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28.08.2006

Neue Aufbruchstimmung im Web

Jürgen Liebherr
Web 2.0 wird zum Geschäft. Neben Millionen von Internet-Nutzern springen immer mehr Unternehmen auf den zweiten New-Business-Zug auf.

Als im Jahr 2001 die Dotcom-Blase endgültig platzte, war die Luft aus dem Web-Business raus. Die Branche hatte nicht nur mit hohen wirtschaftlichen Verlusten, sondern auch mit einem Imageschaden zu kämpfen. Die Skepsis gegenüber Begriffen wie "Internet-Startup" oder "Venture Capital" saß tief.

Das Web 2.0

Die renommiertesten Sites:

• MySpace.com: Community-Plattform;

• flickr.com: Foto-Community;

• YouTube.com: Videoplattform;

• blogger.com: Weblog-Site;

• del.icio.us: Suchportal mit User-Bewertungen;

• LinkedIn.com: Business Network;

• Digg.com: Technologie-Nachrichten-Blog.

Die innovativsten Sites und Anwendungen:

• dabbledb.com: Online-Datenbank-Tool;

• flock.com: Web 2.0-Browser.

Die deutschen Vorreiter:

• OpenBC.com: Business Network;

• Spreadshirt.net: T-Shirt-Shop-Betreiber/-Vermittler;

• Qype.com: Suchportal mit User-Bewertungen;

• Mister-Wong.de: Social Bookmarking;

• plazes.com: Lokalisierungs-/Kennenlern-Plattform;

• myswitchboard.de: Personalisierter Browser;

• sevenload.de: Deutsches YouTube/MySpace-Pendant.

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Seit kurzem herrscht jedoch wieder Aufbruchstimmung. Der Katalysator hierfür ist das "neue" Internet. Interaktive Web-2.0-Anwendungen feiern Erfolge, an denen viele meist junge, kreative Köpfe teilhaben wollen. Angetrieben wird die neue "New-Business"-Welle durch hohe Nutzerzahlen (etwa 100 Millionen geschätzte MySpace-User) und beträchtliche Geldsummen für Firmenübernahmen. So hat Rupert Murdochs News Corp. 580 Millionen Dollar für MySpace gezahlt. Ebay legt 2,6 Milliarden Dollar für den VoIP-Spezialisten Skype auf den Tisch; je nach dessen Geschäftsentwicklung kann die Summe noch auf vier Milliarden Dollar anwachsen.

Solche Zahlen motivieren Internet-Gründer: Im besten Fall wird nach neuen Geschäftsmodellen oder Ideen gesucht, Kreativität gefördert und kanalisiert - im schlechtesten wird ganz schnöde abgekupfert. Wer noch schnell als Zweiter oder Dritter auf den Ideenzug aufspringt, kann oft mit ähnlichen Erfolgen rechnen wie der eigentliche Erfinder. In Deutschland tun sich vor allem solche Gründer hervor: Fast alle deutschen Web-2.0-Sites haben US-amerikanische Vorbilder - auch OpenBC.

Das Business-Netz

Bei dessen Geschäftsmodell handelt es sich um eine Adaption von "LinkedIn", einem im Mai 2003 gestarteten amerikanischen Social Business Network. Im Herbst 2003 von Lars Hinrichs in Hamburg gegründet, soll das Online-Netz "Open Business Club" Geschäftsleuten helfen, Kontakte zu knüpfen. "Wir stellen mit OpenBC die soziale Infrastruktur und weiterführende Applikationen, um Networking professionell zu machen - und das in vielen Sprachen dieser Welt", erklärt Hinrichs.

Aus der simplen und klugen Idee ist so schon vor Beginn der Web-2.0-Euphorie ein Erfolgsmodell geworden: Mittlerweile haben 1,5 Millionen Mitglieder ihr Profil bei OpenBC hinterlegt und pflegen dort ihre Business-Kontakte. Hinrichs kann die Ernte einfahren: Dank des monatlichen Mitgliedsbeitrags (knapp sechs Euro) ist sein Unternehmen längst rentabel. Zudem ist kürzlich der Risikokapitalgeber Wellington Partners mit 5,7 Millionen Euro bei OpenBC eingestiegen. Branchenkennern zufolge könnte nun der Gang an die Börse anstehen.

T-Shirts aus dem Online-Shop

Ein weiteres deutsches Vorzeigeunternehmen ist der T-Shirt-Händler Spreadshirt. Über 120000 Shop-Partner nutzen mittlerweile das Angebot des Leipziger Startups, einen T-Shirt-Laden in den eigenen Web-Auftritt zu integrieren. Diese Firmen ermöglichen den Besuchern ihrer Site, Shirts individuell zu gestalten. Spreadshirt kümmert sich um Wareneinkauf, Versand und Inkasso. Das Schlagwort für die Community-bezogene Handelsform lautet "Social Commerce". Spreadshirt wurde 2002 von dem Betriebswirtschaftsstudenten Lukasz Gadowski gegründet. Ihm zufolge lief das Geschäft ganz ohne Wagniskapital binnen kürzester Zeit profitabel. Heute beschäftigt Spreadshirt weltweit gut 230 Mitarbeiter und expandiert von Leipzig aus in das europäische Ausland und die USA.

Während Spreadshirt und OpenBC zwei der wenigen renommierten deutschen Frühstarter im Web-2.0-Umfeld sind, steigt die Zahl der erfolgversprechenden, aber noch unprofitablen Spätzünder wie "Qype" und "Mister Wong". Beide Internet-Firmen widmen sich im weiteren Sinne dem Thema "Suchen und Finden".

Qype ("Quality" und "Hype") ist eine Kombination aus Gelben Seiten, Stadtmagazin und Community. Durch die Empfehlungen und Kommentare der Mitglieder soll die lokale Suche nach Cafés oder Handwerkern persönlicher werden. Der Gründer von Qype, Stefan Uhrenbacher, ist im New Business nicht unerfahren und beackert schon seit gut einem Jahrzehnt das (Um-)Feld Internet. Der 37-Jährige gründete das Reiseportal Travelchannel und war für Lastminute.com sowie DocMorris tätig.

Zwar soll Qype irgendwann Geld in die Kassen bringen, derzeit liegt Uhrenbacher jedoch primär daran, zwei Haupttrends zu realisieren: Zum einen gebe jeder etwas ab bei Web 2.0, woraus sich eine Kultur des Teilens entwickle. Ein weiterer, längerfristiger Trend entsteht laut Uhrenbacher dadurch, dass das Internet dem Verbraucher mehr Macht verleiht. "Unternehmen, die das verstehen, versuchen, sich mit dem Konsumenten auf Augenhöhe zu begeben." Ganz neu ist die Idee der lokalen Suche allerdings nicht. Ähnliches bietet "Yelp" (www.yelp.com) bereits seit längerem in den USA an.

Social Bookmarking

Das deutsche Social-Bookmarking-Portal Mister Wong hat ebenfalls ein amerikanisches Vorbild: "del.icio.us" (www.del. icio.us) ist ein in den Staaten erfolgreiches Web-2.0-Aushängeschild, das Yahoo für angeblich 30 Millionen Dollar gekauft hat. Das Prinzip des Social Bookmarking: User geben Tipps, veröffentlichen ihre Favoriten im Web und generieren daraus eine "persönliche" unabhängige Suchmaschine. Mister Wong wird von der Agentur "Construktiv" des Gründers Kai Tietjen mit 40 Mitarbeitern betrieben. Dort macht man sich keine Illusionen über Millionenumsätze oder -übernahmen. Die Web-Profis wissen, dass hierzulande wirklich neue und gewinnbringende Business-Modelle für das Web 2.0 noch rar sind. "Die Frage nach den Geschäftsmodellen ist aus unserer Sicht nicht die primär entscheidende", so Tietjen. Vielmehr ständen zunächst die neuen Möglichkeiten im Mittelpunkt, die das "demokratische Mitmach-Web" biete. Die Herausforderung sei, neue Wege zu beschreiten - die Geschäftsmodelle folgten ohnehin. "Selbst Google hatte lange Zeit kein Geschäftsmodell, bis die AdSense-Anzeigen erfunden wurden", gibt der 35-Jährige zu bedenken.

Mit dieser Meinung steht Tietjen nicht allein. Viele Köpfe der Web-2.0-Szene treibt eine Mischung aus "Social Web Spirit" und Business-Know-how. Martin Röll, Berater im Bereich Social Software, schreibt in seinem Insider-Blog (www.roell. net/weblog): "Web 2.0 ist nicht für Geschäftsmodelle entstanden. Menschen (und sogar Unternehmen) tun alle möglichen Dinge auch ohne Geschäftsmodell." Dabei sei die Frage nach der Bedeutung von Web 2.0 für das eigene Unternehmen oft wichtiger als die Frage, wie sich damit Geld verdienen lasse.

Bubble 2.0?

Dennoch bleibt die Frage, ob bei aller Web-2.0-Euphorie nicht manchem neuen Internet-Unternehmen mangels realer Verdienstmöglichkeiten die Luft ausgehen wird. Wird eine weitere Dotcom-Blase platzen? Harald Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft (eco), sieht hier wenig heiße Luft: "Hinter dem Web 2.0 stehen ja anscheinend wirkliche Bedürfnisse - sowohl der Privatpersonen als auch der Unternehmen." Zudem handle es sich bei den neuen Internet-Firmen nicht um Newcomer, die nur aus dem Business-Plan heraus lebten, sondern meist um erfahrene Unternehmen mit einem Proof of Concept und hinreichender Finanzierung.

Selbst der von vielen als "heißluftig" eingeschätzte 580-Millionen-Dollar-Deal von Rupert Murdoch scheint aufzugehen: Google wird MySpace in Zukunft die Anzeigenkunden liefern und dort seine Suchtechnik integrieren. Dafür zahlt Google 900 Millionen Dollar an Murdoch. (kf)