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10.03.2000 - 

Einwohnermeldeämter und Bundesdruckerei kurz geschaltet

Neue Ausweise gibt es eine Woche eher

HANNOVER (ls) - Die deutschen Bürger sollen nicht mehr so lange auf ihre neuen Ausweise warten müssen. Alle Angaben für ein neues Dokument werden die Einwohnermeldeämter demnächst vor Ort digital erfassen, online an die Bundesdruckerei übertragen und dadurch einen Postweg sparen sowie die Arbeitsvorbereitung verkürzen.

Für einen neuen Personalausweis, Reisepass oder Führerschein braucht man einen Antrag, Fotos, Unterschrift - und eine Menge Geduld. Letzteres in naher Zukunft weniger. Das "Brustbild" wird nicht mehr mit all den Unterlagen per Post zur Bundesdruckerei nach Berlin geschickt, sondern in den Einwohnermeldeämtern vor Ort gescannt, ebenso die Unterschrift. Die Daten gehen künftig mit den Angaben zur Person online auf den Weg.

Nach einer Woche weniger als bisher kann der Bürger seinen neuen Ausweis abholen. Den Führerschein bekommt er nach einer Woche oder notfalls im Expressverfahren nach 24 Stunden, natürlich fälschungssicher und im Euro-Kartenformat. Die Behörden haben ebenfalls ihren Vorteil. Sie müssen die Anträge nicht mehr aufbewahren; derzeit stapeln sich 80 bis 100 Millionen ausgefüllte Formulare in den Papierarchiven bundesdeutscher Ämter. Da dürften sich die kalkulierten 800 bis 1000 Mark Kosten pro digitalisierten Arbeitsplatz in den Ämtern bald bezahlt machen.

Das neue Verfahren unter dem Projekttitel "Digant" (Digitaler Antrag für Reisepass, Personalausweis und Führerschein) trage "in vollem Umfang", so Bundesdruckereichef Harald Wendel, den Bedenken von Datenschützerseite Rechnung. Dem Sicherheitsproblem der Datenübertragung begegne man durch eine 1024-Bit-Verschlüsselung.

Stadt Siegburg macht gute ErfahrungenDigant wird zur Zeit in der nordrhein-westfälischen Stadt Siegburg, 40 000 Einwohner, erprobt. Bürgermeister Walter Landvogt "kann es den Kommunen empfehlen". Auch in Köln und Hamm steht die Einführung des digitalen Ausweisantrags an, die Datenzentralen in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein wollen in Kürze diesen schnellen Weg zu neuen Personaldokumenten ebenfalls nutzen. In den Kreisen Göttingen und Berchtesgadener Land fangen zunächst die Führerscheinstellen damit an. Auf einer CeBIT-Pressekonferenz bekundete ein Vertreter des Städte- und Gemeindebundes "großes Interesse an einer beschleunigten Einführung".

Bundesinnenminister Otto Schily propagierte in Hannover mit unmissverständlichem Wink an die Adresse der Kommunen das Digant-Verfahren als "deutlichen Modernisierungseffekt, den ich sehr begrüße". Er gab zugleich einen Hinweis auf weitere Entwicklungen, indem er die Web-Projekte diverser, vor allem größerer Städte erwähnte: "Sowas wie Digant fügt sich ganz gut ein."

Das war Wasser auf die Mühlen der Bundesdruckerei. Harald Wendel erklärte sein grundsätzliches Ja zur Idee, Ausweise per Internet zu bestellen, wenn das auf sichere Art möglich sei. "Der richtige Weg dahin ist die digitale Signatur. Ein Weg, den wir bereits beschreiten." Er rechne in drei bis fünf Jahren mit praxisreifen technischen Möglichkeiten.