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09.12.1988 - 

10. Count-Symposium in Stuttgart belegt:

Netzwerker in Auf- und Umbruchstimmung

STUTTGART - Eine Tour d'horizon für Netzwerk- und Tarifierungsexperten in erster Linie großer Unternehmen vermittelte die diesjährige Benutzertagung des Count e. V., Gäufelden. Tenor: Dedizierte lokale Netze sind mehr denn je Thema, denn sie werden zum täglichen Praxisproblem. Und: ISDN wirft seine Schatten voraus.

Aus den Referaten der Anwender war verstärkt der Trend zu dedizierten lokalen Netzen auf der Basis von Ethernet zu erkennen, immer mehr aber auch zu Token-Ring-Netzen und nicht selten zu Lösungen, bei denen beide Topologien vorkommen. Probleme bereitet nach wie vor die Notwendigkeit, die so geschaffenen Inseln über Wide-Area-Netze, also (heute noch) über Postdienste, kostengünstig zu verbinden. Aus diesem Grund wurde das Thema nutzungszeit- beziehungsweise verbindungszeit-orientierte Tarifierung bei ISDN besonders "heiß" diskutiert. Ein geeigneter Zeitpunkt also für die Post, den Ergebnisbericht des ISDN-Pilotprojekts in Mannheim zu veröffentlichen.

Neben einer "ausgewiesenen" guten Übertragungsqualität und einer für einen Pilotversuch großen Gesamtverfügbarkeit war von einer erheblich erhöhten Akzeptanz der Anwender nach ersten praktischen Erfahrungen mit der Anwendungen dieser Technologie die Rede. Diagramme sollten dieses als Ergebnis einer Umfrage belegen.

Auch lieferten die Post-Techniker nützliche Informationen zum ISDN D-Kanal-Protokoll. Inzwischen steht offenbar fest, daß das derzeitige D-Kanal-Protokoll (1TR6) Anfang der 90er Jahre eingefroren und durch eine europäische Version im Rahmen der Bemühungen um einen europäischen Binnenmarkt ersetzt beziehungsweise ergänzt wird. Der Vertreter des Bundespostministeriums hielt ein Referat zum Thema Entwicklungstendenzen im Hinblick auf ISDN, die Anpassung von nicht-ISDN-fähigen Endgeräten an ISDN sowie "lautes Nachdenken" über die Anbindung des X.25-Netzes an die künftige ISDN-Infrastruktur.

Die als Minimalintegration vorgestellte Lösung weist Terminaladapter auf, die Maximalintegration den Zugang über die X.31-Schnittstelle. Dumpingpreise, um Kunden für ein bestimmtes Netz zu gewinnen (man erinnere sich an Bildschirmtext), soll es laut Bundespostministerium nicht mehr geben; geplant sind allenfalls Nachlässe für Betreiber großer Netze zum Beispiel im Datex-P-Bereich.

Aufklärung vor Ort läßt Wünsche offen

Der Telekommunikations-Berater Otto F. Schröter beleuchtete den Einfluß der TKO und die Einführung des ISDN im Hinblick auf Telekommunikations-Anwendungen. Nach einem Lob der Vorteile der ISDN-Technologie hob Schröter auf das Ziel TKO ab, nämlich Vereinfachung, Entbürokratisierung und Bekanntgabe erster Schritte zur Liberalisierung einzuführen sowie aktuelle Regeln und Gebühren.

Dieses Ziel, sprich Planungssicherheit für den Anwender, sei jedoch nur teilweise erreicht worden. Schröter ist ferner der Meinung, daß Paragraph 5 der TKO (Technische und betriebliche Funktionsbedingungen) die eigentlichen Bemühungen durch "teutonische Funktions- und Zulassungsbedingungen" teilweise zunichte macht. Als Beispiel nannte er die disharmonische Preispolitik bei der Umwandlung außenliegender Nebenstellenanlagen von analog zu ISDN, welche einer echten ISDN-Bremse gleichkomme. Auch den derzeitigen Wissensstand der Postkundenberater kritisierte der freie Beratungsprofi. Kritik übte er auch an der Öffentlichkeitsarbeit der Post in Sachen ISDN. Die Werbemillionen würden in farbenprächtige ISDN-Reklame investiert, die sachliche Aufklärung vor Ort lasse jedoch zu wünschen übrig. So könnte zum Beispiel ein ISDN-Atlas aufgelegt werden, der Auskunft gibt, wann und wo ISDN-Anschlüsse verfügbar sein werden.

Die Veranstaltung endete mit der Präsentation des 16 MBit/s schnellen Token Ring von IBM. Der Vortragende ließ keinen Zweifel daran, daß diese Entwicklung kein Ersatz für die 4 MBit/s schnelle Version des IBM Token Ring ist. Dies suchten auch diverse in die Rede eingebundene Performance-Betrachtungen zu belegen.

IBM sieht vielmehr die 16-MBit/s-Version als Hilfsmittel beim Aufbau von Backbone-Strukturen, die 4-MB-Ringe über einen oder mehrere schnelle Token-Ringe miteinander verbinden. In Gesprächen mit den von diesem Announcement der IBM betroffenen Anwendern klang allerdings einige Enttäuschung an.

Man hatte, wie in den USA, eigentlich die Ankündigung eines schnelleren Token-Rings erwartet. Insider wollen ja seit langem wissen, daß IBM an einer sehr schnellen Version arbeitet, die zum Beispiel auch als Kanalverlängerung eingesetzt werden kann (zum Beispiel 100 MBit/s).

Konzentrat

Wo andere Veranstalter etliche Tage in Anschlag bringen, konzentrierte auch in diesem Jahr wieder Count e. V. das Wissensangebot in Sachen Datenkommunikation auf zwei Tage (Count = Communication Users & Network Technology Exchange e. V.). Vertreter des Postministeriums, des Fernmeldetechnischen Zentralamtes, aber auch von Herstellern sowie Berater, Wissenschaftler und interessante Anwender kamen zu Wort, zum Beispiel: das Volkswagenwerk, das Innenministerium Baden-Württembergs, der Bayerische Rundfunk. Ein Tagungsband ist bei der Geschäftsstelle des Count e. V., Siedlerstraße 22, 7046 Gäufelden 1, zum Preis von 90 Mark erhältlich.