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01.09.1995

Neue Applikationen foerdern die Entwicklung CMI-Report: Das Networking der Zukunft wird von ATM dominiert

MUENCHEN (CW) - In der IT-Technik wird sich der Asynchronous Transfer Mode (ATM) durchsetzen. Als einheitliches Verfahren fuer alle Formen der Datenuebertragung bietet es mit seiner hohen und skalierbaren Bandbreite eine Loesung, um das steigende Datenaufkommen durch neue Applikationen wie Video, Multimedia und Client-Server-Anwendungen zu bewaeltigen.

Telefonnetze transportieren Sprache fuer die Kommunikation, Radiowellen oder Kabel-TV-Leitungen uebermitteln Fernsehbilder fuer die Unterhaltung und leitungsgebundene Infrastrukturen transferieren Daten fuer den Informationsaustausch. Fuer jeden Dienst gibt es separate Netze mit eigenen speziellen Techniken. ATM, so der Tenor der Marktstudie "ATM Report" von der Cambridge Limited Intelligence Ltd. (CMI), London, wird jedoch saemtliche Anwendungen und Dienste mit hohen Uebertragungsraten bedienen koennen und allen diesen Inselloesungen ein Ende bereiten. ATM ist fuer alle Netze konzipiert und akzeptiert jede Datenform.

Die kuenftige Marktdurchdringung des heutigen Hoffnungstraegers ATM ist ein zwangslaeufige Folge der Entwicklung in der IT-Technik, so die Marktforscher. Als Beleg fuer ihre These nennen sie den Trend zu bandbreitenintensiven Applikationen wie etwa die Uebermittlung von Compound-Documents, also Nachrichten, die mit Grafiken, Tabellen oder auch Sprachelementen angereichert sind. Bei dieser Form der Kommunikation ist nicht der Bandbreitenbedarf der einzelnen Nachricht entscheidend, sondern das steigende Aufkommen.

Bandbreitenhungrige Anwendungen sind aber auch die Uebermittlung von Videos, Sprache und Bildern, also der zunehmende Gebrauch von Multimedia-Applikationen, der interne und externe Dokumententransfer, Videokonferenzen, CAD/CAM, Client-Server, Video on demand, Workgroup-Computing, Information Services und vieles mehr. ATM kann den Anforderungen dieser Trends gerecht werden, denn das Verfahren ist schnell, flexibel, skalierbar, integriert LANs und WANs, und ist eine strategische Technologie.

Fuer Akademien, Forschungseinrichtungen, Uni-Institute oder andere Organisationen, die immer auf dem neuesten Stand der Technik bleiben wollen oder muessen, ist die Frage nach ATM in der Regel von rhetorischer Bedeutung.

In Unternehmen, die das Netzwerk zur Unterstuetzung des taeglichen Geschaefts benoetigen, gelten jedoch andere Regeln. Dort muss die unternehmensweite Infrastruktur Applikationen bedienen, um das Kerngeschaeft effektiver zu gestalten.

Die Schluesselfragen fuer Anwender lauten daher: Kann ATM den Service oder die Produkte des eigenen oder konkurrierenden Geschaefts verbessern? Lassen sich Kosten reduzieren oder Profite steigern, indem Informationen bei Angestellten, Kunden oder Lieferanten noch schneller vorliegen?

Carrier sind noch zurueckhaltend

Abseits der Frage nach dem wettbewerbskritischen Sinn der ATM- Technologie werden fast alle Industriezweige laut CMI-Report auf ATM migrieren muessen, weil bandbreitenintensive Applikationen im Einsatz sind. Doch bei der Implementierung der Technik gibt es eine grosse Kluft zwischen den Prioritaeten der Anwender und denen der Anbieter, insbesondere im Bereich der oeffentlichen Carrier.

Obwohl das asynchrone Verfahren den TK-Netzbetreibern bessere Moeglichkeiten beispielsweise bei der Skalierung einraeumen wuerde, stehen viele von ihnen der neuen Technik kritisch gegenueber und fragen zu Recht: Warum zur ATM migrieren, wenn die heutige Technik perfekt funktioniert? Viele TK-Anbieter haben in andere Techniken investiert, die sich erst auszahlen muessen, bevor sie mit ATM auf eine durchgehend digitale Netzwelt setzen.

Die besten Zukunftsaussichten raeumen die Verfasser dem verbindungsorientierten Switching-Verfahren im LAN-Markt ein. Dort ist allerdings nicht die Desktop-Vernetzung die treibende Kraft, sondern die LAN-zu-LAN-Kopplung. 25 Prozent aller lokalen Netze, so zitiert die CMI-Analyse das Marktforschungsinstitut IDC, waren 1993 miteinander verbunden 1997 sollen es bereits 44 Prozent sein. Die Uebergaenge werden intern als auch international realisiert. Als Resultat des zunehmenden Verkehrs zwischen LANs wird es einen steigenden Bedarf an schnellen Verbindungswegen geben.

Bei der ATM-Vernetzung bis zum Arbeitsplatzrechner gibt es zwei entscheidende Ansaetze bei den ATM-Arbeitsgruppen: Die von IBM in Leben gerufene 25ATM-Initiative koennte die Kosten fuer die Implementierung asynchroner Netze bis zum PC auf ein erschwingliches Niveau druecken, denn sie senkt die Uebertragungsrate auf fuer PCs ausreichende 25 Mbit/s. Des weiteren koennte der LAN Emulation Group (Lane - siehe Lexikothek), eine Arbeitsgruppe des fuer Normenvorschlaege zustaendigen ATM-Forums, eine Schluesselrolle zufallen.

Letztere Arbeitsgruppe soll Anwendern die einfache Migration auf ATM ermoeglichen, ohne dass sogenannte Altlasten wie etwa Ethernet- oder Token-Ring-Installationen komplett ersetzt werden muessen, denn zu gross ist die installierte Basis an herkoemmlichen LANs. Drei Millionen Ports waren laut CMI 1992 in Token-Ring- Installationen integriert, 1995 sollen es rund 11 Millionen sein. Wird nun noch die Ethernet-Basis hinzugerechnet, die den weitaus groessten Marktanteil im LAN-Markt ausmacht, ergibt sich eine grosse Anwenderzahl, die das ATM-Forum mit einer strikten Ausrichtung auf reine ATM-Umgebungen ausgrenzen wuerde. Die Aktivitaeten der Lane- Arbeitsgruppe sollen diese Anwender kostenguenstig in die ATM-Welt integrieren.

Werden in einem unternehmensweiten Netz LANs, MANs und WANs durchgaengig ATM-konform implementiert, duerfte sich nach Angaben des Berichts das Networking fuer Unternehmen vereinfachen. Als einheitliches Verfahren in privaten und oeffentlichen Netzwerken bietet es die Moeglichkeit des nahtlosen Internetworking und reduziert somit auch die Kosten beim Betrieb und Support der gesamten Infrastruktur.

Alternativverfahren im LAN-Bereich wie FDDI, Fast Ethernet oder Switching-Techniken unterstuetzen auch hohe Uebertragungsraten und sind zudem meist billiger als ATM-Produkte, koennen Sprache und Video allerdings nur bedingt in Echtzeit uebertragen. Bei der Wahl der Netzwerkloesungen, so raten die Marktforscher von CMI, sollten als entscheidende Kriterien nicht nur finanzielle Aspekte, sondern auch die kuenftige Bedeutung und heutige Marktreife beruecksichtigt werden. Eine der wichtigsten Fragen an verfuegbaren Alternativen zu ATM ist etwa, inwiefern sie technologische Sackgassen darstellen.

Generell favorisiert der ATM-Report von CMI ATM als Uebertragungsverfahren der Zukunft sowohl in lokalen als auch in Weitverkehrsnetzen. Zur Migration auf ATM liefert der Report Anhaltspunkte, um die Kosten des Projekts ungefaehr ersehen zu koennen, und stellt einen Stichpunktekatalog fuer die Projektphase auf. Seine These, kuenftig werde das Gros der IT-Technik ueber ATM verkabelt sein, untermauert der ATM-Bericht mit einer Marktuntersuchung der Probe Research: Im Jahr 2004 sollen bereits 54 Prozent aller vernetzten PCs und 86 Prozent der Unix- Workstations via ATM kommunizieren koennen. Ueber die erwartete Marktdurchdringung im TK- Sektor machen die Analysten allerdings keine naeheren Angaben.