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Neu entstehende Software-Leasing-Branche könnte Löcher im DV-Budget verhindern helfen:Individualsoftware: Bezahlt wird erst, wenn's läuft

04.06.1982

MÜNCHEN - Software-Leasing scheint populär zu werden. Nachdem im Sommer 79 als erstes Unternehmen die Münchener Datarent diesen Gedanken bis zur Marktreife dachte, tummeln sich heute schon mehrere Software- und Leasingspezialisten auf diesem Feld. Neben dem üblichen Standardsoftware- und Projektleasing hat sich die Branche jetzt auch weitere Varianten einfallen lassen: Beim System-Test-Leasing, seit einem knappen Monat auf dem Markt, bestellt sich der Anwender komplette Lösungen zur Probe. Und neuerdings finanzieren die Leasinggeber auch Individualsoftware selbst für Großprojekte vor.

Grundsätzlich bietet das Leasing von Software die gleichen Vorteile wie das von Hardware: Der Anwender braucht die Programmentwicklung nicht mehr vorzufinanzieren. Die Leasinggesellschaft schreibt die Software in ihre Bücher, so daß der Leasingunternehmer nicht aktivierungspflichtig wird. Er kann vielmehr die Raten als Betriebsausgaben absetzen.

Bedingt durch den Preisverfall bei Computer-Produkten reißen die Ausgaben für Software ein immer größeres Loch in das Budget des DV-Leiters. Größere Projekte können heute kaum noch ohne teure Zwischenfinanzierung und hohem Liquiditätsbedarf durchgezogen werden.

Kosten entwickeln sich parallel zur Nutzung

Grundsätzlich hilft hier, wie Horst Kramer, Geschäftsführer der Münchener LeaseTrend erklärt, die Idee des Leasing: Aufteilung der Finanzierungskosten parallel zur Nutzung des Projektergebnisses. Im Software-Bereich sind nun, so versichert Kramer, sowohl Standard-Pakete als auch im Rahmen von Projektvorhaben individuell erstellte Programme leasingfähig, ganz gleich, ob es sich nun um Prozeß- beziehungsweise Verwaltungsautomation oder Informations- oder Kommunikationssysteme handelt.

Große Softwarehäuser indessen ziehen bei dieser Geschichte noch nicht so richtig mit. Sie haben vor allem Angst davor daß die Leasinggeber die Programme über eigene Vertriebskanäle weiter zu vermarkten suchen.

Aber auch die etablierten Programmschmieden sehen zunehmend die Notwendigkeit, den Kunden ihre Software auch über Leasing näherzubringen. In der Regel sind Leasingraten nämlich niedriger als Mietgebühren. Ein Softwarehaus selbst hat eben kaum die Möglichkeit, sich wie eine Leasinggesellschaft zu finanzieren, bedauert ein großes Wilhemshavener Unternehmen.

Um diese Zweifel auszuräumen, hat die Münchner Datarent Softwarehaus GmbH eine spezielle Vertragsform entwickelt: den Softwareüberlassungsvertrag. Dieser Vertrag ist, wie Datarent-Chef Kurt Rupprecht erklärt, ein Zwischending zwischen einem Leasing- und einem Mietvertrag. Der Trick dabei sei, daß Datarent niemals irgendwelche Eigentumsrechte an den Programmen erwirbt, sondern immer nur ein Nutzungsrecht, und dieses Nutzungsrecht auch nur für einen bestimmten Kunden. Die Urheberrechte bleiben beim Hersteller.

Auf diese Weise arbeiten die Programm-Mittler bereits mit mehr als 1000 OEMs zusammen, die Hard- und Software anbieten, mit großen Hardwareherstellern und Mikrocomputerhändlern. Dabei finanzierten die Münchener inzwischen rund 250 Programme. Im laufenden Geschäftsjahr hofft Datarent auf Neuabschlüsse von 15 Millionen Mark zu kommen.

Für besonders zukunftsträchtig erachten die Leasing-Spezialisten ihr im Mai diesen Jahres angelaufenes System-Test-Projekt. Dabei bietet Datarent sowohl für Software als auch für Hardware potentiellen Anwendern die Möglichkeit, einen Leasingvertrag mit halbjährlicher Probezeit abzuschließen. Gedacht ist diese Variante vor allem für Mini- und Mikro-Einsteiger, die erst einmal eine Hemmschwelle überwinden müssen.

Probeleasing für Einsteiger möglich

Mit dem Angebot, die "Kiste" im eigenen Betrieb sechs Monate probelaufen zu lassen, glaubt Datarent den Weg zum großen Kundenpotential der kleinen und mittleren Anwender gefunden zu haben. Der Leasingnehmer selbst zahlt während des sechs monatigen Test-Laufs dabei eine um ein Prozent erhöhte Leasingrate. Diese Erhöhung wird ihm dann bei Fortsetzung des Vertrages auf die Sicherheitsleistung beziehungsweise den Restwert mit 80 Prozent angerechnet.

Diese Sicherheitsleistung ist üblich, denn Datarent verlangt sie auch im "Normalfall". Diese Leistung beträgt fünf Prozent des Projektwertes, wird zu Beginn der Nutzungszeit fällig und nach Ablauf auf den kalkulierten Restwert von sieben Prozent angerechnet.

Bei Fortsetzung des System-Test-Leasing-Vertrages passiert nun nichts anderes: Die einprozentige Erhöhung wird ihm ebenfalls als Sicherheitsleistung zu 80 Prozent angerechnet. Kündigt aber der Kunde vor Ablauf der Halbjahresfrist, so entstehen ihm Datarent zufolge keine weiteren Aufwendungen - bis auf die Rücksendung des Leasinggutes.

Keine weiteren Kosten

Bleibt der Anwender indessen bei seiner Wahl, so genießt er während der gesamten Laufzeit die Gewährleistung des Leasinggebers. Die Münchener selbst haben immer einen Gegenvertrag zum Hersteller, der garantieren soll, daß die erstellte Software bis zum Ende der Vertragslaufzeit richtig gestellt wird.

Auf Großprojekte spezialisiert hat sich dagegen der Unternehmensbereich Software & Consulting des Hamburger IBM-Leasing-Spezialisten ICC-International Computer & Consulting GmbH. Dabei wollen die Hamburger vorerst einmal den eigenen Kundenstamm bedienen, der sich überwiegend aus Großanwendern zusammensetzt. Als solche befänden sie sich häufig in der Situation, eine speziell auf ihr Problem handgestrickte Lösung zu benötigen.

Ein Projektleasingvertrag der ICC mache es nun dem Anwender möglich, so Geschäftsführer Hans-Peter Bauer, sämtliche Teil- und Abschlußzahlungen über die Leasinggesellschaft zu finanzieren. So werden die Zahlungen erst dann fällig, wenn der Kunde auch tatsächlich den Kosten-Nutzen-Vorteil realisieren könne.

Damit auch sichergestellt ist, daß der Anwender die Software bekommt, die er haben will, teilen die Hamburger die Projekte in drei Teile ein. In der ersten Phase analysieren beide Parteien die Anforderungen. Dann wird die Aufgabenstellung und der Lösungsweg per DV festgeschrieben und erst zu diesem Zeitpunkt, betont Bauer, ist es möglich, den Aufwand vernünftig zu schätzen und das Produkt zu beschreiben.

Diese Abstimmphase (ICC nennt sie Design-Phase) wird noch auf normaler Berater-Basis abgerechnet. Erst dann erfolge die Programmierung, Test und Übergabe. Diese Phasen können dann über einen Software-Leasing-Vertrag finanziert werden.

Bei Nutzungsbeginn fängt der Anwender dann mit der Ratenzahlung an, in denen Entwicklungskosten zuzüglich der in der Zwischenzeit aufgelaufenen Zinsen enthalten sind. Dabei geht ICC wie bei einer normalen Hardware-Leasing-Rate vor: Der Endpreis zuzüglich eines bestimmten Leasing-Faktors wird im Sinne eines Full-Pay-Out zwischen 24 und 54 Monatsraten aufgeteilt und monatlich abgezahlt.

Diese Finanztechnik läßt sich nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten mit anderen Computerprodukten darstellen, bei denen nicht die blauen Buchstaben IBM auf dem Typenschild stehen. IBM macht keine Second-hand-Geschäfte. Sie ist gesetzlich verpflichtet, nur zu Listenpreisen zu arbeiten und alle Kunden gleich zu behandeln. Kompatible Computer von anderen Herstellern, die für IBM-orientierte Software konstruiert sind, können billig sein, sind aber oft riskant. Solche Firmen können schnell bankrott machen, wenn IBM die Preise senkt oder den Softwarehammer wirft oder neue Maschinen ankündigt, die den Markt umwerfen.

Computer-Auguren wie der IBM-Guru Dr. Herbert Grosch prognostizieren schon den Zusammenbruch der NAS für 1982. Hieraus könnte sich ein "drowning man syndrome" entwickeln, bei dem eine ertrinkende Firma andere, gleichstrukturierte Firmen, die zur Rettung herbeieilen, im Todeskampf mit in die Tiefe zieht.

Upgrade nach zwei Jahren

Die IBM bietet heute für ihre Computer neue technische und vertragliche Optionen an, die die Planungszeiträume erweitern, da die neuen IBM-Computer sich "on site" durch eine Art Bausteinsystem erweitern lassen.

Der Computer wird über 48 Monate finanziert, das Upgrade kommt nach zwei Jahren hinzu. Anstatt das Upgrade über die restlichen zwei Jahre mit einer recht hohen Miete zu tilgen, sehen wir als IBM-Experten eine zusätzliche Lebenserwartung für den Computer, der durch den Upgrade-Baustein wesentlich leistungsfähiger ist. Daher raten wir, den Mietvertrag um so viel zu verlängern, daß die Monatsmiete auf dem alten Preis bleibt und dadurch die Anschaffungskosten für den Baustein mit finanziert werden können. In der Praxis hat sich gezeigt, daß hier kein Zusatzrisiko entsteht.

Nichts Genaues weiß man nicht

Die Leasingbrache gibt sich zugeknöpft: An dieser Stelle sollte das Ergebnis einer Umfrage der COMPUTERWOCHE zum thema "Investitionszulage und Leasing" stehen. Mehr als 15 Finanzierungsunternehmen haten ihre Stellungnahme immerhin hin fest zugesagt. Kurz vor Redaktionsschluß hagelte es dann Absagen.

Die Argumente der branche für ihre völlig ungewohnte Publizitätsscheu: "fehlende Durchführungsbestimmungen", ohne die keine Aussage möglich sei (Deutsche Leasing), "keine Zeit"(Mietfinanz und FL-Finanz Leasing beispielweise), "kein Interesse" (Centra Leasing) oder auch der Hinweis auf den Leasing-Bundesverband, ohne den nichts gesagt werde Schwäbische Leasing). Der Bundesverband selbst hüllte sich gleichwohl auch in Schweigen. Fürchtet die Branch, Wenn sie von Allgemeinplätzen Abschied nehmen und konkret werden soll, der Anwender könnte seine Investitionsentscheidung weiter hinauszögern?