeme mehr Beta-Releases zu sein als fertige Produkte. Dies erinnert stark an den Stand der Komponenten-Management-Systeme vor vier Jahren.

Anwender erhoehen den Druck auf die Hersteller

Das Rechenzentrum der Universitaet Karlsruhe hat sich im Umfeld des integrierten Managements bisher mit einer ganzen Reihe von Produkten befasst, um dem Ziel einer umfassenden Loesung naeherzukommen. Neben Help-Desk-Systemen gehoeren dazu bis jetzt auch Kabel- und System-Management. Fuer die Kabeldokumentation wurde inzwischen das BIS/CM-System der Firma Byron beschafft. Derzeit wird am Rechenzentrum ein Projekt mit dem Ziel verfolgt, die objektorientierten Datenbanken von BIS/CM und Spectrum zu einer gemeinsamen Datenbasis zusammenzufuehren und die Oberflaechen zu integrieren.

Natuerlich besitzen alle Netz-Management-Systeme Schnittstellen zu weiteren Tools, doch handelt es sich hierbei meist nur um lose informelle Kopplungen. Dabei findet in der Regel keinerlei Datenabgleich zwischen den Systemen statt. Eine gemeinsame Datenbasis wird hier noch lange Wunschdenken bleiben. Das Hauptproblem ist der Mangel an geeigneten Standards. Dadurch kommen proprietaere Produkte auf den Markt, deren Interoperabilitaet beschraenkt ist. Zudem erschwert die in diesem Marktsegment vorherrschende Dynamik die Auswahl geeigneter Produkte. Administratoren koennen jedoch nicht ewig warten und muessen deshalb eigene Anstrengungen unternehmen, um weitere Management-Tools zu integrieren.

Netzwerk und Datenbestand gehoeren zum zentralen Nervensystem eines jeden Unternehmens. Diese Tatsache macht eine Integration unabdingbar. Entsprechend stark wird auch der Druck auf die Hersteller der Management-Tools werden. Trotzdem, die eierlegende Wollmilchsau wird es auch in diesem Bereich nicht geben. Betrachtet man die Entwicklung der Netz-Management-Systeme in den letzten vier Jahren, kann man jedoch mit grossen Fortschritten rechnen.

*Reinhard Strebler, Rainer Steinmueller, Stephan Schertel und Wilhelm Fries sind im RZ der Universitaet Karlsruhe taetig.