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08.01.1993 - 

Microsoft erhaelt jetzt starke Konkurrenz

Netzwerkspezialist Novell erlangt mit USL die Kontrolle ueber Unix

Mit dem Deal erhielte der Spezialist fuer PC-Netzwerke alle Rechte an Unix und weiteren USL-Produkten wie "Tuxedo" und den Sprachen C und C++.

Dazu bedarf es noch der Zustimmung einiger weiterer Firmen, die an USL beteiligt sind. Denn Novell hielt bisher knapp fuenf Prozent der USL-Anteile, und AT&T besass nach einem Rueckkauf der Werte von USL-Mitarbeitern zuletzt 77 Prozent. Die weiteren 18 Prozent teilen sich elf Firmen: Amdahl, Fujitsu, ICL, Institute for Information Industry, Motorola, NEC, Oki Electric, Olivetti, Sun, Tata Consultancy und Toshiba. Von ihnen erwartet USL-Chef Roel Pieper keinen Widerstand.

Zudem zeigt sich Novell grosszuegig. Die Firma will den Transfer durch die Neuausgabe von 12,3 Millionen Novell-Aktien finanzieren. 11,1 Millionen Aktien sollen AT&T und die genannten elf Firmen im Tausch gegen ihre USL-Anteile erhalten.

Diese Transaktion waere fuer sie steuerfrei. Allein AT&T duerfte dadurch nach Meinung von Analysten rund 100 Millionen Dollar einnehmen und waere zu drei Prozent an Novell beteiligt.

Durch die Aktien-Neuausgabe muss Novell bis zu 250 Millionen Dollar im ersten Quartal 1993 abschreiben. Der Wertverlust fuehrte prompt zu einem Sinken der Novell-Aktie. Ihr NASDAQ-Kurs fiel am Tage der Bekanntgabe des Deals um 1,5 auf 27,25 Dollar mit weiter sinkender Tendenz in den folgenden Tagen. Denn einige Boersianer fanden den Preis fuer USL zu hoch. Legt man den Novell-Kurs vom 20. Dezember 1992 zugrunde, loest der Netzwerkspezialist die einstigen Partner mit rund 320 Millionen Dollar aus. Dabei bewahren alle Beteiligten Stillschweigen darueber, zu welchem Kurs sie die Novell-Papiere tatsaechlich erhalten werden.

Mit dem Deal entsteht ein neuer Softwaregigant. Novell hatte im kurz zuvor abgeschlossenen Geschaeftsjahr 1991/92 eine Umsatzsteigerung um 46 Prozent auf 933 Millionen Mark gemeldet, der Gewinn nach Steuern war sogar um 53 Prozent auf 249 Millionen Dollar gestiegen. Die USL-Umsaetze im letzten Jahr sollen mindestens 80 Millionen Dollar betragen haben. Zusammen kommen beide Firmen also auf knapp ueber eine Milliarde Dollar Umsatz.

Bessere Vermarktung von Unix erwartet

Die neue Novell wuerde zwar deutlich weniger bilanzieren als die Microsoft Corp., die im letzten Geschaeftsjahr 2,76 Milliarden Dollar Umsatz gemeldet hat, mit ihr entstuende aber erstmals ein ernstzunehmender Konkurrent fuer die Gates-Company. So kommentierte denn auch IDC-Analyst John Morell: "Novell positioniert sich gegen Microsoft und Windows NT."

Unisono verbinden Unix-Spezialisten mit Novell die Hoffnung auf ein professionelles Marketing gegenueber der NT-Offensive von Microsoft. "Von Vermarktung konnte im Unix-Bereich bisher ja keine Rede sein. Mit Novell steht eines der potentesten Unternehmen hinter Unix", erklaerte Stephan Link, Geschaeftsfuehrer des Muenchner Unix- und Netzwerkspezialisten Computerlinks GmbH und Geschaeftspartner von Novell.

Kleinere Softwarehaeuser versprechen sich durchaus noch mehr von den Marketing-Faehigkeiten der Novell: Der Netzwerkspezialist koennte bessere Vertriebskanaele fuer Unix-Applikationen bieten, hofft Hans Strack-Zimmermann, Geschaeftsfuehrer der Muenchner Ixos Software GmbH: "Wenn Novell es schafft, fuer die Hersteller von Anwendungssoftware einen vernuenftigen Kanal zu ihrem ausgebufften Haendlernetz herzustellen, dann wird es hochinteressant. Es wird fuer Novell entscheidend sein zu verstehen, dass es darum geht, Anwendungen zu gewinnen. Am Schluss wird das Rennen nicht ueber das Betriebssystem, sondern ueber die Anwendungen entschieden."

Für Anwender kein Grund zur Sorge

Die Gegnerschaft zu Microsoft ist auch bei groesseren Mitspielern im Unix-Feld ein Faktor, der so dominierend ist, dass er andere Erwaegungen zuruecksetzt. Dass mit Novell wieder ein Unternehmen die Entwicklung von Unix System V vollstaendig unter Kontrolle hat, spielt in keiner Erklaerung von betroffenen Firmen eine Rolle. 1988 war das noch der nach aussen proklamierte Grund zur Gruendung der Open Software Foundation (OSF) und Ausloeser der sogenannten Unix- Kriege.

Die Zeiten haben sich geaendert. "Ich glaube nicht, dass in der heutigen Marktsituation solche Entwicklungen wiederkehren werden", meint Heinz Stalter, Marketing-Leiter der Unisys GmbH. Fuer die User bestehe kein Grund zur Beunruhigung. "Die Anwender sprechen heute nicht mehr ueber Betriebssysteme. Die Uebernahme wird sie recht cool lassen."

Die Branche fordert von Novell Offenheit

So betonen denn alle grossen Unix-Anbieter, von denen eine Erklaerung zu erhalten war, ihre Zustimmung zu dem Deal. Die OSF liess lapidar mitteilen: "Das betrifft uns in keiner Weise. Wir wuenschen ihnen alles Gute." Selbst die Santa Cruz Operation (SCO), an der Microsoft beteiligt ist, "begruesst" das Abkommen. Allerdings tauchen in allen Statements mehr oder minder deutliche Forderungen an die Adresse von Novell auf, die sich im Kern auf die Offenheit von Unix beziehen.

Am deutlichsten hat sich Sun geaeussert. Produkt-Manager Werner Kramer: "Sun geht davon aus, dass Novell die bisherige Unix- Strategie uneingeschraenkt weiterfuehren wird, das heisst: niedrige Lizenzgebuehren, offene Schnittstellen und APIs, gleichberechtigter Zugang zu Informationen und Technologien sowie kontinuierliche Weiterentwicklung von SVR4 bei gleichzeitiger offener Verfuegbarkeit aller Innovationen".