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Untreueverdacht gegen Aufsichtsrat


23.07.2012

Neue Betrugsvorwürfe bei Easy Software

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Bei der Easy Software AG steht ein Aufsichtsratsmitglied unter dem Verdacht der Untreue. Wir haben einige Hintergrundinformationen zu dem Fall zusammengestellt.
Gegen Gereon Neuhaus, Ex-Vorstand von Easy Software, ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Gegen Gereon Neuhaus, Ex-Vorstand von Easy Software, ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Foto:

Seit über einem Jahr staunen Mitarbeiter, Partner und Kunden von Easy Software darüber, wie Manager und Investoren den Anbieter von ECM-Software (Enterprise Content Management) immer weiter in Misskredit bringen. Der Ärger begann mit der Demission des Vorstandsvorsitzenden Gereon Neuhaus im Juni 2011, dem zuvor Untreue im Zusammenhang mit einer Auftragsvergabe an ein externes Softwareentwicklungshaus vorgeworfen worden war. Als die Staatsanwaltschaft Essen Mitte vergangenen Jahres offiziell die Ermittlungen aufnahm, warNeuhaus als Geschäftsführer nicht mehr haltbar und wurde abgesetzt. Die Ermittler scheinen fündig geworden sein. Vor drei Wochen wurde Anklage wegen Untreue vor der Wirtschaftsstrafkammer Essen erhoben. Die Wahl des Gerichts lässt auf die potenzielle Schwere der Vergehen schließen. Vor einer Strafkammer werden Fälle mit einem zu erwartenden Strafmaß von mehr als vier Jahren Haft verhandelt.

Manfred Wagner ist Mitglied des Ausichtsrats bei Easy Software (hier auf einem Screenshot der Firma zu sehen).
Manfred Wagner ist Mitglied des Ausichtsrats bei Easy Software (hier auf einem Screenshot der Firma zu sehen).
Foto: Easy Software

Nur wenige Tage später, Anfang Juli 2012, folgte der nächste Tiefschlag für Easy Software. Zwei Investmentgesellschaften der Lupus-Alpha-Gruppe, jeweils Anteilseigner des börsennotierten ECM-Anbieters und zusammen im Besitz von mehr als fünf Prozent der Aktien, werfen Aufsichtsratsmitglied Manfred A. Wagner vor, sich unrechtmäßig bereichert zu haben (siehe Ergänzungsantrag zur Hauptversammlung). Wagner selbst hält über 26 Prozent an Easy Software und ist zudem Eigentümer der IPM Industrie Participation Management M.A. Wagner GmbH. Diese Gesellschaft ist an diversen Firmen beteiligt. Mindestens drei Tochtergesellschaften von IPM sollen Geschäfte mit Easy Software betrieben und - so der Vorwurf von Lupus Alpha - überhöhte oder nicht zu rechtfertigende Rechnungen ausgestellt haben. Lupus Alpha strebt auf der Hauptversammlung am 26. Juli einen Beschluss an, eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit den Ermittlungen zu beauftragen. Wagner soll zu Schadenersatzzahlungen gezwungen werden.

Zu den drei Firmen, die unrechtmäßig bevorteilt worden sein sollen, gehört auch die sbr health it. Das Unternehmen hatte von Easy Software den Auftrag erhalten, eine Lösung für die Gesundheitsbranche zu entwickeln. Doch bevor eine lauffähige Version fertig war, meldete sbr health it bereits Insolvenz an. Easy Software hatte schon Teile der Entwicklung bezahlt, jedoch noch keine lauffähige Lösung erhalten. Pikanterweise hielt Wagner 57 Prozent der Anteile an sbr health it, wäre also möglicherweise mit in den Genuss der Zahlungen gekommen. Der Programmcode, der bis zur Pleite fertig geworden war, wurde angeblich kostenlos der Baumann Technologie GmbH übergeben. Diese gehörte laut Lupus Alpha ebenfalls zur Wagner-Gruppe (siehe Firmeneintrag auf http://firma-24.de/), bestreitet das aber. Für Easy Software entstand ein Schaden von rund 1,2 Millionen Euro.

Über Wagners Firma IPM ist wenig bekannt. Eine Web-Site gibt es nicht, der Telefonanschluss ist dauerhaft unbesetzt. In einem Profil des Aufsichtsrats auf der Web-Seite von Easy Software heißt es, Wagner führe eine Unternehmensgruppe mit rund 5.000 Mitarbeitern. Andere Quellen sprechen von 600 Millionen bis 700 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.

Gegen Wagner wird auch in anderer Angelegenheit ermittelt: Im April 2012 hat die Deufol AG aus Hofheim Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen einige Ex-Manager eingereicht. Ihnen wirft der Verpackungsspezialist vor, mit Hilfe eines komplexen Geflechts von Firmen und Firmenbeteiligungen das Unternehmen betrogen zu haben. Die Schadenssumme bewegt sich im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Einer der Beschuldigten ist Manfred Wagner, vormals Geschäftsführer eines Tochterunternehmens von Deufol.